Christofer von Beau:"Was soll ich tun? Mit 58 umschulen?"

Lesezeit: 3 min

Christofer von Beau bei der Feier zu 40 Jahre SOKO München am 24 02 2018 in München UFA Fiction Gebu

2018 war Christofer von Beau noch bei der Feier zu 40 Jahre Soko München, heute ist er froh über jeden Job.

(Foto: imago/APress)

Der Schauspieler Christofer von Beau findet nach dem Aus der Soko München keine Jobs. Als er sich als Kellner vorstellte, dachte die Wirtin an die "Versteckte Kamera".

Von Gerhard Fischer, München

Als das ZDF 2020 die Krimiserie Soko München absetzte, war das für viele Zuschauer eine Enttäuschung; für den Schauspieler Christofer von Beau, der den Polizisten Franz Ainfachnur spielte, war es - wie er damals sagte - eine "Katastrophe". Es wäre "wie ein Sechser im Lotto", falls er noch einmal eine Serien-Rolle bekäme, meinte er nach der letzten Folge. Im Oktober 2021 laufe sein Arbeitslosengeld aus, von November 2021 an müsse er Hartz IV beantragen, "falls kein Wunder geschieht".

SZ: Herr von Beau, wie geht es Ihnen jetzt?

Christofer von Beau: Ich antworte wie ein Politiker: Mir geht es am liebsten gut. Das ist eine Aussage ohne Aussage. Aber wenn ich ehrlich bin: Es geht mir nicht gut. Ich habe kaum Arbeit, und man kann auch nicht immer fernsehen, lesen und spazieren gehen. Neulich habe ich meine Jalousien geputzt - jede Lamelle einzeln. Da dachte ich: Junge, du hast ein Problem!

Mussten Sie Hartz IV beantragen?

Ja. Und die Frau, mit der ich zu tun hatte, die hatte einen Ton drauf! Dann musste ich viele Fragebögen ausfüllen - ich habe alleine 56 Euro für Kopien ausgegeben. Schließlich hieß es, ich müsste meine Verträge, etwa die Lebensversicherungen, auflösen. Erst wenn mein ganzes Geld weg sei, könnten sie mir helfen. Da zog ich den Antrag zurück. Ich lebe von meinen Ersparnissen, so lange es geht. Dann fallen die Weihnachtsgeschenke halt diesmal bescheidener aus.

Werden Sie auf der Straße in Berlin, wo Sie wohnen, immer noch als "Herr Kommissar" angesprochen?

Ja, und ich werde dann gefragt, wann es denn mit der Soko München weitergehe. Bei der letzten Folge wurde doch gesagt, man hätte mir eine neues Dezernat angeboten ... (lacht).

Fiktion wird nicht immer verstanden.

Manchmal halte ich mein Handy ans Ohr, wenn ich aus dem Haus gehe, damit ich nicht darauf angesprochen werde. Neulich hat es plötzlich geklingelt. Da sagte ich laut, ich bekäme jemanden auf der zweiten Leitung. Keine Ahnung, ob es so etwas auf dem Handy überhaupt gibt (lacht).

Haben Sie in diesem Jahr gar nicht als Schauspieler gearbeitet?

Ich habe bei ein paar Kurzfilmen und Bewerbungsfilmen von jungen Regisseurinnen und Regisseuren mitgespielt, die ich von der Soko München kenne, weil sie dort Praktikanten waren. Ich habe das natürlich unentgeltlich gemacht. Es ist ansteckend, mit welchem Elan die jungen Leute bei der Sache sind - sie sind ein bisschen blauäugig und wissen noch nicht, wie es wirklich in unserer Branche aussieht. Ich bin da in einer Vaterrolle und sage - wie früher meine Mutter zu mir -, sie sollten doch auch etwas Vernünftiges lernen, falls es mit der Regie nichts werde. Meine Mutter sagte, ich solle Friseur oder Lkw-Fahrer werden, die brauche man immer, im Krieg und im Frieden.

Sie haben auch eine Rolle in der Soko Potsdam ...

... ja, als Staatsanwalt. Aber da war ich vor einem halben Jahr zum letzten Mal dabei. Ich schätze, der Staatsanwalt ist oft beim Golfen.

Und sonst?

Zwei Drehtage für ZDF Neo. Eine Sitcom. Ich spiele den Vater eines jungen Mannes, der ein Start-up für Rührstäbe hat. Ich musste ein paar ungarische Worte sprechen, einmal sagte ich Betonmischer statt Rührstab.

Und Theater?

Wegen Corona versuchen viele Häuser, mit ihrem Ensemble durchzukommen. Da ist momentan kein Platz für Gäste. Ich habe schon schlaflose Nächte, in denen sich meine Gedanken in einer Endlosschleife bewegen. Aber was soll ich tun? Mit 58 umschulen? Ich habe mich dann als Kellner beworben.

Und?

Einmal habe ich mich in einer Kneipe vorgestellt, und da hat die Wirtin - eine ältere Frau mit Berliner Kodderschnauze, die liebe ich ja - immer nach rechts und links geschaut. Nach rechts. Nach links. Nach rechts. Nach links.

Warum?

(lacht): Sie sagte: Das ist hier die "Versteckte Kamera", ich habe Sie doch gestern noch im Fernsehen gesehen. Ich bin dann gegangen, und sie hat immer noch nach rechts und links geschaut, um die Kamera zu finden.

Haben Sie es noch einmal als Kellner versucht?

Einmal noch. Da hieß es dann, ich sei sehr sympathisch, aber man habe hauptsächlich junges Personal. Und einmal habe ich mich beworben, als bei einer Aktion die neue Stimme für Berlins S-Bahnen und U-Bahnen gesucht wurde.

Klingt spannend.

Ja, ich war beim Casting. Aber die hatten Messgeräte und sagten, meine Stimme sei zu tief.

Und jetzt?

Ich bin teilweise dankbar, dass man momentan Maske tragen muss. Wenn ich schlechte Laune habe und - wie die Berliner sagen - eine Fresse ziehe, sieht es keiner. Ansonsten versuche ich den Humor nicht zu verlieren und sage mir: stay calm and carry on.

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