Platznot in Schulen:München braucht mehr Schulcontainer

Pavillonschule in München, 2017

Außen bunt, innen Grundschule: Die Provisorien an der Grundschule Guardinistraße in Hadern.

(Foto: Florian Peljak)
  • München hat Platznot in den Schulen - darum werden vielerorts Container aufgestellt, in denen weitere Klassen- und Gruppenräume unterkommen.
  • Der Stadtrat soll nun ein weiteres Programm bewilligen, bei dem neue Container aufgestellt werden. Kostenpunkt: mehr als 300 Millionen Euro.
  • Voraussichtlich werden aber auch diese Provisorien nicht ausreichen.

Von Jakob Wetzel

Die Hoffnung ist trügerisch gewesen: Vier Mal bereits hat die Stadt München seit 2015 im großen Stil Container für Schulen und Kindertagesstätten aufstellen lassen, um die steigende Zahl an Kindern und Jugendlichen unterzubringen. Die Pavillons sollten behelfsmäßig Platz schaffen, bis neue Schulen und Kitas fertig sind. Mehr als 320 Millionen Euro hat die Stadt für diese Provisorien bereits bewilligt - und zuletzt gehofft, der Bedarf an Containern sei damit weitgehend gedeckt.

Nun aber zeigt sich: Es reicht hinten und vorne nicht. Die Stadt wächst zu rasant, die Baupläne halten nicht Schritt. An diesem Mittwoch berät der Stadtrat daher über eine fünfte Runde im Containerbau. Das Bildungsreferat rechnet allein für dieses neue Programm mit Kosten von bis zu 302,5 Millionen Euro. Und ein Ende ist damit wohl immer noch nicht erreicht.

Grund für das Nachbessern ist einerseits, dass Gymnasien durch die Rückkehr zu G 9 künftig wieder mehr Klassen unterbringen müssen. Andererseits würden die Prognosen zum Bevölkerungswachstum laufend nach oben korrigiert, heißt es aus dem Bildungsreferat. Nur mit Containern könne man darauf flexibel genug reagieren. So wird München jüngsten Prognosen zufolge Ende 2022 die Marke von 1,7 Millionen Einwohnern überschreiten. Zum Jahresende 2030 soll es demnach gar 1,8 Millionen Münchner geben.

Auf diese Dynamik müsse die Stadt dringend reagieren, steht in der Vorlage an den Stadtrat. Bis zum Schuljahr 2019/20 sollen nun 18 neue Pavillonanlagen gebaut werden, die meisten im Norden der Stadt. Um diese Frist einzuhalten, müsse man sofort mit den Ausschreibungen und Vergaben beginnen; daher legt das Bildungsreferat den Plan nicht wie üblich erst verschiedenen vorbereitenden Ausschüssen vor, sondern direkt der Vollversammlung des Stadtrats.

Konkret sollen in den neuen Containern 110 neue Klassenzimmer entstehen, außerdem 15 Gruppenräume für die Ganztagsbetreuung und eine Mensa sowie Räume für 18 Krippen-, 27 Kindergarten- und 21 Hortgruppen. Die mit 53,3 Millionen Euro größte Einzelsumme entfällt dabei auf den Vorläuferbau des künftigen Gymnasiums im Münchner Norden.

Die Klassenzimmer fehlen

Hier schließt die Stadt eine Lücke: Feldmoching-Hasenbergl ist der einzige Stadtbezirk Münchens ohne Gymnasium; manche Schüler mussten deshalb bisher ins Umland pendeln. Eine Initiative von Eltern hat durchgesetzt, dass Abhilfe geschaffen wird. An der Georg-Zech-Allee soll jetzt vorerst eine neue Schule in Container-Bauweise mit je drei Parallelklassen pro Jahrgang errichtet werden. Gleichzeitig soll ein dauerhaftes sechszügiges Gymnasium auf dem Lerchenauer Feld entstehen, in das die Schüler später umziehen können.

Anderswo reagiert die Stadt darauf, dass in bestehenden Schulen Räume fehlen. So kommt etwa die mit 38,3 Millionen Euro zweitgrößte Einzelsumme hauptsächlich der Mittelschule an der Reichenaustraße 5 zugute. Die Aubinger Schule verfügt laut Bildungsreferat derzeit über 15 Klassenzimmer, es gibt aber im aktuellen Schuljahr bereits 19 Klassen. Künftig sei mit bis zu 29 Klassen zu rechnen. Die Schule soll deshalb mit Containern erweitert werden, die einen knappen Kilometer entfernt an der Bodenseestraße stehen sollen. Diesen Standort mietet bislang ein Autohändler von der Stadt; ihm sei schon gekündigt worden.

Weil der Stadtbezirk zudem in München mit am schlechtesten mit Kindertagesstätten versorgt ist, soll in der künftigen Anlage auch Platz für drei Kindergarten- und drei Krippengruppen geschaffen werden. Die mit 25,9 Millionen Euro drittgrößte Summe ist für Container vorgesehen, um die Raumnot an der Grundschule und dem Sonderpädagogischen Förderzentrum an der Rothpletzstraße im Münchner Norden zu lindern.

Die Stadt investiert Millionen in Neubauten

Parallel zum Containerbau investiert die Stadt Milliarden Euro in den Neubau und die Sanierung von Schulen. 2016 hat sie bereits ein Bauprogramm mit einem Volumen von etwa 1,5 Milliarden Euro beschlossen; im Juli 2017 hat sie in einer zweiten Offensive mit knapp 2,4 Milliarden Euro nachgelegt. Weitere Pakete sollen folgen. Doch der Neubau einer Schule dauert etwa fünf Jahre, zu lange für die Schulen, in denen es jetzt schon zu eng ist. Ihnen versucht die Stadt, mit Containern schnell zu helfen. Seit 2015 hat sie schon 44 Pavillonanlagen in Betrieb genommen, sechs sollen noch in diesem Jahr folgen, eine weitere etwas später. So wurden und werden Räume für etwa 345 Klassen, zwölf Mensen und zwei Kitas geschaffen.

Ein Ende ist auch nach Abschluss des fünften Containerbau-Programms nicht in Sicht. Nach Angaben des Bildungsreferats zeichnet sich bereits ab, dass 2020 bis zu zehn weitere Pavillon-Anlagen gebraucht würden. Schon in diesem Herbst soll der Stadtrat über eine sechste Runde im Pavillonbau beraten. Dann soll es auch bereits um das nächste Paket für den Schulbau gehen.

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Schulcontainer in München, 2015

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