Schlachthofviertel:Kultur warnt vor Kommerz

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Kulturaktivisten kritisieren die Vergabe der historischen Viehmarktbank an einen Privatinvestor. Sie fordern einen Ort, wo Jugendliche sich aufhalten und ausprobieren können.

Von Julian Raff

Ob in der historischen Viehmarktbank der Humor seine museale Heimat findet, ist nach der städtischen Entscheidung für eine offene Ausschreibung ungewiss. Das außen stattliche, innen aber marode denkmalgeschützte Gebäude soll zwecks Sanierung in Erbpacht an einen Privatinvestor vergebenen werden, um es anschließend zurückzumieten. Durch diese Weichenstellung könnte der Bau zwischen Volkstheater und Wirtshaus zum Schlachthof zu einem weiteren Beispiel für die "Ökonomisierung städtischer Räume" werden. Dies befürchtet zumindest eine Gruppe um den Filmemacher und Kulturaktivisten Karnik Gregorian, der an die Stadt appelliert, sich "das Gebäude nicht aus der Hand nehmen zu lassen", wie er im Bezirksausschuss Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt sagte.

Ehemalige Viehmarkt-Bank in München, 2017

Außen stattlich, innen marode: die alte Viehmarktbank in der Zenettistraße.

(Foto: Stephan Rumpf)

Auch wenn ringsum immer mehr Kunst und Kreativität einziehe, fehle hier immer noch ein "niedrigschwelliger, konsumfreier Ort, an dem sich Menschen aller Generationen, vor allem aber Jugendliche aufhalten, ausprobieren und begegnen können", argumentiert Gregorian. Ein solcher "Anker" für die Stadtgesellschaft in "partizipativer Bespielung" könne die Viehmarktbank werden - falls die notwendigen Sanierungsarbeiten nicht durch "ausschließlich kommerzielle Nutzung" finanziert würden. So steht es in einem Konzept, das der Filmemacher mit lokalen Kulturschaffenden ausgearbeitet hat. Eine "schrittweise", behutsame Sanierung könne dabei nicht nur Kosten sparen, sondern das Gebäude auch während der Arbeiten in Teilen zugänglich halten.

Kurzfristig schweben den Kulturaktivisten beispielsweise Bandprobenräume, Künstlerbüros und ein Ausstellungsraum für lokale Künstler vor. Als positive Beispiele solcher Nutzungen nennen sie das Projekt "Gabriele" in Neuhausen und den "Kunstübungsraum" (Kür) in Milbertshofen.

Öffentliches Interesse geweckt hatte zunächst die Idee, in der Viehmarktbank ein Museum für komische Kunst einzurichten, das Forum Humor. Nach anfänglicher Unterstützung durch die Stadt ist dieses aber derzeit wieder nur eine von vielen Optionen. Das Engagement gegen eine rein kommerzielle Nutzung vom Bezirksausschuss in den Stadtrat tragen, das will auf jeden Fall Paul Bickelbacher. Der Politiker sitzt für die Grünen in beiden Gremien und warnt vor einer Entwicklung à la Schrannenhalle. Nach mehreren Betreiberwechseln befindet sich in dieser nun eine italienische Feinkostkette.

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