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Gastronomie:San Francisco aus Niederbayern

Die zwei von der Kaffee-Tankstelle: Geschäftsführer August Huber (links) mit dem SFCC-Markenverantwortlichen Julian Hümmer.

(Foto: privat)

Die insolvente Münchner Kaffee-Kette ist gerettet - von einem Autohändler und Tankstellenpächter in Pocking. Er will in Zukunft auf kleinere Standorte setzen

Von Laura Kaufmann

Als die San Francisco Coffee Company vor mehr als 20 Jahren in München eröffnete, war diese Art von Kaffeebars Teil eines lang herbeigesehnten Lebensgefühls. Man kannte diese Filialen mit Ice Blended Creme Caramel Macchiato, Bagels und Brownies von USA-Reisen oder aus zahlreichen Blockbustern, in denen die Protagonisten mit absurd großen Pappbechern in der Hand durch die Gegend rannten, und wollte diese unverbindliche Lässigkeit auf sich selbst übertragen. Beinahe zeitgleich mit den Filialen der San Francisco Coffee Company begannen die von Coffee Fellows aus dem Boden zu sprießen, und als fünf Jahre später Starbucks auf der Leopoldstraße eröffnete, hatte der US-Gigant den Hype schon fast verschlafen, die Stadt war mit Coffee Shops gesprenkelt.

Die San Francisco Coffee Company ist, was nicht alle wissen, ein Münchner Unternehmen, gegründet von einer Juristin, die diese Art von Coffee-Places nach ihrer Tätigkeit im Silicon Valley vermisste. Acht Filialen gab es mal in München, außerdem Standorte in Berlin, Ingolstadt, Regensburg, Stuttgart, Pocking und Abu Dhabi. Nicht zu vergessen das Standl "St. Franzis Kaffee Kompanie", das sich alljährlich nahe des Weinzelts auf der Wiesn fand. Sechs Standorte sind heute noch übrig, die Kette hat im Sommer Insolvenz angemeldet.

In den vergangenen Jahren sei an dem Konzept einfach nicht mehr viel gemacht worden, sagt August Huber. Er hat sich jetzt die Bild- und Markenrechte sowie das Franchisekonzept gesichert, die SFCC GmbH gegründet und will der San Francisco Coffee Company zu altem Glanz verhelfen, und am liebsten natürlich zu noch mehr Glanz.

Huber ist nur auf den ersten Blick eine apart-skurrile Wahl, um das kalifornische Lebensgefühl weiter in die Welt zu tragen. Der Kfz-Betriebswirt ist Inhaber eines Autohauses in vierter Generation in Pocking, was im Landkreis von Passau liegt und als Hauptsitz der Rottaler Pferdezucht gilt. Soweit also noch nichts von Kalifornien oder von Caramel Macchiato. Huber betreibt aber auch eine Shell-Tankstelle in Pocking, und in dieser seit fünf Jahren auch eine Filiale der San Francisco Coffee Company. Einen kleinen Anbau mit Sonnenterrasse haben sie eigens dafür errichtet. "Das Konzept hat am besten zu uns gepasst", sagt Huber. Der gute Bio-Kaffee, ein Stück kalifornisches Lebensgefühl in Pocking und noch dazu die Möglichkeit, die hausgemachten Kuchen weiter zu verkaufen. Das sah die SFCC noch nie besonders streng. Wer zum Beispiel mittags viel Büroangestellte zu Gast hat, darf auch eigene Snacks verkaufen, was eben regional passt.

Das möchte August Huber so beibehalten. Anderes nicht. "Wir sind gerade dabei, das Konzept neu zu entwickeln, zu schauen was gut ist und was wir besser machen können", sagt der Unternehmer. Die eigene Filiale in Pocking laufe gut, genau wie die der anderen Franchisebetreiber. Probleme hätten die unternehmensgeführten gehabt, sagt Huber. Die, die hätten schließen müssen und wegen denen auch Insolvenz angemeldet wurde. Corona einmal außen vor gelassen. Wegen der besonderen Situation sei der ein oder andere Franchisebetreiber schon am Kämpfen, Huber hofft aber, dass alle dabei bleiben. "Bis Ende des Jahres wollen wir ein Grundgerüst haben und im ersten Quartal dann neue Standorte besetzen", sagt er. Bei letzterem könnte die Pandemie, die vielleicht die ein oder andere Ladenfläche leer räumt, sogar von Nutzen sein. Huber möchte sich auch auf kleinere Standorte konzentrieren, mal mit Shell über mögliche Kooperationen reden, Stationen in Einkaufszentren und Bahnhöfen eröffnen.

Um zeitgemäßer zu sein, soll die SFCC nicht zuletzt umweltfreundlicher werden. In seiner eigenen Filiale nutzt August Huber das Recup-System mit Mehrwertbechern. "Wir suchen gerade nach einer Alternative zu den Plastikdeckeln" sagt er. Den Mehrwertbecher vergessen die Kunden dann doch mal zuhause. Außerdem soll die Kette wieder stärker auf das kalifornische Lebensgefühl setzen, die Lässigkeit, das Strand-und-Surf-Gefühl. Huber war schon öfter in San Francisco, es ist für ihn die schönste Stadt der USA.

Coffee Shops waren hierzulande ein Jahrtausendwende-Boom, die SFCC soll jetzt in den zwanziger Jahren ankommen. Langsam. "Wir wollen das System nicht überfordern, lieber nachhaltig wachsen", sagt Huber. So ist schließlich schon das Autohaus über vier Generationen zu Erfolg gekommen.

© SZ vom 22.10.2020

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