VerkehrWie die Münchner S-Bahn pünktlicher werden soll

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Die Münchner Stammstrecke ist einer der meistbefahrenen Zugtunnel Europas - und extrem störanfällig.
Die Münchner Stammstrecke ist einer der meistbefahrenen Zugtunnel Europas - und extrem störanfällig. (Foto: Florian Peljak)
  • Die Deutsche Bahn erweitert von 14. Dezember an ihr Störfallkonzept für die Münchner S-Bahn-Stammstrecke: Es soll flexible Wendemöglichkeiten an mehr Stationen geben.
  • S-Bahnen können künftig auch an Haltestellen wie Hauptbahnhof, Marienplatz oder Stachus wenden, nicht nur an den bisherigen fünf Bahnhöfen.
  • Das neue Konzept soll Rückstaus nach Störungen schneller auflösen und die Pünktlichkeit im meistbefahrenen Zugtunnel Europas deutlich erhöhen.
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Die Bahn passt ihr Konzept an, wenn es zu Störungen auf der Stammstrecke kommt. Züge können bald an mehr Stationen wenden und Rückstaus sich so schneller auflösen.

Von Martin Mühlfenzl

Manchmal reicht schon eine defekte Tür einer S-Bahn, um einen der meistbefahrenen Zugtunnel Europas lahmzulegen. Meistens aber sind es Notarzt- oder Polizeieinsätze in Zügen oder an Bahnhöfen, die zur Folge haben, dass die Stammstrecke unter der Münchner Innenstadt für den S-Bahnverkehr temporär gesperrt werden muss. Mit Auswirkungen auf das gesamte Netz in der Stadt und das Umland. Die Deutsche Bahn (DB) reagiert mit sogenannten definierten Störfallkonzepten auf Streckenunterbrechungen auf der Stammstrecke. Mit dem Fahrplanwechsel zum 14. Dezember sollen diese Konzepte um eine zentrale Maßnahme erweitert werden, um die Pünktlichkeit im Betrieb der Münchner S-Bahn deutlich zu erhöhen.

Insbesondere in der Rushhour steigt die Gefahr, dass es auf der Stammstrecke zu Störungen kommt. Denn morgens und abends sind im Berufsverkehr etwa 100 Züge gleichzeitig im Münchner S-Bahnnetz unterwegs – nahezu im Minutentakt rauschen diese durch die bisher einzige Röhre unter dem Zentrum.

Muss in einer S-Bahn oder an einem Bahnhof etwa ein Fahrgast ärztlich versorgt werden, werden die Züge in der Regel angehalten. Ist absehbar, dass der Einsatz schnell beendet sein wird, warten die Züge auf der Stammstrecke, bis der Verkehr wieder freigegeben wird. „Sind beide Fahrtrichtungen betroffen und es ist klar, dass eine Störung länger dauert, wird hingegen sofort auf das entsprechende Störfallkonzept gewechselt“, teilt ein DB-Sprecher mit. Dann müssen Züge wenden – doch dies ist bisher nicht an allen Stationen der Stammstrecke möglich.

Das aber soll sich mit dem Fahrplanwechsel ändern. Bisher können S-Bahnen bei größeren Störungen nur an den Bahnhöfen Pasing, Donnersbergerbrücke, Hackerbrücke, Isartor und Ostbahnhof wenden. Denn die DB unterscheidet bei der Eisenbahn zwischen Haltepunkten und Bahnhöfen. „An Haltepunkten können Züge nur halten“, so der Bahn-Sprecher, während an Bahnhöfen dank entsprechender Signaltechnik und Weichen S-Bahnen auch umdrehen können. Von 14. Dezember an will die Bahn das Wenden der Züge aber auch an Haltestellen wie dem Hauptbahnhof, dem Marienplatz oder dem Stachus ermöglichen und verspricht sich davon deutlich „positive Effekte“ wie mehr Pünktlichkeit und Flexibilität.

Es dauert derzeit oft zu lange, bis der Rückstau auf der Stammstrecke sich auflöst

Denn das Grundproblem auf der Stammstrecke ist bisher, dass die Röhre bei einer großen Störung und Vollsperrung nicht leer gefahren werden kann, heißt es von der Deutschen Bahn. Daher dauere es, wenn der Verkehr zum Erliegen gekommen ist nach Wiederinbetriebnahme sehr lange, bis sich der Rückstau auflöst und die S-Bahnen wieder in den eigentlichen Takt zurückkehren. „Künftig nutzen wir die neuen flexiblen Wendemöglichkeiten während einer Störung, um in solchen Fällen gezielt Züge aus der Stammstrecke herauszufahren, um den Rückstau frühzeitig aufzulösen“, erläutert der DB-Sprecher. Diese Möglichkeit soll aber nicht nur bei Störungen auf der Stammstrecke den Betrieb wieder schneller zum Laufen bringen, sondern auch bei der Planung von Baustellen zur Anwendung kommen.

Allerdings nimmt auch das Wenden einer S-Bahn eine gewisse Zeit in Anspruch, da bei diesem Vorgang der Führerstand gewechselt werden muss und Weichen und Signale entsprechend eingestellt werden müssen. Aus diesen Gründen könne auf der Stammstrecke bei Störungen oder Bauarbeiten auch immer nur eine einzelne Linie wenden, da die Kapazitäten stark eingeschränkt seien, so der Bahn-Sprecher. Dennoch werde das neue Konzept mit mehr Bahnhöfen diesen Vorgang beschleunigen.

Ist die Stammstrecke gesperrt, werden S-Bahnen unter anderem an den Heimranplatz umgeleitet. 
Ist die Stammstrecke gesperrt, werden S-Bahnen unter anderem an den Heimranplatz umgeleitet.  (Foto: Lorenz Mehrlich)

Halteausfälle, also das Durchfahren der S-Bahn von Bahnhöfen, seien indes kein Bestandteil des Störfallkonzeptes, so die DB. Es gibt aber Ausnahmen: Etwa wenn es an einer Station unter der Innenstadt zu einem Rauchmelderalarm kommt – dann rauscht die S-Bahn ohne Stopp durch die betroffene Haltestelle.

Halteausfälle und vorzeitiges Wenden von Zügen komme aber immer wieder im Außenbereich der S-Bahn vor, sagt der Bahn-Sprecher – allerdings nicht nach einem „starren Muster“, sondern immer situativ. Meistens sei dies der Fall, wenn eine S-Bahn bereits mit größerer Verspätung unterwegs ist. Denn würde der Zug weiterfahren, käme er mit derart großer Verspätung am Endbahnhof an, dass auch die Rückfahrt verspätet starten müsste.

In der Innenstadt gibt es im Störfall aber eine weitere Ausweichmöglichkeit. So fährt etwa die S8 bei einer Sperrung der Stammstrecke zwischen Pasing und dem Ostbahnhof über den Südring, andere Linien werden ab Pasing oberirdisch zum Hauptbahnhof umgeleitet oder fahren bis zum Heimeranplatz. Ein Schienenersatzverkehr auf der Stammstrecke sei aufgrund der hohen Fahrgastzahlen und der begrenzten Zahl verfügbarer Busse indes „nicht praktikabel“, sagt der Bahn-Sprecher. In der Innenstadt nutzten die Fahrgäste bei einer Vollsperrung in der Röhre daher als Alternative eher die U5, Regionalzüge oder eben umgeleitete S-Bahnen.

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