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SZ-Adventskalender:Nicht einmal für den Christbaum ist Platz

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Von einem Tag im Legoland oder im Dinopark träumen Adam (hinten) und seine drei Schwestern Ahlam, Mona und Maryam.

(Foto: Catherina Hess)

Die alleinerziehende Mutter hat Krebs, der Sohn leidet an Autismus, selbst für Alltagsdinge fehlt Geld. Die Familie hat trotzdem noch bescheidene Wünsche - und sei es nur ein Wochenendausflug.

Es war voll in der U-Bahn, unerträglich voll für den damals sechsjährigen Adam. "Es war zu viel für ihn", erzählt die Mutter, "die Situation hat ihn überfordert." Der kleine Bub, der an einer Störung aus dem Autismus-Spektrum leidet, begann laut zu weinen. Ein Mann schrie daraufhin den Sohn an, wurde ausfallend und beleidigend.

Die Behinderung durch die Störung sieht man Adam nicht an. "Nicht jeder Autist sieht aus wie Dustin Hoffmann in dem Film Rain Man", sagt die Mutter. "Wenn man Kinder hat, dann teilt sich die Bevölkerung. Ein Teil akzeptiert, dass Kinder nicht in die Norm passen." Dabei sagen sie meist artig "bitte" und "danke", und wenn sie es mal vergessen, wird die Mutter nicht müde, ihre Kinder daran zu erinnern.

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Die alleinerziehende Mutter von Adam und seinen drei jüngeren Schwestern hat es nicht leicht. Das älteste Mädchen hat ADHS und "zu oft Ausraster". Die Mutter muss Adam und seine älteste Schwester regelmäßig zu verschiedenen Therapien bringen und wieder abholen, das kostet viel Zeit und Nerven. Ihre Jüngste wird erst im Dezember drei Jahre alt, einen Kindergartenplatz hat sie deshalb noch nicht bekommen.

Die Mutter ist in Elternzeit, das Geld knapp. "Ich schaffe es irgendwie, auch wenn am Monatsende wenig übrig ist." Zu fünft lebt die Familie in einer winzigen Zwei-Zimmer-Wohnung mit Nachtspeicheröfen. Von der Nachzahlung für die hohen Stromkosten hat zwar das Jobcenter den größten Teil übernommen, aber eben auch nicht alles. Obwohl eine hohe Dringlichkeit für eine größere Sozialwohnung besteht, hat es bislang nicht geklappt. Und so wird es auch in diesem Jahr keinen Christbaum geben - denn, mal abgesehen von den Kosten, ist dafür wirklich kein Platz.

Die Mutter ist selbst krank, sie leidet an einem Schilddrüsenkarzinom, doch von einer Operation will sie nichts wissen: "Wie soll das mit vier Kindern gehen? Meine Kinder brauchen Halt, nicht nur Essen und Waschen. Ich habe mich für meine Kinder entschieden, sie kommen immer an erster Stelle." So lässt sie den Tumor bestrahlen, "das muss nicht jeder wissen, ich brauche kein falsches Mitleid". Demnächst muss sie sich noch einmal ambulant an einem Narbenbruch operieren lassen, der nach einem Kaiserschnitt aufgetreten war.

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Adam, inzwischen acht Jahre alt, hat ein Faible für Astronomie und Astrophysik. Er besucht die Landesschule für Körperbehinderte, wo er "eine tolle Förderung" erhält. Die siebenjährige Tochter hat einen Lesepaten bekommen, die Mutter ist außerordentlich froh darum: "Wir haben ein sehr gutes Bildungssystem, die Schulen bemühen sich sehr um meine Kinder. Dafür bin ich sehr dankbar." Als es der alleinerziehenden Mutter bei der dritten Bestrahlungsserie einige Wochen lang schlecht ging, hätten sie "die Lehrer total unterstützt". Auch die Kinder haben wohl gespürt, wie die Mutter litt, "sie sind alle in den Kuschelmodus gegangen und haben sich nicht jeden Tag gezankt".

Einfach mal das machen können, "was andere Eltern spontan entscheiden können", das sei ihr Wunsch, sagte die Mutter. Zum Beispiel einen schönen Ausflug unternehmen, vielleicht mal ein Wochenende ins Legoland oder in den Dinopark: "Die Kinder sollen sich nicht Gedanken darüber machen müssen, ob wir uns das leisten können." Dass das Leben endlich ist, sei ihr sehr viel bewusster geworden, seit sie in diesem Jahr ihre Krebsdiagnose bekommen habe. Und dennoch: "Die Diagnose hat mich nicht unglücklich gemacht", sagt die Mutter.

Sie sieht die Krankheit als eine von vielen Prüfungen. "Ich möchte so lange wie es geht, meinen Kindern den richtigen Weg zeigen. Ich liebe sie über alles." Vor 20 Jahren ist die Medizinisch-technische Assistentin aus den neuen Bundesländern nach München gekommen. Sie habe sich in die Stadt verliebt und, wie sie sagt, "hier zu Gott gefunden, das hat mir Ruhe gegeben. Man muss jeden Tag dankbar sein für das, was man hat. Es gibt Menschen, denen es schlechter geht als uns."

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