Ein Provisorium erkennt man eigentlich schnell. Irgendwo ragt ein Nagel aus der Wand, woanders schaut ein Kabel aus der Leiste oder die Farbe fehlt an der Wand. Solange die Dinge ihren Zweck erfüllen, ist das nicht schlimm – ein Provisorium ist schließlich etwas für den Übergang, da muss nicht alles passen.
Umso erstaunlicher ist, was vier Jungs – alle in ihren Zwanzigern – aus dem Georg’s in der Georgenstraße gemacht haben. Die vor knapp zwei Monaten eröffnete Bar ist von Anfang an als Zwischennutzung gedacht. Und obwohl das Quartett aus Alex Brenner, Finn Peters, Carl Henkler und Vincent Bienmüller deshalb nicht den ganzen Laden umgekrempelt hat, wirkt hier nichts provisorisch, sondern so, als könnte man hier über das Jahresende hinaus viele lange, lustige Abende verbringen.
Okay, der Kicker steht auf Bierkästen. Aber genau diese Mischung aus Boazn-Charme und Tischdecken mit Kerzen darauf macht das Georg’s aus. Das Pop-up-Konzept habe vor allem einen Vorteil, erklärt Alex Brenner: „Man hat relativ viele Freiheiten und einen vergleichsweise geringen Aufwand.“ Der Tresen, die Küche – das meiste, was man für den Barbetrieb braucht, war im Vorgänger, dem Le Florida, schon da. Und: Wenn nichts für immer ist, kann man einiges ausprobieren.
Im Nachfolger der einstigen Schwabinger Kultlokals liegt der Fokus auf Weinen. Die Flasche gibt es ab etwa 20 Euro. Denn im Georg’s finden sie: Qualität und bezahlbare Preise müssen sich nicht ausschließen. Dazu gibt es Longdrinks wie Wodka Soda, Cuba Libre oder Gin Tonic (alle 9 Euro). Die Spezialität des Hauses ist aber der Espresso Martini für 8,50 Euro. Dazu gibt es verschiedene Burger-Kreationen, Pommes, Tacos (11,50 Euro) und bayerische Pizza mit Trüffel-Crème-fraîche und Schinken (15,50 Euro).
Dazu gibt es verschiedene Events: Im Sommer wollen sie hier die Fußball-WM zeigen, es gibt den Studi-Mittwoch und regelmäßige Mottoabende. Da kann es schon mal sein, dass in der Nachbarschaft lauter junge Leute mit Skibrillen herumlaufen. Wem nur Essen und Trinken zu langweilig ist, kann sich neben dem Kicker an der wirklich sehr kleinen Minigolf-Anlage austoben.



Zudem kommen regelmäßig Uni-Fachschaften und Geburtstage im Georg’s zusammen, denn der Laden bietet mit seinen ungefähr 100 Plätzen auch Raum für größere Gesellschaften. Trotzdem sollte man gerade am Wochenende früher kommen – an diesen Abenden ist das Georg’s eigentlich immer voll. Und je später es wird, desto jünger werde das Publikum, erklärt Brenner. Unter den Gästen seien viele Studierende und jüngere Menschen – aber eben nicht nur. „Das ist ja das Schöne“, sagt Brenner. „Hier kommen ganz viele verschiedene Leute zusammen.“
Viele würden sich, sagt der junge Gastronom, schon aus den anderen Läden kennen, in denen er und die anderen ebenfalls mitmischen – zum Beispiel aus der Kneipe 80. Musikalisch gibt es im Georg’s ebenfalls gerne mal was aus den Achtzigern.
Alles in allem ist das Georg’s damit einer dieser Läden, die in München nicht allzu dicht gesät sind: Ein Ort, an dem sich Jüngere wie Ältere treffen können, ohne am Tag danach direkt einen Termin bei der Schuldnerberatung machen zu müssen. Da ist es fast schade, dass es sich nur um ein Provisorium handelt.
Georg’s, Georgenstraße 48, Öffnungszeiten: Montag und Dienstag 17 bis 22 Uhr, Mittwoch und Donnerstag 17 bis 0 Uhr, Freitag und Samstag 17 bis 1 Uhr.

