Nach Fund auf Baustelle in MünchenFliegerbombe in Schwabing entschärft

Lesezeit: 2 Min.

Eine Weltkriegsbombe wurde in der Schwabinger Kraepelinstraße gefunden.
Eine Weltkriegsbombe wurde in der Schwabinger Kraepelinstraße gefunden. Johannes Simon

Die 250 Kilogramm schwere Weltkriegsbombe wurde am Mittwoch bei Straßenbauarbeiten entdeckt. Etwa 400 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden. Am späten Abend gibt die Feuerwehr schließlich Entwarnung.

Von Martin Bernstein, Linus Freymark und Nicole Graner

Die Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg, die am Mittwoch auf einer Baustelle im Münchner Stadtteil Schwabing entdeckt wurde, ist am Abend erfolgreich entschärft worden. Das teilte die Feuerwehr um 21.50 Uhr auf ihrem Whatsapp-Kanal mit. Für die Bevölkerung bestehe keine Gefahr mehr. Zuvor hatte sich die ursprünglich für 17.30 Uhr geplante Entschärfung der Weltkriegsbombe deutlich verzögert und konnte erst gegen 21 Uhr begonnen werden.

Die Evakuierungen dauerten erheblich länger, als zunächst angenommen worden war. Mit Lautsprecherwagen fuhr die Feuerwehr durch das Sperrgebiet. Ein Schutzwall rund um den Bombenfundort wurde außerdem aufgestockt, um die Folgen einer möglichen Explosion abzufangen. Ein schweres Gewitter hatte den Beginn der Entschärfung zusätzlich verzögert, die Befürchtung war, dass eine elektrostatische Aufladung den Zündmechanismus auslösen könnte. Der kritische Teil des in zwei Fragmente zerbrochenen Sprengsatzes wiegt nach aktuellen Angaben 125 Kilogramm und hatte laut Münchner Berufsfeuerwehr noch einen funktionsfähigen Zünder.

Die umfangreichen Evakuierungen hatten am Nachmittag begonnen. Der Fundort der Bombe ist an der Ecke Kraepelin-, James-Loeb- und Bummstraße. Im Umkreis von etwa 100 Metern befinden sich unter anderem das Max-Planck-Institut für Psychiatrie, zahlreiche mehrstöckige Wohnhäuser und das Schwabinger Krankenhaus. Insgesamt waren etwa 400 Menschen von den Evakuierungen betroffen. Sie sollen noch am späten Abend in ihre Wohnungen zurückkehren können.

Das Kinderhaus Sternstunden, direkt neben dem Bombenfundort gelegen, besuchen etwa 80 Buben und Mädchen. Als die Verantwortlichen die Absperrungen sahen und von der Polizei die Hintergründe erfuhren, ergriffen sie selbst die Initiative und informierten die Eltern per Mail. Bereits am frühen Nachmittag waren alle Kinder zu Hause. Auch die Bewohner der benachbarten Stiftung Pfennigparade wurden mit Bussen in Sicherheit gebracht, ebenso Patienten der psychiatrischen Klinik.

Die Schwabinger Klinik hat knapp 1000 Betten und 2500 Mitarbeiter. Im Evakuierungsgebiet lagen aber nach Auskunft der Klinik „wenige und nur patientenferne Bereiche“. Es handelt sich um zwei Gebäude, die Warenannahme und ein leerstehendes ehemaliges Bettenhaus, das künftig zu Wohnraum für Mitarbeitende umgebaut werden soll.

Das am bisher heißesten Tag des Jahres gut besuchte Naturbad Georgenschwaige, nach einem Brand im Jahr 2021 saniert und erst im Juni wiedereröffnet, war von den Evakuierungen nicht betroffen. Sehr nahe zum Bombenfundort liegt aber der Scheidplatz, ein wichtiger Knotenpunkt des öffentlichen Nahverkehrs in der Millionenstadt München. Dort war ein Ausgang des U-Bahnhofs der Linien 2 und 3 auf polizeiliche Anordnung gesperrt. Umgeleitet wurden auch die Busse der Linie 142.

Bei einer Fliegerbombe des jetzt gefundenen Typs ist mit insgesamt bis zu 100 Kilogramm Sprengstoff zu rechnen. Üblicherweise besitzen derartige Weltkriegsrelikte Langzeitzünder, die auch nach Jahrzehnten noch gefährlich sind. Die Zeit drängte, zumal unklar war, wie und wann die insgesamt 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe in zwei Teile gespalten worden war.

Die Fliegerbombe wurde bei Bauarbeiten gefunden.
Die Fliegerbombe wurde bei Bauarbeiten gefunden. Peter Kneffel/dpa
Am Fundort sind Polizei und Feuerwehr positioniert.
Am Fundort sind Polizei und Feuerwehr positioniert. Peter Kneffel/dpa
Feuerwehrsprecher Franziskus Bronnhuber klärt darüber auf, was weiter passiert.
Feuerwehrsprecher Franziskus Bronnhuber klärt darüber auf, was weiter passiert. Linus Freymark

Um den Fundort herum herrschte am Nachmittag zunehmende Nervosität. In den Kliniken und am Fundort berieten die Experten. Fachleute des privaten Kampfmittelräumdienstes Tauber, Polizei und Technisches Hilfswerk waren zusammen mit der Feuerwehr mit am Einsatzort. Die Feuerwehr richtete eine Akutbetreuungsstelle im Willi-Graf-Gymnasium ein.

Im Zweiten Weltkrieg war München mehr als 70 Mal von britischen und amerikanischen Bombern angegriffen worden. Bei Bauarbeiten werden immer noch Fliegerbomben gefunden. Vor 13 Jahren war ebenfalls in Schwabing, in der Feilitzschstraße 7, eine 250-Kilogramm-Bombe entdeckt und kontrolliert gesprengt worden. 17 Gebäude wurden damals beschädigt.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Die Explosion und was danach kam
:Als in Schwabing die Bombe hochgeht

Häuser brennen, Fensterscheiben zerbersten, München bangt: Am 28. August 2012 wird in Schwabing eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gesprengt. Sie hat Spuren hinterlassen bei den Menschen - und in mancher Wohnung.

SZ PlusKatharina Haase, Ana Maria Michel (Protokolle) und Alessandra Schellnegger (Fotos)

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: