Schwabing:Grüße aus Amsterdam

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Schwabing: Die Bäume vor der Fassade wurden für die Darstellung entfernt, um das Projekt besser sichtbar zu machen. Simulation: Georg Hana-Architekturvisualisierungen

Die Bäume vor der Fassade wurden für die Darstellung entfernt, um das Projekt besser sichtbar zu machen. Simulation: Georg Hana-Architekturvisualisierungen

Es ist eines der ungewöhnlichste Bauprojekte in der Stadt: Ein 100 Meter langer Neubau in der Infanteriestraße mit zahlreichen Erkern und Balkonen erinnert an holländische Wohnformen.

Von Alfred Dürr

Eine über 100 Meter lange Fassade mit Erkern und Balkonen prägt künftig das Erscheinungsbild der Infanteriestraße mit. Doch nicht nur die plastische Wirkung der Hausfront macht dieses Projekt zu einem der ungewöhnlichsten Bauvorhaben in der Stadt. Zwei Bauherren und zwei Architekturbüros haben gemeinsam das Gestaltungskonzept für den neuen Block entwickelt, der sich von der sonst oft üblichen Uniformität im Wohnungsbau abhebt. In der Stadtgestaltungskommission kam der geplante Komplex gut an.

Der eher nüchterne Verwaltungsbau an der Infanteriestraße 14 steht schon seit einiger Zeit leer. Die Fakultät für Design der Hochschule München, die hier ihre Räume hatte, ist Anfang des Jahres in das renovierte einstige Zeughaus der bayerischen Armee an der Lothstraße umgezogen. Ursprünglich wollte der Projektentwickler Euroboden zusammen mit dem Architekten Peter Haimerl die Nummer 14 abreißen und durch ein neues Gebäude ersetzen. Aber auch die unmittelbar angrenzende Nummer 12 (hier befinden sich Staatsbediensteten-Wohnungen) und eine anschließende Betriebsfläche der Stadtwerke München sollten in die Planung für ein gemeinsames Großprojekt einbezogen werden.

Doch daraus wurde nichts. Die Stadtwerke bauen inzwischen selbst Werkswohnungen. Euroboden verkaufte an das Münchner Unternehmen Bauwerk Development, und dieses setzt nun die Ursprungsidee zusammen mit der Stadibau, die für die Staatsbediensteten-Wohnungen zuständig ist, in etwas abgespeckter Form um.

Für den Neubau der Nummer 14 beauftragte die Bauwerk das Amsterdamer Büro UNStudio, mit der Neugestaltung der Nummer 12 befasste sich im Auftrag der Stadibau das Büro Allmann Sattler Wappner aus München. Beide Teams arbeiteten bei der Planung eng zusammen. Eine gemeinsame Tiefgarage verbindet die beiden Komplexe. Deren gesamte Länge ist geprägt durch eine gemeinsame architektonische Handschrift, wenn auch mit unterschiedlichen Ausprägungen.

Eindruck von fließenden Übergängen zwischen Innen und Außen

"Durch die Erker und Balkone wirkt es fast so, als würden die Bewohner in den Platanen leben, die vor der Fassade aufgereiht sind", sagt Architekt Ludwig Wappner. Die plastische Gliederung der Hausfront breche nicht nur die Dimension des Gebäudes auf einen menschlichen Maßstab, heißt es bei UNStudio, sondern erzeuge auch den Eindruck von fließenden Übergängen zwischen Innen und Außen. Diese Art von Öffnung erinnert an holländische Wohnformen. Deswegen hieß es auch in der Sitzung des Stadtgestaltungskommission, in München entstehe ein Stück Amsterdam.

Etwa 166 Apartments sind für die Nummer 14 vorgesehen. Sie sollen nicht mit Standardmustern aufwarten, sondern mit flexiblen Elementen den Bedürfnissen der Bewohner angepasst werden können. In den Bereich der Stadibau kommen rund zwölf Wohnungen. Nicht nur die Mitglieder der Stadtgestaltungskommission lobten das Architekturkonzept. "Wir sind zufrieden, dass wir so ein innovatives Projekt in Schwabing West haben", sagte der Vorsitzende des Bezirksausschusses, Walter Klein (SPD). Mitte August will Bauwerk bekanntgeben, wie die Zwischennutzung für die Nummer 14 bis zum Baubeginn im Frühjahr aussehen wird.

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