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Bildung in München: "Ganztag bietet die Chance, Ungleichheiten abzubauen"

Eine neue Plattform soll Schulen, Sportvereine und andere Anbieter vernetzen, um bessere Programme für den Nachmittag zu ermöglichen. Ein Ziel: Mehr Bildungsgerechtigkeit schaffen.

Von Kathrin Aldenhoff

Eine neue Online-Plattform soll den Ganztag an den Schulen stärken, indem sie Schulen, Anbieter und Förderer vernetzt. Das ist die Idee des Projekts mit dem Namen "Chance Ganztag", das Kultusminister Michael Piazolo, Stadtschulrat Florian Kraus, Michael Hoderlein-Rein vom Münchner Lehrer- und Lehrerinnenverband (MLLV) und Sandra Mittag-Bornmann, Geschäftsführerin der Stiftung Gesellschaft macht Schule, am Mittwoch vorstellten. Stadtschulrat Florian Kraus teilte außerdem mit, dass mit dem kommenden Schuljahr sieben weitere Münchner Schulen den sogenannten kooperativen Ganztag einführen werden. Insgesamt 20 Schulen in München bieten dann dieses Modell mit Betreuungszeiten bis 18 Uhr an; die Eltern können frei entscheiden, wie lange und an welchen Tagen ihr Kind betreut wird.

Die Plattform "Chance Ganztag" ist ein Kooperationsprojekt des Freistaats Bayern, der Landeshauptstadt München, des MMLV und des Bildungsnetzwerks München, dem 16 Stiftungen und gemeinnützige Einrichtungen angehören. Wie ein schwarzes Brett soll die Plattform funktionieren, sagt Kultusminister Piazolo. Sportvereine, Jugendhilfeträger und Musikschulen könnten sich präsentieren und die Schulen sich dann das Angebot herauspicken, das zu ihnen passt. "Ich glaube, dass der Ganztag in München dadurch noch ein Stück besser wird, als er es schon ist."

Von Bildungsgerechtigkeit ist viel die Rede bei der Vorstellung der Plattform. Sandra Mittag-Bornmann, die das Bildungsnetzwerk München vertritt, sagt, eine Ausrichtung auf mehr Chancen- und Bildungsgerechtigkeit sei im Moment wichtiger denn je. "Der Ganztag bietet die Chance, Ungleichheiten abzubauen."

Michael Hoderlein-Rein vom MLLV spricht davon, dass sich die Bildungsungerechtigkeit im Moment vertiefe. "Die Bildungsschere an den Schulen geht in einem Maße auf, wie wir uns das vor einem Jahr nicht hätten vorstellen können. In einem Maße, das uns Sorgen bereiten muss." Eine wirkliche Ganztagsschule sei ein Ansatz, dem entgegenzutreten. Denn Schulen seien heutzutage keine reinen Lehranstalten mehr, sie seien ein zweites Zuhause für die Schüler.

Auch Stadtschulrat Florian Kraus wünscht sich mehr Bildungsgerechtigkeit vom Ganztag. Die Ganztagsschule sei wichtig für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sagt er. Und sie biete "Familien mit sozioökonomischen Herausforderungen mehr Bildungs- und Teilhabechancen". Die Qualität der Angebote auf der neuen Plattform wird das Referat für Bildung und Sport prüfen. Auf der Plattform können sich auch Förderer registrieren, wenn sie gewisse Rahmenbedingungen erfüllen. Außerdem können Privatpersonen und Unternehmen in einen Förderfonds spenden, der dann ins Spiel kommt, wenn bestimmte Angebote mehr kosten, als die Schulen an Budget zur Verfügung haben.

Man werde genau hinschauen, wer die Partner sind, versicherte Kultusminister Piazolo. "Schule soll ein offener Raum sein, wir wollen die Zivilgesellschaft mit hineinnehmen." Hoderlein-Rein erklärte, am Ende entscheide immer die Schulleitung, welches Angebot und welcher Partner zur Schule und zu den Bedürfnissen passe. "Es braucht viel Abstimmung, um die richtigen Partner an die Schule zu holen." Und Sandra Mittag-Bornmann sagte später auf Nachfrage: "Wir wollen nicht, dass einzelne Unternehmen Zugriff auf die Schulen bekommen."

Auf der Plattform gibt es kostenlose Angebote wie etwa eine eintägige Bauernhoffahrt von der Sarah-Wiener-Stiftung. Es gibt Angebote wie das des Vereins Lesefüchse für Förder- und Grundschulen, das 300 Euro pro Schuljahr und Klasse kostet. Und es gibt Angebote wie "respect U" von Gesellschaft macht Schule, das pro Klasse und Schuljahr 43 000 Euro kostet.

Um die Zusammenarbeit mit externen Partnern zu unterstützen und zu forcieren, stelle der Freistaat ein Budget zur Verfügung, teilte ein Sprecher des Kultusministeriums mit. Daraus ergebe sich aber kein Anspruch auf eine Vollfinanzierung aller Angebote. Auf der Plattform könne nach Förderern gesucht werden, die bei besonders kostenintensiven Projekten unterstützen.

© SZ vom 22.04.2021/baso
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