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S-Bahn München:Verlässlichkeit ist wichtiger als Werbeprosa

Anzeigetafel der S-Bahn Stammstrecke in München

Die S-Bahn muss oft und pünktlich fahren - sonst ist sie für viele Pendler keine Alternative zum Auto.

(Foto: dpa)

In schönen Worten preist die Münchner S-Bahn an, wie schnell und bequem die täglichen Wege mit ihr sind. Wer täglich pendelt, muss sich davon veräppelt fühlen.

Wer ein Beispiel sucht, wie sehr sich Werbung und Realität unterscheiden, muss nur auf die Homepage der Münchner S-Bahn schauen. In schönen Worten preist die Bahn-Tochter dort an, was sie täglich alles auf die Beine stellt. Da heißt es zum Beispiel: "Umsteigefrei von allen Landkreisen rund um München direkt in die City zum Marienplatz - schneller und bequemer geht es nicht." Wer dies liest und von irgendeinem Außenast der S-Bahn täglich in die Münchner City pendelt, dürfte sich von dieser Art hohler Marketingprosa gründlich veräppelt fühlen. Was die S-Bahn nicht braucht, ist Werbung - sie wird sowieso von Hunderttausenden am Tag genutzt. Was sie braucht, sind Verlässlichkeit und Transparenz. Und daran mangelt es seit Jahren.

Zugegeben: Die Bahn ist dabei, einiges zu verbessern. Die Liste der Maßnahmen zum Ausbau des Bahnknotens München ist lang, vieles ist noch in Planung, einiges wird bereits gebaut - etwa die erweiterte Abstellanlage in Steinhausen. Zusätzlich rüstet die Bahn ihre Züge für den künftig deutlich höheren Andrang an Fahrgästen aus und arbeitet an einer besseren Fahrgastinformation. Alles schön und gut! Aber: Dass nun über Jahre geplante Vorhaben zur Ausdünnung des Fahrplans führen, ist absurd in einer Zeit, in der der Klimawandel so intensiv diskutiert wird wie nie zuvor.

Man muss kein Verkehrsexperte sein, um zu wissen, dass nur ein stabiles Angebot und dichte Takte die Autofahrer zum Umstieg auf den Öffentlichen Nahverkehr bewegen. Doch der Alltag zeigt leider: Schneller und bequemer als mit der S-Bahn geht es oft mit dem Wagen. Viele vergessen dann die Umwelt und stehen winters lieber im beheizten Auto im Stau, statt am eisigen Bahnhof auf nicht kommende Züge zu warten.

Jetzt, da der Druck aus der Politik zu stark geworden ist, legt die Bahn einen Sonderfonds für Qualitätsmaßnahmen auf, holt zusätzliches Personal und Züge, um den Notstand zu überbrücken. Warum nicht gleich so? Dass sie zunächst versucht hat, ihre Probleme auf Kosten der Fahrgäste zu lösen, ist ein Ärgernis, das Konsequenzen haben muss. Von möglichen Geldstrafen hätte der Fahrgast wenig. Aber vielleicht macht es ja nach der nächsten Ausschreibung des S-Bahn-Netzes ein anderes Unternehmen besser.

© SZ vom 25.09.2019/vewo
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