Proteste gegen BundesregierungSchulstreik gegen neue Wehrpflicht

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Und wir? Diese Frage wurde auf vielen Plakaten gestellt.
Und wir? Diese Frage wurde auf vielen Plakaten gestellt. Johannes Simon
  • Mehr als tausend Schülerinnen und Schüler demonstrierten am Freitag in München gegen die Wehrdienst-Pläne der Bundesregierung.
  • Das neue Wehrdienstgesetz wurde am Freitag im Bundestag beschlossen und tritt am 1. Januar 2026 in Kraft.
  • Deutschlandweit protestierten junge Menschen in mehr als 90 Städten, weil sie sich bei wichtigen Zukunftsentscheidungen übergangen fühlen.
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In ganz Deutschland demonstrieren junge Menschen gegen die Wehrdienst-Pläne der Bundesregierung. Auch in München beteiligen sich 1300 Schülerinnen und Schüler. Was sie auf die Straße treibt.

Von Zoé von Langen

Hunderte Schülerinnen und Schüler haben am Freitag auf dem Bahnhofplatz in Giesing demonstriert, die Polizei schätzt ihre Zahl auf 1300. Was sie umtreibt, war dabei erlebbar: Sie haben Angst davor, in einen Krieg geschickt zu werden. Bei ihrem Protest trugen die im Schnitt 14- bis 20-Jährigen Plakate und Flaggen mit Friedensbotschaften, Regenbogenfarben und Peace-Symbolen und riefen Parolen wie „Nie wieder Wehrpflicht“.

Das neue Wehrdienstgesetz wurde am Freitag im Bundestag beschlossen und soll am 1. Januar 2026 in Kraft treten. Nach diesem Gesetz sollen junge Menschen mit dem Geburtsjahr 2008 und jünger gemustert werden. Dafür bekommen diese einen Fragebogen zugeschickt, den Männer verpflichtend ausfüllen müssen, für Frauen ist das freiwillig.

In diesem Fragebogen müssen sie persönliche Daten wie Alter, Gewicht und Größe angeben. Die Musterung erfolgt dann anhand ihres geäußerten Interesses. Von Juli 2027 an soll dann eine Musterung junger Männer unabhängig ihres eigenen Interesses erfolgen.

Für viele junge Menschen ist das bereits der erste Schritt zur Wiedereinführung der Wehrpflicht. Und die Empörung ist groß: „Wir lernen in maroden Schulen, haben Angst vor dem Klimawandel und finden keine bezahlbaren Wohnungen zum Studieren – an uns wird nicht gedacht und jetzt sollen wir in den Krieg ziehen?“, sagt eine Demonstrantin ins Mikrofon.

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Zum Protest aufgerufen haben 20 Jugendorganisationen und Parteien im Rahmen des bundesweiten Bündnisses „Nein zur Wehrpflicht“, darunter die Jusos, Linken und die Verdi-Jugend. Am Donnerstagabend hatte am Rosenheimer Platz in Haidhausen bereits eine Demonstration stattgefunden. Daran nahmen etwa 1500 Menschen teil.

Aber nicht nur in München wurde demonstriert, bundesweit kam es zu Schulstreiks, nach Angaben der Veranstalter wurde in mehr als 90 Städten protestiert, auch in Augsburg und in Nürnberg. In Augsburg zählte die Polizei rund 350 Demonstranten, die sich am Vormittag in der Innenstadt versammelt hatten. In Nürnberg kamen laut Polizei etwa 400 Menschen zusammen. Auch in kleineren Städten wie Rosenheim oder Landshut waren Aktionen gegen das neue Gesetz geplant.

Die Proteste haben einen Grund: Die Demonstrantinnen und Demonstranten haben das Gefühl, dass diese für ihre Zukunft wichtigen Entscheidungen ohne sie getroffen werden – das finden sie unfair und wünschen sich mehr Mitspracherecht.

Mine, 21, sagt dazu: „Ich bin heute hier, weil ich keine Lust habe, im Schützengraben zu frieren, und andere sollen das auch nicht müssen, für eine Politik, die nichts mit uns zu tun hat.“

Sie wollen die Entscheidung der Regierung nicht hinnehmen. Nico, 18, findet: „Wir halten es für nicht in Ordnung, dass wir möglicherweise gezwungen werden, einen Wehrdienst zu machen. Die Leute, die gemustert werden sollen, die dürfen aktuell noch nicht mal wählen.“ Und Leo, 17, ergänzt: „Es wird uns nur vorgeworfen, dass wir faul wären und die Gesellschaft vernachlässigen würden. So führt man keinen Diskurs.“

Die jungen Menschen unterscheiden nicht zwischen den Geschlechtern. Die Wehrpflicht soll niemand machen müssen. Anja, 15, sagt: „Für mich war das ein totaler Schock, dass alle Jungs und Freunde von mir jetzt diesen Fragebogen ausfüllen und zur Musterung müssen.“

Die Demonstrierenden hoffen, noch Einfluss auf die Regierung nehmen zu können. Es gehe nun darum, Haltung und Gemeinschaft zu zeigen. „Ein großer Punkt ist, hier zu stehen und zu sehen, wie viele wir sind. Und dass man zusammenhält“, meint Anja.

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