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Nachruf:Mit Tiefe und Charakter

Fred STILLKRAUTH Einzelbild angeschnittenes Einzelmotiv Portraet Portrait Porträt Lena Lorenz Neue

Er war oft nur Nebendarsteller, machte aber als solcher so manche Produktion zum Erlebnis.

(Foto: Imago/Sven Simon)

Fred Stillkrauth ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Der Münchner war einer jener Schauspieler, die trotz Engagements an den Kammerspielen, gern in die zweite Reihe eingeordnet wurden.

Von Karl Forster

Hört man den Namen, legt mancher die Stirn in Falten des Nachdenkens. Fred Stillkrauth, da war doch was? Doch sieht man ein Bild von diesem fein geschnittenen Gesicht, kommen einem unzählige Szenen in den Sinn, und es regt sich das schlechte Gewissen, den Namen nicht sofort mit diesem Charakterdarsteller in Verbindung gebracht haben zu können. Fred Stillkrauth, 1939 in München geboren und Absolvent der hier ansässigen Otto-Falckenberg-Schule, war ein Schauspieler, der, neben großer Verwandlungskunst, auch von diesem Gesicht lebte, von dem skeptischen Blick durch die kleine Brille, vom fein gepflegten Bart, der Güte verriet, wenn es denn sein sollte, von bairischer Pfiffigkeit, wie es der Komödienstadel verlangte oder seine Rolle als Fleischgroßhändler in der Bogner-Serie "Zur Freiheit".

Fred Stillkrauth war einer jener Schauspieler, die man trotz Engagements an den Kammerspielen oder am Bayerischen Staatsschauspiel, gern in die zweite Reihe einordnete, weil sie zum einen privat recht zurückgezogen lebten und zum anderen auf der Bühne und vor der Kamera manche Produktion als grandiose Nebendarsteller zum Erlebnis adelten. Egal also, ob Stillkrauth neben James Coburn und Maximilian Schell in "Steiner, das Eiserne Kreuz" den Obergefreiten Karl "Schnurrbart" Reisenauer gab, ob neben Gerd Anthoff in der "Löwengrube" den Kriminalbeamten Lederer oder, eine seiner vielleicht besten Rollen, 2008 im Münchner Tatort "Der oide Depp" den pensionierten Kriminaloberkommissar Bernhard "Opa" Sirsch, Fred Stillkrauth faszinierte mit seinen fein skizzierten Charakteren ohne übergroße Gesten, oft nur durch den ganz speziellen Blick, und gab so den nicht immer hintergründigen Rollen eine ganz spezielle Tiefe und, wenn es sein musste, auch Abgrund.

Vielen aber wird er vor allem als Nachfolger von Fritz Straßner nach dessen Tod in der Rolle des Brandner Kaspar in der legendären Residenztheater-Inszenierung Kurt Wilhelms in Erinnerung bleiben, was auch durchaus angemessen ist. Fred Stillkrauth ist nun im Alter von 81 Jahren in München gestorben.

© SZ vom 08.08.2020/syn
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