Das Schicksal von Agaven ist es, nur einmal, oft erst nach Jahrzehnten, zu blühen und danach zu sterben. Ihre Blüte ist daher ein ganz außergewöhnliches Ereignis. Das kann laut Bayerischer Schlösserverwaltung erleben, wer aktuell in den Schlosspark Nymphenburg in München kommt. Dort entfaltet eine Kübelpflanze etagenweise ihre gelb-grünen bis cremefarbenen Einzelblüten und bietet ein besonderes Naturschauspiel.
Die Schloss- und Gartenverwaltung Nymphenburg pflegt die Pflanze seit etwa 45 Jahren, wie es heißt. Anders als viele Gewächse wachsen Agaven kaum in die Höhe, sondern breiten zunächst über Jahrzehnte ihre Blätter aus. Nun hat die Nymphenburger Agave ihre gesamte Energie in einen beeindruckenden Blütenstand gesteckt. Der von den Gärtnern vermessene Stängel ragt 5,85 Meter in die Höhe. An seinem oberen Ende verzweigt er sich wie ein Kandelaber in mehr als 20 Blütenarme, die Hunderte filigrane Blütenknospen tragen. Diese öffnen sich nach und nach und formen eine beeindruckende Blütenkrone.

Diese wird den Angaben zufolge etwa zwei bis drei Wochen lang zu sehen sein. Danach stirbt die Pflanze, da sie all ihre Kraft in den Blütenstand investiert hat. Der Stängel trocknet langsam ein, behält aber seine Form. Die Schlossgärtnerei wird ihn dann vorsichtig abnehmen und einlagern, um ihn bei besonderen Anlässen auszustellen.
Ganz aber werde die Geschichte der Agave nach ihrer Blüte nicht enden, machen die Gärtner Hoffnung. Denn zwei Ableger hätten sich bereits an der Pflanze gebildet. Nach dem Absterben der Mutterpflanze würden diese in Kübeln weiterkultiviert. In einigen Jahren sollen sie dann wieder Teil der historischen Kübelsammlung vor dem Eisernen Haus werden – und vielleicht in 40 bis 50 Jahren erneut blühen.
Schon im 17. und 18. Jahrhundert galt die Blüte einer Agave als botanische Sensation. In höfischen Gärten wurde sie als kostbare Rarität geschätzt, ihre Blüte fand Eingang in Bücher, Kupferstiche und Münzen.

