bedeckt München -2°

Tapezieraktion:"Das sieht doch cool aus"

Die beiden Schuelerinnen Luka Panzner (links) und Franziska Walser haben in elf Tagen das ganze Kinderzimmer tapeziert.

(Foto: Stephan Rumpf)

Luka Panzner hat mit ihrer Freundin Franziska Walser während der Ferien ihr komplettes Zimmer mit der "Süddeutschen Zeitung" tapeziert. Ein Gespräch über den Ursprung und die Hürden des ungewöhnlichen Projekts.

Interview von Susi Wimmer

Es war einmal ein hübsches rosa Mädchenzimmer mit Plüschtieren auf dem Bett, jeder Menge Krimskrams, in den Regalen und auf dem Schreibtisch mehr als 250 Bücher, bunte Acrylfarbtuben und Pflanzen. Seit Neujahr allerdings ist die Welt der 17 Jahre alten Luka Panzner in großen Teilen nur noch schwarz-weiß - und noch dazu ein Kunstwerk, wie es Verhüllungsmeister Christo nicht hätte besser erschaffen können.

Denn Luka Panzner hat zusammen mit ihrer Freundin Franziska Walser, ebenfalls 17 JAhre alt, ihr 16 Quadratmeter großes Mädchenzimmer komplett von oben bis unten in Zeitungspapier verpackt. Dass sie ausgerechnet die Süddeutsche Zeitung zum Tapezieren benutzten, hatte mehr ästhetische denn inhaltliche Gründe: "Das sieht cooler aus, da ist nicht so viel bunte Werbung drin", sagt die Künstlerin. Ein Telefongespräch über den Lockdown, Feinarbeit und die Fragilität von Zeitungsseiten.

SZ: Euch muss ja in den Ferien ganz schön langweilig gewesen sein.

Luka Panzner: Ja, während des Lockdowns konnte man ja gar nichts machen. Normalerweise hätten wir uns draußen mit Freunden getroffen und was unternommen. Aber so saß ich daheim - und da kam mir die Idee mit den Zeitungen.

Einfach so?

Panzner: Ja, das war so eine Art Geistesblitz. Mein Papa liest zuweilen die SZ und ich dachte, das sieht doch cool aus, wenn man ein ganzes Zimmer darin verpackt. Und meine Freundin Franzi hat auch gleich gesagt, dass sie mitmacht.

Franziska Walser: Ja, es dürfen sich ja Personen aus zumindest zwei Haushalten treffen. Und bei mir konnten wir es nicht machen, ich hab einen Kater.

Ihr habt 25 Ausgaben der SZ, im Detail 399 einzelne Zeitungsseiten, verklebt. Die muss man auch erst einmal sammeln.

Walser: Wir haben bei den Nachbarn nachgefragt, bei Freunden, die haben dann auch in den Altpapier-Tonnen gekramt.

Die haben sich sicher gewundert.

Walser: Ja, klar. Auch unsere Familien waren anfangs etwas verwirrt und haben es nicht so ganz verstanden. Die dachten auch nicht, dass wir es wirklich bis zum Ende durchziehen. Haben wir aber.

Das waren sicher merkwürdige Ferien, mit viel Druckerschwärze an den Fingern.

Panzner: Wir haben tatsächlich zu Beginn der Ferien begonnen. Die Decke zuerst.

Walser: Ja, die war schwierig, das hat schon einen ganzen Tag gedauert. Da ging das Papier immer ab. Da sind wir dann auf Klebegummis umgestiegen.

Panzner : Dann kamen das Regal, die Wände, die Fenster, das Rollo, 256 Bücher.

.. Wie lange wart ihr beschäftigt?

Walser: Insgesamt elf Tage, genau 61 Stunden, wir haben alles notiert und auch ein Video von unserer Arbeit im Zeitraffer gefilmt.

Die Geduld muss man erst mal haben.

Panzner: Am Anfang waren wir sehr motiviert, gegen Ende wurde es dann ziemlich anstrengend. Immer sitzen, immer die gleiche Bewegung beim Einpacken.

Walser: Wir haben geflucht und geschrien. Das Bett war unser größter Gegner: Versuchen Sie mal, aus Zeitungspapier ein Bettlaken zu basteln und es zu spannen, ohne dass es reißt! Und uns ist viel gerissen.

Panzner: Oder die Kabel vom Radio! Wir haben Streifen aus den Zeitungen geschnitten und damit die Kabel umwickelt und zugeklebt. 16 Tesarollen und vier Packungen Klebegummis haben wir verbraucht.

Und ihr hattet bis dato keinerlei künstlerische Ambitionen?

Panzner: Ich fotografiere gerne mit meiner Kamera. Franzi und ich suchen uns Orte mit schönen Motiven: ein Sonnenuntergang an der Isar, eine stark befahrene Kreuzung am Abend mit vielen Autolichtern und so Sachen.

Walser: Das laden wir dann auf Instagram hoch - oder machen es nur für uns. So was Großes wie das Zimmer haben wir aber noch nie gemacht. Und ich hätte auch nicht gedacht, dass es so anstrengend wird.

Wirklich beeindruckend. Aber ein Kunstwerk für die Ewigkeit kann es nicht sein. Wo schläft Luka eigentlich jetzt?

Panzner: Ich übernachte im Zimmer meines Bruders. Der hat da nichts dagegen. Ich lass das Zimmer jetzt noch etwas, es sieht ja wirklich cool aus. Zumindest so lange, bis ich Lust habe, es wieder abzureißen.

© SZ vom 09.01.2021/lfr
Zur SZ-Startseite
Schüler auf dem Pausenhof in der One World Secondary School Kilimanjaro, Partnerschule des Gymnasiums Neubiberg; Schüler des P-Seminars wollten Überdachungen für den Pausenhof schaffen, wegen Corona konnten sie es nicht umsetzen. Nun sammeln sie Spe

Schulprojekt
:Fernbeziehung nach Tansania

Eigentlich wollten Neubiberger Gymnasiasten im Zuge eines P-Seminars nach Afrika reisen, um der Partnerschule am Fuße des Kilimandscharo zu helfen. Stattdessen sammeln sie nun zu Hause Spenden.

Von Daniela Bode

Lesen Sie mehr zum Thema