Fünf Jahre nach Spatenstich:Wie ist der Stand bei der zweiten Stammstrecke?

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Fünf Jahre nach Spatenstich: Am Marienhof geht es nun Meter für Meter in die Tiefe: Für die zweite Stammstrecke entsteht hier ein neuer unterirdischer S-Bahnhof.

Am Marienhof geht es nun Meter für Meter in die Tiefe: Für die zweite Stammstrecke entsteht hier ein neuer unterirdischer S-Bahnhof.

(Foto: Stephan Rumpf)

Am Marienhof graben sich seit Januar Baumaschinen in die Tiefe, um den neuen S-Bahnhof zu errichten. Auch am Hauptbahnhof und in Laim geht es voran - doch die Eröffnung im Jahr 2028 bleibt ungewiss.

Von Andreas Schubert

Am 5. April jährt sich der symbolische Spatenstich für die zweite S-Bahn-Stammstrecke zum fünften Mal. Seitdem ist viel passiert. Doch erst Ende Januar dieses Jahres hat die Deutsche Bahn (DB) begonnen, sich am Marienhof in die Tiefe zu graben.

Am Marienhof entsteht einer von drei neuen unterirdischen Bahnhöfen für die zweite Stammstrecke. Gegraben wird inzwischen unter einem 4800 Quadratmeter großen und 1,2 Meter dicken Betondeckel, um die Belästigung des Umfelds mit Lärm und Dreck möglichst gering zu halten. Bis jetzt haben sich die Arbeiter knapp fünf Meter in die Tiefe gebuddelt. Dort entsteht das Sperrengeschoss mit dem Übergang zu den U-Bahnlinien U3 und U6. Nach weiteren zweieinhalb Metern wird wieder ein Betondeckel gegossen, unter dem dann die nächste Ebene ausgehoben wird.

Fünf Ebenen sind es insgesamt. Bis die Baugrube die endgültige Tiefe von 40 Metern erreicht hat, werden noch etwa zwei Jahre vergehen. Danach fräsen sich die Tunnelbohrmaschinen durchs Erdreich und treffen sich am Marienhof, wo sie für den Abtransport zerlegt werden.

Fünf Jahre nach Spatenstich: 500 bis 600 Kubikmeter Aushub werden per Lastwagen täglich über die Maximilianstraße abtransportiert.

500 bis 600 Kubikmeter Aushub werden per Lastwagen täglich über die Maximilianstraße abtransportiert.

(Foto: Stephan Rumpf)

Rund 50 Lkw-Ladungen Aushub - das entspricht 500 bis 600 Kubikmeter - werden derzeit täglich über die Maximilianstraße abtransportiert. Damit die Laster nicht den Baustellendreck in der Stadt verteilen, werden die Reifen in einer Waschanlage gereinigt. Dass erst jetzt mit dem Aushub begonnen wurde, liegt an den aufwendigen Vorarbeiten für die Baugrube. Zunächst mussten unterirdische Leitungen, sogenannten Sparten, verlegt werden, dann rückten Archäologen an, um das einst bebaute und im Zweiten Weltkrieg zerbombte Areal zu untersuchen. Sie bargen und dokumentierten 25 0000 Einzelstücke, darunter Gläser, Keramik und Stoffreste.

Nachdem eine bis zu viereinhalb Meter hohe Schallschutzwand rund um das Baufeld errichtet wurde, begann der Bau der Außenhülle der Station. Dazu wurden Betonwände um die Baugrube herum gegossen, die in bis zu 55 Meter Tiefe reichen. Zusätzlich stabilisieren 50 Primärstützen das Bauwerk während der Bauzeit im Boden. Parallel dazu bohrten die Arbeiter 136 Brunnen und Grundwassermessstellen, um den Wasserdruck zu senken und zu kontrollieren. In 40 Metern Tiefe würde das Grundwasser einen Druck von 3,5 Bar auf die Baugrube ausüben. Indem es abgepumpt, von Schwebstoffen befreit und in den westlichen Stadtgraben geleitet wird, sinkt der Druck dann auf 0,7 Bar.

Fünf Jahre nach Spatenstich: Ebene für Ebene werden Geschosse des neuen Bahnhofs ausgegraben.

Ebene für Ebene werden Geschosse des neuen Bahnhofs ausgegraben.

(Foto: Stephan Rumpf)

Ähnlich wird auch am Hauptbahnhof gearbeitet, hier transportiert die DB den Aushub allerdings auf der Schiene ab. Auch hier mussten vor Beginn der eigentlichen Arbeiten Leitungen verlegt werden, danach wurden - trotz einiger Proteste - die Schalterhalle und das Vordach, bekannt als "Schwammerl", abgerissen. Am Querbahnsteig laufen derzeit weitere Vorarbeiten für die "integrierte Gesamtlösung", wie es die DB nennt. Denn am Hauptbahnhof entsteht außer der neuen unterirdischen S-Bahn-Haltestelle auch ein neues Empfangsgebäude, ein neues Gebäude für den Starnberger Flügelbahnhof und ein Rohbau für die geplante U9-Station.

Bevor weitere Gebäudeteile abgerissen werden, müssen auch am Hauptbahnhof unter anderem Kabelsysteme, Leitungen und Rohre zurückgebaut oder verlegt werden. Dafür ziehen schrittweise die Ladengeschäfte aus dem Bahnhof aus. Für die weitere Bauzeit errichtet die DB am Querbahnsteig Kauf- und Imbissstände zur Grundversorgung der Fahrgäste. Noch dieses Jahr ziehen zudem das DB Reisezentrum und die DB Information in den südlichen Ausgang Bayerstraße um.

Recht weit ist die DB schon am Bahnhof Laim, wo künftig die erste und zweite Stammstrecke aufeinander treffen. Aktuell entsteht hier ein erster neuer Bahnsteig sowie ein neues Gleis 1, über das künftig die S-Bahnen auf der ersten Stammstrecke stadtauswärts fahren werden. Unterhalb der Station entsteht parallel zur Laimer Unterführung die sogenannte Umweltverbundröhre für den öffentlichen Nahverkehr, Fußgänger und Radfahrer. Ihr Rohbau reicht von der Nordseite bereits bis zur Station Laim. Im weiteren Verlauf des Abschnitts stadteinwärts sind im Gleisbereich zwei Brücken im Bau.

Im Juli 2021 konnte als erstes fertiges Bauwerk der zweiten Stammstrecke die 95 Meter lange stählerne Stabbogenbrücke am S-Bahnhof Hirschgarten in ihre finale Position geschoben werden. Sie führt künftig die Gleise der zweiten Stammstrecke über den Südring.

Für den Bau des östlichen Abschnittes der zweiten Stammstrecke sowie die neue Tunnelstation an der Friedensstraße laufen derzeit noch die Detailplanungen sowie die Abstimmungen mit den Projektpartnern und dem Eisenbahnbundesamt. Auf die Frage, ob die DB wirklich, wie angekündigt, die Stammstrecke 2028 in Betrieb nehmen wird, sagt eine Bahnsprecherin derzeit nur: "Wir prüfen das."

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