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Schulausbau:Verspäteter Abschluss

Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium

Das Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium in Bogenhausen muss während der Corona-Krise noch länger auf den Neubau warten.

(Foto: Florian Peljak)

Bis zu fünf Jahre verzögern sich die Sanierungen und Erweiterungen an Münchner Schulen, weil der Stadt in der Corona-Krise das Geld ausgeht. Für Schüler bedeutet das noch länger Unterricht in Raumnot und Provisorien, doch manche Schulleiter hatten bereits Schlimmeres befürchtet.

Von Jakob Wetzel

Friederike Rappel nimmt es gelassen. Sie ist Direktorin des Klenze-Gymnasiums in München-Sendling, und ihre Schule wartet seit Längerem darauf, endlich erweitert zu werden. Ein Containerbau mit Musik- und Kunsträumen soll abgerissen und an seiner Stelle ein moderner Neubau entstehen, außerdem soll eine Doppelturnhalle durch eine Dreifachhalle ersetzt werden - und eigentlich hätte schon im Dezember 2023 alles fertig sein sollen. Doch seit Montag dieser Woche ist klar: Wegen der Corona-Pandemie wird es länger dauern, wohl bis zum Frühjahr 2025.

Dabei kämpft das Klenze-Gymnasium längst mit der Raumnot. Das Gebäude an der Wackersberger Straße sei für 700 Schülerinnen und Schüler ausgelegt, sagt Rappel. Die Schule zählt jedoch etwa 1000. Die zehnten Klassen sind ausgelagert, sie nutzen Ausweichräume in der Berufsfachschule für Kinderpflege an der Lipowskystraße - anders wäre der Schulbetrieb unter Corona-Bedingungen auch schwierig, sagt die Schulleiterin. Die Lehrer würden die Strecke radeln, vom eigentlichen Gymnasium zu den Zehntklässlern brauche man etwa sieben Minuten. Doch der Plan, bis Ende 2023 fertig zu werden, sei ohnehin sportlich gewesen, sagt Rappel - und angesichts der Krise habe sie zuletzt noch Schlimmeres befürchtet. "Die Stadt hätte auch sagen können: Wir bauen nur das eine, das andere nicht." Wenn es wirklich bei einer Verzögerung bleibe, sei die Schule gut bedient.

Das Coronavirus zwingt die Stadt zum Sparen. In der Pandemie sind die Einnahmen eingebrochen; derzeit rechnet die Stadt allein für 2021 mit einem Verlust in Höhe von mehr als einer halben Milliarde Euro. An ihrer milliardenschweren Schulbauoffensive will die Stadt jedoch festhalten. Seit 2014 hat sie sich 96 Bauprojekte für zusammen mehr als 6,5 Milliarden Euro vorgenommen, weitere sollen folgen. Und dabei soll es auch bleiben; wenn möglich, soll aber günstiger gebaut werden. Und Schulen, bei denen das noch möglich ist, müssen nun warten.

Betroffen sind zunächst die Bauvorhaben, über die der Stadtrat erst kurz vor Beginn der Pandemie entschieden hat. So soll zum Beispiel an der Forstenrieder Allee eine neue Realschule errichtet werden, das Luitpold-Gymnasium im Lehel soll einen Neubau erhalten, ebenso die Grundschule an der Kafkastraße in Neuperlach; insgesamt geht es um 30 Projekte. Hier gebe es noch keine Termine, es seien nur Zeitspannen fixiert worden, wann die neuen Schulen in Betrieb gehen sollen, heißt es von der Stadt. Da peile man nun den spätestmöglichen Zeitpunkt an; einzelne Bauvorhaben würden sich deshalb um zwei bis drei Jahre verschieben.

Max-Planck-Gymnasium in München, 2018

Mehr Wartezeit: Das Max-Planck-Gymnasium in Pasing.

(Foto: Catherina Hess)

Betroffen sind aber auch acht Standorte, über die der Stadtrat schon 2016 und 2017 entschieden hat und die bald fertig werden sollen, wie etwa das Klenze-Gymnasium. Am Schlimmsten von diesen trifft es die Mittel- und die Grundschule an der Alfonsstraße in Neuhausen; die Erweiterungspläne dort würden sich um fünf Jahre verzögern, heißt es von der Stadt. Die Schulleiterin der Mittelschule möchte sich dazu nicht äußern. Andere Schulen müssen nur ein oder zwei Jahre warten, darunter die neuen Schulen auf dem Gelände der früheren Bayernkaserne in Freimann, außerdem die geplante neue Grundschule an der Passauerstraße sowie der Schulkomplex am Gotzinger Platz in Sendling, die Erweiterung des Karls- und des Max-Planck-Gymnasiums in Pasing sowie der Neubau am Salzsenderweg, in den das Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium ziehen soll.

Letzteres wartet ebenfalls schon lange. Das 1973 errichtete Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium in Bogenhausen, mit derzeit etwa 1350 Schülern Münchens größte allgemeinbildende Schule, ist chronisch überbelegt. In der Vergangenheit wurden bereits Sanierungen mehrfach verschoben. Der Neubau, der nun Platz für mehr als 1500 Schülerinnen und Schüler bieten soll, sollte 2023 fertig sein. Nun dauert es wohl ein Jahr länger. Doch angesichts der Finanznot könne man das nachvollziehen, sagt Schulleiter Uwe Barfknecht. Die Entscheidung sei auch deshalb zu akzeptieren, weil die Stadt frisch in die digitale Ausstattung der Schule investiert habe: Es hätten nun endlich alle Klassenzimmer schnelles Internet, Rechner, Beamer und Dokumentenkameras erhalten, und die Schule habe 40 Webcams für Video-Unterricht.

Das Max-Planck-Gymnasium wiederum muss zwei Jahre länger warten: Eigentlich hätte die Schule bis 2024 erweitert werden und eine zusätzliche Doppelturnhalle erhalten sollen. Derzeit zählt sie 970 Schülerinnen und Schüler, später sollte Platz für 1200 bis 1300 sein. Bis dahin dauert es nun wohl bis 2026. Sie hätten sich aber innerlich schon darauf eingestellt, dass gespart werden müsse, sagt Schulleiter Ulrich Ebert. Im Zuge der Erweiterung werde die Schule vorübergehend in Container ausweichen; die werde man nun eben ein Jahr später beziehen und ein Jahr länger in ihnen bleiben. "Wir verschmerzen das", sagt Ebert, "uns drückt es noch nicht so". Mittelfristig aber würden die Schülerzahlen stark steigen. Die Erweiterung selbst dürfe deshalb wirklich nur verschoben und nicht abgesagt werden. Nicht nur, weil in den vergangenen zehn Jahren viel Zeit und Mühe in die Pläne geflossen sei. Sondern auch, "weil der Punkt kommen wird, an dem wir sie dringend brauchen".

© SZ vom 18.11.2020/wean
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