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Gastronomie:Wie die Wirte ihre Schanigärten winterfest machen

Herbert Auer, Inhaber des Café Pini vermutet, dass vor allem jüngere Leute die Schanigärten im Winter nutzen werden.

Herbert Auer, Inhaber des Café Pini, vermutet, dass vor allem jüngere Leute die Schanigärten im Winter nutzen werden.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die einen bauen bereits Heizstrahler ein, die anderen schauen, wie sich die Lage entwickelt. Bis Ende März dürften viele Münchner Parkplätze Freischankflächen bleiben.

Von Franz Kotteder

Essen und Trinken statt Parken: Die Schanigärten dürfen ihre Erfolgsgeschichte aus dem Frühjahr und Sommer fortschreiben. An die 900 Freischankflächen in Parkbuchten vor Gaststätten gibt es inzwischen in der Stadt. Schanigärten werden sie genannt, weil die Tische und Stühle von Lokalen auf öffentlichen Plätzen in Wien so genannt werden, angeblich nach dem "Schani", wie Kellner dort umgangssprachlich heißen.

Ursprünglich hatte die Stadt die Schanigärten nur bis Ende September ausnahmsweise genehmigt, um die Umsatzeinbußen in der Gastronomie durch die Corona-Auflagen etwas abzumildern. Weil sie aber dermaßen gut ankamen und von fast allen als Bereicherung des Stadtbilds angesehen wurden, hat der Stadtrat inzwischen die Ausnahmegenehmigung verlängert, den ganzen Winter hindurch bis Ende März. Auch Heizstrahler wurden erlaubt - sofern sie nicht mit Gas, sondern mit Ökostrom betrieben werden.

Wie viele Gaststätten auch im Winter in Parkbuchten bedienen werden, lässt sich noch nicht sagen. Das hängt meist davon ab, welcher Aufwand bisher schon betrieben wurde, um einen Schanigarten einzurichten, und wie erfolgreich das gewesen ist. Wegen zwei, drei Tischen vor dem Haus, zur Straße hin mit einer Bastmatte abgetrennt, lohnt sich der Aufwand, einen Heizstrahler anzuschaffen, ja eher nicht.

Dietmar Holzapfel will seinen Schanigarten auf jeden Fall auch im Winter offenhalten. Er betreibt das vor allem in der Schwulenszene sehr beliebte Hotel Deutsche Eiche und das dazugehörige bayerische Wirtshaus gleichen Namens. "Wir bereiten schon alles vor", sagt er, "es müssen ja Heizstrahler eingebaut und die einzelnen Boxen winterfest ausgestattet werden." Die Schanigärten seien den Sommer über sehr gut angenommen worden und hätten einen Teil der Einbußen, die das Wirtshaus nicht nur wegen des Lockdowns hatte hinnehmen müssen, wieder ausgeglichen. Auch im Hotel, so Holzapfel, seien die Umsätze nicht so stark zurückgegangen, wie ursprünglich befürchtet. Lediglich die große Saunalandschaft, eine wichtige Einnahmequelle des Hauses, ist heuer wegen der Auflagen ein ziemlicher Ausfall. "Wir haben immerhin das große Glück", sagt Holzapfel, "dass uns die Immobilie selbst gehört. Andernfalls wäre das Überleben schwierig."

Macht seinen Schanigarten schon winterfest: Dietmar Holzapfel, Inhaber der Deutschen Eiche.

Macht seinen Schanigarten schon winterfest: Dietmar Holzapfel, Inhaber der Deutschen Eiche.

(Foto: Stephan Rumpf)

Holzapfels Kollege Herbert Auer hat nicht nur eine kleine Pension in Gärtnerplatznähe, sondern zusammen mit seinem Geschäftspartner Paulo Battista auch das Café Pini in der Klenzestraße 45. Er hält es so, wie die meisten seiner Gastronomenkollegen: "Ich warte ab und schaue mir das erst mal an, bevor ich da Geld reinstecke." Er hat nur drei kleine Tische vor dem Haus stehen, die mittags gut besetzt seien, solange die Sonne scheine, sagt er. Auer ist skeptisch, ob die Schani-Begeisterung auch über den Winter hin anhält: "Das ist dann eher was für die Jungen, denen gefällt es sicher, wenn man auch draußen in der Kälte trinken kann. Zu uns kommen aber hauptsächlich Erwachsene. Die sitzen lieber drinnen, wenn es kühl wird." Er zweifelt obendrein aber auch, ob die Akzeptanz in der Nachbarschaft der Lokale anhält, wenn der Winter kommt. Klagen wegen fehlender Parkplätze sind noch selten, aber Anwohner hätten es womöglich "nicht so gern, wenn Parkplätze durch Schanigärten blockiert sind, in denen niemand sitzt".

Wie auch immer der Winter ausfallen wird: Die Chancen stehen gut, dass es im nächsten Sommer doch wieder weitergeht. Gerade eben haben Grüne und SPD den Antrag in den Stadtrat eingebracht, die Schanigärten nächstes Jahr wieder zu erlauben. Die Entscheidung soll schon bald fallen, "um unseren Münchner Wirtinnen Planungssicherheit zu geben", wie es zur Begründung heißt. Die stünden nun vor der Entscheidung, "ob dafür angeschaffte Pflanzen, Paletten und andere Baubestandteile eingelagert werden sollten". Es sei denn, sie lassen die ohnehin im Freien stehen und warten ab, ob sich jemand auch dann vor ihrem Lokal niederlassen will, wenn die Temperaturen noch weiter sinken.

© SZ vom 10.10.2020/wean
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