Jugendlicher mit Softair-PistolePolizei schießt auf 14-jährigen Schüler – wie es dazu kam

Lesezeit: 2 Min.

Der Ort des Geschehens wurde am Dienstagabend über Stunden von der Polizei untersucht.
Der Ort des Geschehens wurde am Dienstagabend über Stunden von der Polizei untersucht.
Foto: Felix Hörhager/dpa
  • Ein 14-jähriger Schüler wurde am Dienstagabend in Schwabing von der Polizei angeschossen, nachdem er mit einer täuschend echt aussehenden Softair-Pistole hantiert hatte.
  • Als Zivilpolizisten den Jugendlichen aufforderten, die Waffe fallen zu lassen, drehte er sich mit der Pistole in der Hand zu ihnen um, woraufhin ein Beamter schoss.
  • Der Jugendliche wurde im Oberkörper getroffen und ins Krankenhaus gebracht, sein Zustand ist stabil, das Landeskriminalamt prüft die Rechtmäßigkeit des Schusswaffengebrauchs.
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Der Jugendliche hantiert auf der Straße mit einer Softair-Pistole. Als ihn Beamte auffordern, die Waffe niederzulegen, fällt ein Schuss und trifft ihn im Oberkörper. Sein Zustand ist stabil.

Von Joachim Mölter

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In Schwabing ist am Dienstagabend ein 14-Jähriger von der Polizei angeschossen und schwer verletzt worden. Der Jugendliche, der nach übereinstimmenden Zeugenaussagen deutlich älter aussah, habe zuvor mit einer schwarzen Schusswaffe offen auf der Straße hantiert. Als er von Zivilpolizisten aufgefordert wurde, die Waffe fallen zu lassen, habe er sich mit der Pistole in den Händen zu ihnen umgedreht, woraufhin einer der Beamten geschossen und den Jugendlichen im Oberkörper getroffen habe, berichtete Polizeisprecher Thomas Schelshorn am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Der Jugendliche sei ins Krankenhaus gebracht worden, sein Zustand sei stabil.

Beamte des Sachgebiets 131 des Bayerischen Landeskriminalamtes überprüfen nun wie in solchen Fällen üblich die Rechtmäßigkeit des Schusswaffengebrauchs. Die Staatsanwaltschaft München I hat dazu ein sogenanntes Vorermittlungsverfahren eingeleitet.

Vorwürfe nach Vorfall wegen Softair-Waffe
:Schuss auf 14-Jährigen: Darstellungen zum Polizeieinsatz widersprechen sich

Die Familie des Jugendlichen weist die Schilderung der Münchner Polizei „entschieden zurück“, spricht von Fesselung und Demütigung. Der Verletzte selbst konnte noch nicht befragt werden.

Von Joachim Mölter

Die beteiligten Beamten haben dabei Zeugenstatus, auch derjenige, der den Schuss auf den Jugendlichen abgegeben hat, wie Schelshorn betonte. Nach aktuellem Stand werde in diesem Zusammenhang niemand als Beschuldigter geführt. Das für Bedrohung und Waffenrecht zuständige Kommissariat 24 ermittelt zudem wegen einer möglichen Bedrohung durch den 14-Jährigen.

Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler handelt es sich bei dem 14-Jährigen um einen Schüler aus dem Landkreis Miesbach, der in Begleitung eines etwa gleichaltrigen Mädchens gewesen sei. Die Waffe, die er bei sich gehabt habe, sei eine Softair-Pistole gewesen, die „von einer scharfen Schusswaffe nicht zu unterscheiden“ sei, wie Schelshorn anhand eines Vergleichsbildes mit einer Neun-Millimeter-Beretta 92 FS erläuterte.

Polizeisprecher Thomas Schelshorn zeigt ein Foto der Softair-Pistole des angeschossenen Jugendlichen (links) im Vergleich zu dem einer Beretta.
Polizeisprecher Thomas Schelshorn zeigt ein Foto der Softair-Pistole des angeschossenen Jugendlichen (links) im Vergleich zu dem einer Beretta.
Foto: Joachim Mölter

Wie der Polizeisprecher weiter mitteilte, war am Dienstag um 17.15 Uhr der Notruf eines Passanten eingegangen, demzufolge ein als etwa 20 Jahre alt beschriebener Mann am U-Bahnhof Hohenzollernplatz mit einer schwarzen Schusswaffe hantiere und in einen Linienbus in Richtung Kurfürstenplatz gestiegen sei. Sofort seien zahlreiche zivile und uniformierte Einsatzkräfte alarmiert und in die angegebene Gegend beordert worden. Zwei Zivilpolizisten hätten den jungen Mann dann gegen 17.30 Uhr an der Kreuzung Herzog- und Belgradstraße entdeckt, als er sich mit seiner Begleiterin in Richtung einer Trambahnhaltestelle bewegt habe.

Dabei habe er nach Polizeiangaben „einen waffenähnlichen Gegenstand“ aus der Hose gezogen und Bewegungen gemacht, als ob er eine Pistole durchlade. Die Zivilbeamten hätten die verdächtige Person daraufhin lautstark aufgefordert, die Waffe fallen zu lassen. Als der Jugendliche sich daraufhin mit der Waffe in der Hand zu den Beamten umdrehte, habe einer der Polizisten einen Schuss abgegeben und den Jugendlichen im Oberkörper getroffen.

Die Einsatzkräfte der Polizei hätten umgehend Erste Hilfe geleistet und den Rettungsdienst verständigt. Dieser habe den Verletzten dann zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus gebracht. Weil der Jugendliche nach Angaben der Polizei keinen Ausweis bei sich hatte, habe es gedauert, bis seine Identität festgestellt war.

Die Belgradstraße war zwischen Herzog- und Destouchesstraße komplett abgesperrt.
Die Belgradstraße war zwischen Herzog- und Destouchesstraße komplett abgesperrt.
Foto: Felix Hörhager/dpa
Auch nach acht Uhr abends war die Belgradstraße bis auf Höhe der Destouchesstraße noch abgesperrt. Gäste durften aber trotzdem ein hinter der Absperrung liegendes Lokal besuchen.
Auch nach acht Uhr abends war die Belgradstraße bis auf Höhe der Destouchesstraße noch abgesperrt. Gäste durften aber trotzdem ein hinter der Absperrung liegendes Lokal besuchen.
Foto: Max Fluder

Der Polizei zufolge handelt es sich bei ihm um einen türkischen Staatsbürger, der mit seinen Eltern vor drei Jahren nach Deutschland eingereist war und Asyl beantragt hatte. Der Antrag sei aber abgelehnt und ihm die Abschiebung angedroht worden. Aktuell soll zudem noch ein Ermittlungsverfahren wegen eines Körperverletzungsdelikts gegen den Schüler laufen.

Die Gegend in Schwabing, in der sich der Vorfall ereignete, ist belebt. Zeugen und Anwohner wurden am Dienstag direkt vor Ort befragt. Dazu sei auch eine Zeugensammelstelle eingerichtet worden, hieß es weiter. Kripo und Spurensicherung trafen am Ort des Geschehens ein, ebenso Beamte des Bayerischen Landeskriminalamtes. Insgesamt waren rund 80 Beamte im Einsatz. Unter anderem wurden zahlreiche Videoaufnahmen gesichert, auf denen auch zu sehen sein soll, wie offen der 14-Jährige zuvor mit der Pistole umgegangen sei.

Für die Spurensicherung und weitere Untersuchungen war die Gegend um die Belgrad- und Clemensstraße stundenlang weiträumig gesperrt, der Verkehr wurde umgeleitet. Auch die Tram fuhr wegen des Polizeieinsatzes in diesem Bereich nicht. Es gab erhebliche Verkehrsbehinderungen. Erst am Abend gegen 22.15 Uhr meldete die Polizei auf der Plattform X, dass sie ihre Maßnahmen vor Ort abgeschlossen habe und die Verkehrssperren aufgehoben worden seien.

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