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Lokalrunde:Kleine kommen groß raus

Bierkiste

Getränkemarkt und Kneipe in einem: die Bierkiste von Tilman Ludwig (links) und Maximilian Heisler.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

"Craft Beer" ist im Schlachthofviertel offenbar sehr gefragt

Von Franz Kotteder

Wo gibt es die größte Craft-Beer-Dichte in München? Im Schlachthofviertel. In einem Umkreis von 800 Metern finden sich gleich fünf Kneipen für Anhänger der kleinen, handwerklichen Brauereien. Vom Hop Dog in der Auenstraße über die True Brew Brewing Co. in der Dreimühlenstraße, Frisches Bier in der Thalkirchner und der nagelneuen Bierkiste in der Zenetti- bis zur Geierwally in der Geyerstraße (die eigentlich zum Glockenbachviertel gehört, schon klar) gibt es wohl nirgendwo eine vergleichbare Dichte. Jüngstes Juwel in der Sammlung ist seit einer Woche die Bierkiste - ein Zwitter zwischen Getränkemarkt und Kneipe. Weshalb die beiden Macher den Begriff "Trinkhalle", den man eigentlich eher aus dem Ruhrgebiet kennt, verwenden. Die beiden, das sind Maximilian Heisler von der Geyerwally und Tilman Ludwig von der Craft-Brauerei Tilmans Biere. Zusammen haben sie auch schon die Bar Frisches Bier aufgemacht und während des Lockdowns den Bierkurier erfunden. So ein Getränkemarkt, dachten sie sich dann, hat seine Vorteile: Den kann man nicht zusperren wie ein Lokal, der ist systemrelevant. So kamen sie an die Zenettistraße 43, wo mal das italienische Ristorante Friulana war (heute auf der anderen Straßenseite), dann ein Sozialprojekt und jetzt eben ein besonderer Getränkemarkt. Heisler und Ludwig haben freilich nicht nur Craft Beer (und diverse alkoholfreie Getränke) im Angebot, es gibt auch Augustiner, Giesinger, Unertl, Baumburger, Tegernseer, Reutberger und andere ihrer persönlichen Favoriten. Im "Grünen Salon", einem Nebenraum, stehen sechs Kühlschränke, in denen befreundete Minibrauereien wie Orca aus Nürnberg oder Yankee & Kraut aus Ingolstadt ihre Spezialitäten vorstellen können. Das Publikum verkostet sie entspannt auf einem schweren Lederdiwan. Für die Laufkundschaft gibt es sonst Tische drinnen und draußen, und die Bierkiste ist auch für Notfälle gerüstet. Es gibt hier außer Süßigkeiten auch Zahnpasta, Tampons, Kondome und Taschentücher (Zenettistraße 43, So.-Do. 10-23 Uhr, Fr./Sa. 10-2 Uhr, Telefon 01 75-571 38 32, www.bierkiste-muenchen.de).

Weil wir gerade bei kleinen Brauereien sind: Die größte unter ihnen, die Giesinger, hat gerade ihr coronabedingt fünf Monate lang ruhendes Giesinger Bräustüberl wiedereröffnet. Die Speisekarte hat etwas abgespeckt, wurde zugleich aber auch veredelt: Es gibt Wurst und Fleisch ausschließlich aus Bayern und mehr vegane und vegetarische Speisen als früher. (Martin-Luther-Straße 2, Di.-Do. 16-23 Uhr, Fr./Sa. 16-23 Uhr, So./Mo. Ruhetage, www.giesinger-braeu.de).

© SZ vom 28.08.2020
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