Schlachthofviertel:Viehhof macht wieder für Anwohner dicht

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Schlachthofviertel: Auf dem Gelände des Schlachthofs an der Tumblingerstraße herrscht viel Fußgängerverkehr - zu viel, das finden die Betreiber.

Auf dem Gelände des Schlachthofs an der Tumblingerstraße herrscht viel Fußgängerverkehr - zu viel, das finden die Betreiber.

(Foto: Stephan Rumpf)

Viele nutzen das Betriebsgelände als Abkürzung - und kommen dabei der Lkw-Waschanlage gefährlich nahe.

Von Julian Raff

Seit hier vor 15 Jahren der Handel mit Nutztieren eingestellt wurde, hat sich der Viehhof zwischen Tumblinger-, Zenetti- und Thalkirchner Straße zum halboffenen Gewerbe- und Kulturareal entwickelt - nun wird er wohl wieder für längere Zeit zum geschlossenen Betriebsgelände. Wegen Sicherheitsproblemen im Bereich der umstrittenen Lkw-Waschanlage im Süden der Fläche wird die Betreibergesellschaft Markthallen München die beliebte Abkürzung zwischen Thalkirchner und Tumblingerstraße demnächst schließen, wie Markthallen-Sprecherin Birgit Unterhuber im örtlichen Bezirksausschuss bekannt gab.

In den nächsten ein bis zwei Wochen wird zunächst das südöstliche Tor an der Thalkirchner Straße geschlossen, später der nordwestliche Zugang von der Tumblingerstraße. Das "Bahnwärter Thiel"-Gelände bleibt von dieser Seite her zugänglich. Einen Zugangskorridor von der gegenüberliegenden Seite her, bekommt auch der von Anwohnern bestellte "Südgarten" an der Thalkirchner Straße. Der direkte Fußweg durchs Gelände ist knapp 300 Meter lang, die Umgehung rund 600 Meter. Der tatsächliche Umweg werde aber laut Unterhuber selten mehr als 250 Meter betragen, da ja die wenigsten Fußgänger direkt von Tor zu Tor gelangen wollen.

Nicht nur Seniorenvertreter protestierten dennoch energisch gegen die Schließung der beliebten Verbindung. Die Viehhof-Betreiber überrascht dies wenig, schließlich hatten sie die Sperrung bereits im Sommer 2021 angekündigt und es nach hitziger Debatte noch einmal mit deutlicheren- aber offenbar vergeblichen Gefahrenhinweisen versucht. Öfter denn je kämen Fußgänger und Radler inzwischen der offenen Lkw-Waschanlage zu nahe, so Unterhuber.

Gefahr gehe dort nicht nur von Chemikalien und Hochdruckreinigern aus, sondern vor allem von rangierenden Lkw und Baggern, die den Mist aus den Viehtransportern abtransportieren. Ortsfremde Lkw-Fahrer würden hier nicht mit Fußgängern rechnen, was das Problem verstärke. Besonders gefährdet seien Kinder, die das Geschehen natürlich neugierig aus der Nähe betrachten wollen und dabei nicht immer von ihren Eltern zurückgehalten werden. Auch die deutlichsten Warnhinweise oder Bodenmarkierungen könnten den Betreiber nicht aus seiner juristischen Haftung entlassen, neben der es ja auch noch eine moralische gebe, so Unterhuber.

Eine zeitlich begrenzte Sperrung komme ebenfalls nicht in Frage, da auch am Wochenende gewaschen wird. Eventuell entgegen kommen könnten die Markthallen lediglich Anwohnern, die auf dem Gelände einen Pkw-Stellplatz gemietet haben und zwecks kürzerem Zugang einen Schlüssel für die Seitentore bekommen könnten.

Auf lange Sicht werden Lkw-Waschanlage und Fußgänger einander nicht mehr in die Quere kommen: Ein noch nicht konkretisierter Masterplan für das städtische Gelände sieht hier unter anderem den Bau von 600 Wohnungen vor. Die Lkw-Waschanlage muss womöglich schon vorher weichen - eigentlich ist sie ein nicht mehr zulässiges Relikt aus der Zeit, als Vieh- und Schlachthof ein zusammenhängendes Betriebsgelände bildeten, durchbrochen nur von der Zenettistraße.

Der Plan, dort für eine zweistellige Millionensumme eine Moderne Anlage zu bauen kommt allerdings im Viertel ebenfalls nicht gut an, da Anwohner und Bezirksausschuss den gesamten Betrieb am liebsten ins Umland verlagert sähen.

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