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Bildung in München:265 Millionen Euro für die digitale Infrastruktur

Schule

Soll es in München künftig häufiger geben: Lehrer an Whiteboards.

(Foto: dpa)
  • In den kommenden fünf Jahren will die Stadt etwa 265 Millionen Euro investieren, um die Computerprobleme an Münchens Schulen, Kitas und Sportstätten zu lösen.
  • Ein Tochterunternehmen der Stadtwerke soll die digitale Infrastruktur auf Vordermann bringen.
  • Ein Aufsichtsrat soll dieser Firma auf die Finger schauen.

Der große Befreiungsschlag steht erst einmal unter Vorbehalt. In den kommenden fünf Jahren will die Stadt etwa 265 Millionen Euro investieren, um die notorischen Computerprobleme an Münchens Schulen, Kitas und Sportstätten zu lösen. Die "LHM Services GmbH" (LHM-S), ein Tochterunternehmen der Stadtwerke, soll die digitale Infrastruktur auf Vordermann bringen, danach soll kontinuierlich weiteres Geld fließen, um die Technik aktuell zu halten. Das hat der Stadtrat beschlossen.

Doch ob es wirklich so kommt, steht noch nicht fest. Denn der Stadtrat hat zunächst nur 62,4 Millionen Euro für das Jahr 2020 bewilligt. Über das übrige Geld will er im kommenden Frühjahr entscheiden. Und bis dahin soll ein Aufsichtsrat eingerichtet werden, um der LHM-S auf die Finger zu sehen. Denn weite Teile des Stadtrats fühlen sich von der städtischen Firma nicht ausreichend informiert.

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Gefordert hatten diesen Aufsichtsrat unabhängig voneinander CSU und Grüne. Einen solchen wolle man schon länger, erklärt Sebastian Weisenburger (Grüne). Hinzukomme nun, dass der Stadtrat vom Bildungs- und vom IT-Referat der Stadt widersprüchliche Informationen über die Arbeit der LHM-S erhalte. Noch dazu höre seine Fraktion Kritik an dem Unternehmen. "Es ist klar, dass noch nicht alles reibungslos läuft", sagt Weisenburger. Die Firma habe ja große Probleme geerbt. "Aber bei den Summen, um die es hier geht, müssen die Ergebnisse in ein paar Jahren stimmen." Zuzüglich der Kosten unter anderem für das Personal finanziere die Stadt die LHM-S schließlich alleine im Jahr 2020 mit 135,5 Millionen Euro. Dass sie einen Aufsichtsrat forderten, sei jetzt nur "das Häubchen", sagt Beatrix Burkhardt (CSU): Seit Jahren erhielten die Stadträte nicht die Informationen, die sie bräuchten. "Wir stochern im Nebel, und das ist schwierig. Wir tragen ja Verantwortung."

Wie wenig die Stadträte über die Arbeit der LHM-S wissen, zeigt ein Katalog an Fragen, mit dem Sabine Bär (CSU) und Sabine Krieger (Grüne) zuletzt das Bildungs- und das IT-Referat sowie die LHM-S konfrontiert haben. Darunter finden sich Detailfragen, etwa welche Schule wann ertüchtigt werden soll. Andere Fragen aber sind sehr grundsätzlich. Gefragt wird sogar, was die LHM-S eigentlich genau machen soll.

Die Stadt stehe vor erheblichen strukturellen Problemen in ihrer IT, sagt Stadtrat Thomas Ranft (FDP). Zum Beispiel hätten die Schulen zwei Netzwerke: eines für Lerninhalte, das laufe mit Microsoft Windows, das andere für die Verwaltung - und das laufe nach wie vor mit Linux, obwohl der Stadtrat 2017 die Rückkehr zu Microsoft beschlossen hat. Man müsse solche Altlasten beseitigen, sagt Ranft. Doch das Problem beginne schon damit, dass die IT der Schulen überhaupt an die LHM-S übertragen worden sei. "Ich frage mich: Wofür haben wir ein IT-Referat gebildet?"

Dabei soll die LHM-S eigentlich Teil der Lösung sein. Um die Schulcomputer kümmerte sich ursprünglich das Bildungsreferat. Weil dieses der Probleme aber nicht Herr wurde, beschloss der Stadtrat 2017, die Aufgabe auszulagern, und zwar laut Bildungsreferat schon wegen des Volumens nicht an das damals noch zu gründende IT-Referat: Die IT des Bildungsreferats war mit etwa 40 000 Rechnern größer als die der ganzen übrigen Stadtverwaltung.

Im April 2019 übernahm deshalb die LHM-S diese Arbeit. Sie ist noch im Aufbau; derzeit zählt sie 170 Mitarbeiter, später sollen es 310 sein. Schon jetzt aber betreut sie alle etwa 900 dezentralen Einrichtungen des Bildungsreferats. Bisher hat sie sich auf die IT in Neubauten und sanierten Schulen konzentriert. In den kommenden Jahren soll sie nun unter anderem ein übergreifendes Rechenzentrum aufbauen, um das bisherige Durcheinander abzulösen, denn derzeit unterhält jeder Schulstandort mindestens einen eigenen Server, was nicht nur die Wartung schwierig macht, sondern beispielsweise auch für Lehrer das Arbeiten von zuhause aus. Bis 2025 sollen jetzt alle Münchner Schüler und Lehrer einen virtuellen Arbeitsplatz erhalten, auf den sie von überall aus zugreifen können. Lehrer sollen Tablets erhalten und fortgebildet werden, im Unterricht sollen mobile Geräte genutzt werden können. Und in den Schulen soll es flächendeckend Wlan geben.

Die veranschlagten Summen seien für sie aber nicht nachvollziehbar, klagt Stadträtin Brigitte Wolf (Linke). Für ein so teures Projekt hätten sie zu wenige Informationen erhalten. In den Berichten der LHM-S sei auch keine Rede davon, was die Schulen mit der Technik eigentlich anfangen sollten; Medienpädagogik bliebe unerwähnt. Zudem verfestige sich ihr Eindruck, dass die LHM-S ihre Aufgabe technisch nicht bewältigen könne, sagt Wolf. Das sei ihr Bauchgefühl. Sie hätte eben keine Informationen, auf die sie sich stützen könne.

Sie könne die Kritik aus der Opposition nachvollziehen, sagt Anne Hübner, IT-politische Sprecherin und Fraktionsvizin der SPD im Rathaus. Der Stadtrat erhalte derzeit nicht so detailliert Einblick, wie er es möchte. Mit dem Aufsichtsrat werde sich das aber bessern. Sie selber sei zuversichtlich, sagt Hübner - und nimmt die LHM-S in Schutz. Man könne nicht erwarten, dass die GmbH binnen eines halben Jahres Probleme löse, die sich über Jahrzehnte aufgestaut hätten. "Vielen ist vielleicht nicht klar genug, dass das Zeit braucht", sagt sie. Sie merke, "dass die Stadtwerke einen Zug drin haben, der vorher nicht da war".

© SZ vom 06.12.2019
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