Zahlreiche Baumfällungen im Schlosspark Nymphenburg und im Hartmannshofer Park haben in den vergangenen Wochen für Verwunderung bei manchen Spaziergängern gesorgt. Wie in jedem Jahr werden in München vielerorts gerade Baumfällarbeiten ausgeführt, bevor diese von März an verboten sind, um insbesondere Vögel während der Brut- und Aufzuchtzeit zu schützen. Die Menge der gefällten Bäume in den Parks warf bei einigen jedoch Fragen auf.
Insgesamt 445 Stück mussten seit Mitte Januar im Rahmen einer Baumpflegemaßnahme weichen, davon etwa 380 im Schlosspark. Zur Einordnung: Insgesamt stehen in beiden Parks zusammen mehr als 30 000 Bäume. Dennoch ist es ein großer Einschnitt ins Landschaftsbild. Die Fällarbeiten seien jedoch notwendig gewesen, erklärt Angelika Urbach, Pressesprecherin der Bayerischen Verwaltung für staatliche Schlösser, Gärten und Seen. Ziel sei gewesen, Besucher, andere Bäume und die Biodiversität der Parks zu schützen.
Der Großteil der entfernten Bäume sei krank gewesen: Etwa 250 Eschen waren von einem Pilz befallen, der das sogenannte Eschentriebsterben auslöst. Das Problem: Die Sporen können auch umliegende Bäume infizieren. Die Erkrankung führt zudem zum Absterben von Zweigen und Stämmen und kann auch Wurzelschäden nach sich ziehen – die betroffenen Eschen könnten umstürzen. Ein ähnliches Problem bestand bei etwa 100 Linden, die stark von Misteln befallen waren. Gerade bei längerer Trockenheit würden auch sie Gefahr laufen, teilweise abzusterben.
Damit Besucherinnen und Besucher sicher in den Parks spazieren können, wurden die erkrankten Bäume entfernt. Auch etwa 70 weitere Bäume unterschiedlicher Arten mussten laut Angelika Urbach aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt werden.
Und was ist mit den übrigen knapp 30 Bäumen, die weder krank noch sicherheitsrelevant waren? Im Schlosspark Nymphenburg und dem Hartmannshofer Park stehen bis zu 200 Jahre alte Kiefern, Lärchen und Eichen. Außerdem leben in einigen sogenannten Habitatbäumen seltene Tierarten. Um diese wertvollen Altbäume zu erhalten, mussten vereinzelt jüngere entfernt werden, so die Pressestelle. Dabei sei alles strikt nach artenschutzrechtlichen Vorgaben abgelaufen. Auch sei vorab überprüft worden, ob Tiere in den betroffenen Bäumen leben. Mittlerweile sind die Fällarbeiten nach Plan abgeschlossen.
Bewusst nachgepflanzt wird in den entstandenen Lücken kaum: In den meisten Fällen sei das weder sinnvoll noch notwendig, heißt es seitens der Schlösserverwaltung. In den geschlossenen Waldbeständen der Parks, in denen fast alle der entfernten Exemplare standen, vermehrten sich die Bäume bereits von selbst stark genug. Zudem seien diese natürlich gewachsenen Pflanzen besser an den Standort angepasst. Die Schlösserverwaltung pflanzt demnach gezielt nur solche Gehölze nach, die sonst besonders fehlen würden, wie Alleebäume oder markante frei stehende Bäume. Im Rahmen der jüngsten Arbeiten wurden bisher zwölf solcher Bäume gepflanzt. Weitere acht sollen im Frühjahr folgen.

