Süddeutsche Zeitung

Bahnverkehr:So geht es mit dem S-Bahn-Ausbau im Münchner Osten weiter

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Die Deutsche Bahn plant am Truderinger Gleisdreieck eine S-Bahn-Werkstatt, die in einer Frischluftschneise liegt. Das ist aber nur einer der Pläne im Münchner Osten.

Von Ulrike Steinbacher

Die Bahn baut ihre neue S-Bahn-Werkstatt im Münchner Osten auf einer bewaldeten Fläche südlich des alten Reparaturwerks Steinhausen. Das Areal gilt als Biotop, steht aber als Bahnfläche nicht unter Schutz. Es ist Teil der Kaltluftleitbahn entlang der Gleistrasse Richtung Innenstadt. Wenn die neue Halle in Betrieb geht - vorgesehen ist Mai 2032 - soll anstelle des alten Werks ein großer S-Bahn-Parkplatz entstehen.

Die neuen Abstellgleise seien bitter nötig, denn momentan gebe es davon im S-Bahn-Netz viel zu wenige, sagten Dietmar Biehler von der DB Regio, Projektleiter für den Neubau des Werks, und Michael Hatzel von der DB Netz AG, Projektleiter für den Ausbau des Knotens München Ost, bei einer Pressekonferenz am Mittwoch.

Als das alte Werk Steinhausen Anfang der Siebzigerjahre in Betrieb ging, waren im S-Bahn-Netz 130 Züge unterwegs, die gewartet werden mussten. Bis Ende dieses Jahres werden es knapp 300 sein, 90 weitere sollen ab 2028 dazukommen. Diese neuen Züge sind nicht mehr 70 Meter lang, sondern 203 Meter, etwa so wie die heutigen Langzüge. Und weil jede S-Bahn schon für die planmäßige Wartung praktisch einmal im Monat in die Werkstatt muss, von Reparatur und Reinigung ganz zu schweigen, sind neue Kapazitäten nötig.

Deswegen entsteht im Münchner Westen, in Langwied, ein zweites Reparaturwerk. Weil es schon 2028 fertig sein soll und die Planung deutlich weiter ist, nennt Projektleiter Biehler, wenn auch zögernd, eine Zahl zu den Kosten: Auf 220 Millionen Euro werde die Langwieder Anlage voraussichtlich kommen.

Das Werk in Steinhausen wird mit einem Arbeitsstand mehr ausgerüstet, dort können dann sieben S-Bahnen gleichzeitig gewartet werden. Außerdem entsteht weiter östlich beim Gewerbegebiet an der Grasbrunner Straße eine Halle für die Innenreinigung. Für ein vierstöckiges Schulungsgebäude westlich der Gleise nach Daglfing hat die Bahn seit Kurzem bereits Baurecht und will im Januar 2024 mit der Arbeit beginnen. Zusätzlich wird voraussichtlich von 2030 an der Kurvenradius der Flughafen-Linie S8 vergrößert, sodass sie künftig mit Tempo 100 statt 80 durch die Kurve fahren kann. Dafür rücken die Gleise acht bis zehn Meter nach Süden.

Das neue S-Bahn-Werk Steinhausen ist aber nur einer der Puzzlesteine beim Bahnausbau im Münchner Osten. Ein weiterer betrifft den Güterverkehr: In Trudering kreuzen sich zwei von sieben europäischen Güterverkehrskorridoren. Es geht da um den Anschluss des Containerbahnhofs in Riem, aber auch um den Zulauf zum Brenner-Basistunnel. Damit die Verbindung der beiden Güterstrecken besser funktioniert, die Züge schneller fahren können und weniger rangieren müssen, plant die Bahn den Ausbau von zwei Gleiskurven und einer Verbindungsstrecke.

Dieses Projekt, bekannt unter dem Begriff "Daglfinger und Truderinger Kurve und Spange" (DTK), sorgt für Ärger bei den Anwohnern, weil die Güterzüge zum Teil sehr nah an ihren Grundstücken vorbeifahren. Außerdem wird nach der Bahn-Planung die Kfz-Verwahrstelle für abgeschleppte Autos in sechs Metern Höhe mit einer 150 Meter langen Brücke überspannt, die mitsamt Lärmschutzwänden ebenfalls in der Frischluftschneise steht.

Ein neuer Verlauf der DTK hätte Auswirkungen auch auf das S-Bahn-Werk

Die Bürgerinitiative "Anwohner TDKS" hat daher zwei Alternativtrassen entwickelt, die unter den Kürzeln B1 und B2 firmieren und weiter westlich liegen, ein Stück von den Häusern entfernt. Voraussetzung für ihre Realisierung ist allerdings, dass die Kfz-Verwahrstelle verschwindet. Dies wird nun offenbar auf politischer Ebene vorbereitet: Die Stadt München hat für den Auto-Parkplatz ein Grundstück im Gewerbegebiet an der Rupert-Bodner-Straße in Langwied gefunden, und das bayerische Kabinett soll den Umzug dem Vernehmen nach kommende Woche absegnen.

Die Bahn-Verantwortlichen beeindruckt das zunächst nicht. Solange das Bundesverkehrsministerium dazu vom Freistaat keine Informationen zu Finanzierung und Zeitplan für den Umzug bekomme, "wird es auch den Auftrag an uns nicht ändern", sagte Projektleiter Hatzel am Mittwoch. Falls dies doch noch geschehe und der Bund sich neu entscheide, "würde das das ganze Projekt um Jahre zurückwerfen".

Auswirkungen hätte ein neuer Verlauf der DTK auch auf das S-Bahn-Werk: Die Bürgervariante B1 sei "per se nicht unmöglich", sagte Hatzel, der Bau sei dann aber mit Mehraufwand verbunden. B2, der weiter westlich gelegene Trassenvorschlag, sei "baulich nicht mehr machbar".

Peter Brück von der Bürgerinitiative kritisiert, die Bahn-Vertreter hätten noch nie Bereitschaft gezeigt, gemeinsam mit den Anwohnern nach Lösungen zu suchen. Aufgeben will er nicht: "Wir denken, dass noch nicht alles ausgereizt ist."

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