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Wegen Bauprojekt:Vermieter kündigt der Tierrettung

Die Tierretter kommen im Notfall auch zum Hausbesuch.

(Foto: Stephan Rumpf)

Völlig unerwartet muss sich der Schwabinger Verein nun eine neue Bleibe suchen

Die Kündigung kam ohne Vorwarnung. Nach 15 Jahren Mietverhältnis, bei stets pünktlich bezahlter Miete, muss sich die Münchner Tierrettung zum 1. August unerwartet eine neue Bleibe suchen. "Die Art und Weise, wie das gelaufen ist, enttäuscht mich menschlich sehr", sagt die Präsidentin des in Schwabing ansässigen Vereins, Evelyne Menges. "Da hätte man vorher zumindest darüber reden können." Die Juristin ist aber optimistisch, mit Unterstützung der Münchner Tierfreunde innerhalb eines halben Jahres Alternativräumlichkeiten zu finden.

Die eigentliche Hiobsbotschaft ist für die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CSU im Stadtrat eine andere. Denn jetzt ist klar: Der idyllische Innenhof hinter der Ecke Herzog-/Apianstraße, für dessen Erhalt die Bewohner gekämpft haben, wird nun tatsächlich bebaut. "Unsere Tierrettung muss weichen, weil ein Durchbruch in den Hof gemacht werden soll, um die Baustelle zu ermöglichen." Ein viergeschossiger Neubau mit acht Studenten-Apartments soll errichtet werden. Dafür muss eine grüne Oase weichen, Treffpunkt für Nachbarn und vitaler Lebensraum für Insekten, Marder, Fledermäuse und viele Vögel. Die hochgewachsenen Bäume im Hof werden nicht nur von den 29 Parteien der Anwesen Herzogstraße 84 und Apianstraße 8 als grüne Lunge wahrgenommen, sondern auch von den Nachbarn an der Clemensstraße. Dem Neubau zum Opfer fallen soll außerdem ein kleiner Spielplatz, der von den Kindern beider Hausgemeinschaften genutzt wird.

Das Bauprojekt gilt vielen als Präzedenzfall dafür, wie es nicht laufen sollte. Mit seinen gründerzeitlichen Fassaden, von denen viele unter Denkmalschutz stehen, mit den Straßencafés, Plätzen und Märkten ist das Viertel eines der charmantesten Münchens. Die wahren Schmuckstücke ihres Quartiers bleiben für viele Schwabinger dennoch ihre schattigen Innenhöfe, Ruhezonen abseits der Hektik.

Mehr als 2000 Unterschriften konnten die Bewohnergemeinschaften sammeln, um zu versuchen, das im vergangenen Juni von der Lokalbaukommission (LBK) genehmigte Vorhaben doch noch zu stoppen. Ohne Erfolg, wie sich nun zeigt. "Der LBK blieb rechtlich keine Wahl, und fairerweise muss man sagen, dass an derselben Stelle, wo der Neubau hinkommt, schon vor dem Krieg ein Haus stand", erklärt Menges. Bislang allerdings ging die Tierschützerin davon aus, dass ein Kran die Bauteile über die bestehenden Häuser hätte heben sollen. Von einem Abriss der Tierrettung-Räume war bis jetzt nie die Rede.

Wer die Münchner Tierrettung bei ihrer Suche nach einem neuen Domizil unterstützen möchte: 60 bis 100 Quadratmeter im Erdgeschoss mit zwei Stellplätzen für Rettungsfahrzeuge braucht der Verein, um Tieren in Not zu helfen - idealerweise innerhalb des Mittleren Rings gelegen, damit die Retter schnell an ihre Einsatzorte kommen. Erreichbar ist die Tierrettung per E-Mail unter info@tierrettungmuenchen.de.

© SZ vom 18.01.2020
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