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Förderung für Kinder:"Schreibt man Vogel mit zwei l?"

In kleinen Gruppen erhalten die Kinder in der Grundschule am Ravensburger Ring auch in den Pfingstferien von zehn Studentinnen der Ludwig-Maximilians-Universität intensive Sprachförderung.

(Foto: Yoav Kedem)

Sprachförderung für Kinder, in deren Familien kaum Deutsch gesprochen wird, ist gerade in den Ferien wichtig. In einem Projekt zeigen Studentinnen, was individuelle Unterstützung leisten kann. Doch Hilfe bräuchten viel mehr Schüler.

Von Kathrin Aldenhoff

Einen tierischen Knall gab es, so steht es im Buch. Tierisch - was für ein Wort, schwer auszusprechen für Mattia. Der Grundschüler stockt, setzt noch mal an. Eine Gruppe weiter sucht Zweitklässlerin Franceska einen Stift, mit dem sie die Namen aller großen Tiere, die ihr einfallen, auf ihr Arbeitsblatt schreiben kann. Und noch einen Tisch weiter sitzt Avan und fragt die Studentin Lena Meusel: "Schreibt man Vogel mit zwei l?"

Die elf Kinder, die am ersten Ferientag der Pfingstferien in der Bücherei der Grundschule am Ravensburger Ring sitzen, haben Probleme beim Lesen, beim Sprechen, beim Schreiben. Und können sie flüssig lesen, dann verstehen sie oft nicht, was sie da gerade vorlesen. Die Kinder kennen viele Wörter nicht und ihre Eltern können ihnen nicht helfen, weil sie meist schlechter Deutsch sprechen als ihre Kinder.

"Die Kinder, die wir ausgesucht haben, sprechen zuhause nur ihre Herkunftssprache", sagt Richard Sigel. "Sie müssen mehr üben als die anderen. " Richard Sigel arbeitet am Department für Pädagogik und Rehabilitation der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und leitet mit Beratungslehrerin Susanne Stanner das Förderprojekt der LMU und der Bildungsstiftung der Stadtwerke München (SWM), zu dem auch diese Ferienschule gehört. Das Projekt gibt es nicht erst seit Corona, das gibt es seit mehreren Jahren an einigen Münchner Schulen. Und seit zwei Jahren an der Grundschule Ravensburger Ring. Es geht hier nicht darum, in der Ferienschule Lücken zu schließen. Es geht darum, dass in den Ferien keine neuen Lücken entstehen.

Kinder aus 43 Nationen besuchen die Grundschule am Ravensburger Ring tief im Westen der Stadt, 80 Prozent der Schüler haben einen Migrationshintergrund, manche sind hier geboren, andere sind erst vor kurzem nach Deutschland gekommen und leben noch in Gemeinschaftsunterkünften. Jedes fünfte Kind habe zusätzlichen Förderbedarf, sagen Schulleiterin Claudia Hirschnagl und Projektleiter Richard Sigel. Diese Kinder hatten es schon vor Corona schwer. Ein Jahr mit Schulschließungen und Distanzunterricht hat alles noch schwieriger gemacht.

Alle Schulen sollen nun fördern, Lernlücken schließen, mit Brückenkursen verhindern, dass die Gräben zwischen den guten und den schlechten Schülern noch tiefer werden. Das Münchner Referat für Bildung und Sport teilt mit, man arbeite an zusätzlichen langfristigen Maßnahmen, um die Folgen der Corona-Pandemie zu bewältigen. Dabei soll es einerseits um die fachliche Förderung der Kinder gehen: Unter anderem soll in den Kernfächern der Lernstand erhoben werden und die Schüler sollen dann entsprechend gefördert werden - auch beim Lernen lernen. Andererseits soll die psychische Gesundheit der Kinder gefördert werden.

Andere Maßnahmen laufen schon, sagte ein Sprecher des Bildungsreferats. An den städtischen Realschulen sowie den beiden Schulen besonderer Art seien im vergangenen Schuljahr zusätzliche Förderangebote in Deutsch, Mathematik und den Fremdsprachen eingerichtet worden, um Lernlücken zu schließen. Solche Brückenmodule gebe es auch an den Gymnasien. Das Ziel: dass die Schülerinnen und Schüler das Schuljahr schaffen.

Vor knapp drei Wochen stellte das Bayerische Kultusministerium dann das Förderprogramm "Gemeinsam Brücken bauen" vor, damit sollen Angebote zur individuellen Förderung ausgebaut werden. Die Schulen sollen Geld für zusätzliches Personal erhalten, um im Regelunterricht individueller zu fördern. Nachmittags und in den Ferien soll es zusätzliche Kurse geben, außerdem ist ein Tutorenprogramm geplant, bei dem leistungsstarke Schüler schwächere unterstützen sollen.

Doch es gibt Kritik am Förderprogramm des Kultusministeriums: Der Bayerische und der Münchner Lehrer- und Lehrerinnenverband verweisen auf den Lehrermangel an den Schulen und kritisieren die enorme Zusatzaufgabe, die Schulleiter innerhalb kurzer Zeit zu leisten hätten, unter anderem die Rekrutierung externen Personals. Dass Kinder und Jugendliche zusätzlichen Förderbedarf haben, und zwar in ganz zentralen Lernbereichen, daran sei nicht nur Corona schuld, sagt Martin Schmid, Vorsitzender des MLLV. Schuld sei vor allem "der chronische Lehrermangel an den Grund-, Mittel- und Förderschulen". Seit Jahren prangerten MLLV und BLLV an, dass die Angebote zur intensiven Förderung immer weiter zurückgefahren werden. Das gelte auch für absolute Kernbereiche wie die Sprachförderung.

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