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Werneckhof in Schwabing:Der Geist des Tantris lebt weiter

Köchin Sigi Schelling vor dem Restaurant Werneckhof, Werneckstraße 11

Köchin Sigi Schelling vor dem Restaurant Werneckhof. Im Mai will sie eröffnen.

(Foto: Florian Peljak)

Sigi Schelling arbeitete 15 Jahre als Sous-Chefin von Sternekoch Hans Haas - nun übernimmt sie den Werneckhof. Ihrem Küchenstil will die gebürtige Österreicherin treu bleiben.

Von Franz Kotteder

Für die Tantris-Fans - und davon scheint es in der Stadt ja nicht wenige zu geben - ging mit dem Jahreswechsel ein kleines bisschen die Welt unter: Chefkoch Hans Haas verabschiedete sich in den Ruhestand, ohne dass er noch einmal so richtig hätte aufkochen können in seinem Nordschwabinger Gourmetpalast an der Johann-Fichte-Straße 7. Denn das Tantris musste bereits im zweiten Lockdown schließen und wird jetzt umfassend saniert, bevor im Sommer ein ganz neues Team die dann nagelneue Küche einweihen soll.

Der Geist des alten Tantris aber wird in der Stadt bleiben, und das zu einem gar nicht so geringen Teil. Denn die bisherige Sous-Chefin von Hans Haas, Sigi Schelling, macht sich selbständig und übernimmt im Mai den Werneckhof in Schwabing. Das war schon bisher ein hervorragendes Gourmetlokal, Tohru Nakamura hat hier zwei Sterne im Michelin erkocht. Bislang gehörte das Restaurant zur Gruppe der Geisel-Privathotels (Königshof, Schwabinger Wahrheit, Excelsior, Beyond), im vergangenen Jahr gaben die drei Geisel-Brüder den Werneckhof wegen der Corona-Auflagen jedoch auf.

Die Stiftung, der das Haus mit dem Lokal gehört, suchte daraufhin nach neuen Mietern. Nakamura eröffnete zwischenzeitlich sein Restaurant Salon Rouge in der Burgstraße, das er wegen Corona allerdings mehr oder weniger schließen musste.

Dafür wird aus dem Werneckhof nun gewissermaßen ein Schelling-Salon. Sigi Schelling übernimmt die Räume mit den 36 Plätzen im Herzen Schwabings und wird dort künftig ihre eigene Küche vorstellen. Wobei die gar nicht so weit entfernt sein dürfte von dem, was bisher im Tantris auf der Karte stand. Denn die 44-Jährige kam bereits mit 29 Jahren in das Münchner Spitzenrestaurant und war schon nach kurzer Zeit die Sous-Chefin von Haas. Wie ihr Chef ist sie gebürtige Österreicherin, kommt aus dem Bregenzerwald, wo ihre Eltern einen großen Bauernhof besitzen. Vom Hof der Familie hatten bisweilen auch die Tantris-Gäste etwas, denn das eine oder andere Schwein aus dem elterlichen Hof kam dort gelegentlich auf den Tisch.

Bei der Arbeit ist Schelling nicht weit entfernt von den Grundsätzen, die Hans Haas immer vertreten hat. "Meinem Küchenstil bleibe ich treu", sagt sie, "beste Produkte perfekt gekocht. Kein Firlefanz. So, wie ich es an der Seite von Hans Haas gelernt und jeden Tag gelebt habe." Mehr verrät sie erst einmal nicht, es ist ja auch noch etwas Zeit bis zum Mai, wenn sie den "Werneckhof bei Sigi Schelling", wie das Lokal dann heißen wird, eröffnen will. Derzeit werden Küche und Keller umgebaut und renoviert. Sigi Schelling macht sich inzwischen Gedanken über die Karte und stellt ihr Team zusammen. Im Tantris war sie praktisch die ganze Zeit die einzige Frau unter lauter Köchen. Für sie war das nie ein Problem. Sie ist zu Hause mit fünf Geschwistern zwischen zwei Brüdern aufgewachsen, erzählte sie einmal.

In München könnte sie nun bald die zweite Sterneköchin nach Maike Menzel vom Restaurant Schwarzreiter im Hotel Vier Jahreszeiten werden. Denn das Tantris hatte ja auch in ihren 14 Jahren als Sous-Chefin immer zwei Michelin-Sterne. Sie weiß also, wie so etwas geht. Und ihr früherer Chef ist eh voll des Lobes über sie: "Die Sigi war in all den Jahren meine rechte und manchmal auch meine linke Hand", sagt er, "wir waren ein super Team. Sie ist der Wahnsinn. Man wird noch viel von ihr hören!"

© SZ vom 15.01.2021/kafe/van
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