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S-Bahn-Nordring:Anschluss für den Autobauer

DB-Nordring auf Höhe Schleißheimer Straße

Bisher sind die Gleise des DB-Nordrings dem Güterverkehr vorbehalten, doch das soll sich ändern.

(Foto: Florian Peljak)

Auf dem Nordring sollen von 2025 an nicht mehr nur Güterzüge, sondern auch Pendel-S-Bahnen verkehren. Weil davon vor allem BMW-Mitarbeiter profitieren, will sich der Konzern an den Kosten beteiligen.

Wo heute fast ausschließlich Güterverkehr unterwegs ist, sollen in fünf Jahren auch Passagiere befördert werden. An diesem Mittwoch stellt die Verwaltung den aktuellen Stand zum Ausbau des Münchner Eisenbahn-Nordrings vor. Dieser Nordring soll von 2025 an den Euroindustriepark, das Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ) von BMW und Karlsfeld verbinden. Schon vor einem Jahr hat eine Machbarkeitsstudie ergeben, dass die Strecke, auf der eine Pendel-S-Bahn verkehren soll, grundsätzlich machbar ist. Weil davon in großem Maße der Autobauer BMW profitiert, wird sich dieser mit einer nicht genannten Summe an den Kosten von bis zu 29 Millionen Euro beteiligen.

Die bisherigen Pläne sehen einen neuen Bahnsteig an der Knorrstraße vor, über den das FIZ und die U-Bahn-Haltestelle Frankfurter Ring erreichbar sein werden. Die neue S-Bahn soll einen Verkehrskollaps im ohnehin schon stark durch den Verkehr belasteten Norden verhindern. Der Autobauer BMW will aktiv unterstützen, dass seine Mitarbeiter nicht mit dem eigenen Wagen zur Arbeit kommen. Denn zu den derzeit 25 000 Arbeitsplätzen am FIZ und den 8500 im BMW-Werk Milbertshofen sollen weitere dazukommen - nach derzeitigem Stand sollen es bis zu 15 000 neue Arbeitsplätze sein. Mit etwa 3100 Fahrgästen am Tag ist zu rechnen, wenn die Pendelbahn in Betrieb geht. Mit dem Ausbau des FIZ werden es dann voraussichtlich deutlich mehr werden.

Karlsfeld ist die Endstation der Pendelbahn im Westen. Die ebenfalls angedachten Varianten mit einem Endhalt in Moosach und einem in Deisenhofen scheiden laut Gutachten aus. Eine Verbindung nach Moosach hätte zu wenig verkehrliche Vorteile, eine nach Deisenhofen ist wegen der hohen Auslastung der Strecke nicht so einfach machbar.

In Karlsfeld könnte laut der Studie ein zusätzlicher Bahnsteig an der Ostseite des bestehenden S-Bahnhofs gebaut werden, von dem aus die Passagiere dann in die S-Bahn umsteigen können. Theoretisch denkbar gewesen wäre auch eine Anbindung der Pendelstrecke ans S-Bahn-Netz, was eine Weiterführung der Züge Richtung Dachau und darüber hinaus ermöglichen würde. Dafür müsste aber der gesamte Bereich in Karlsfeld aufwendig umgebaut werden, weshalb diese Variante nicht weiter verfolgt wird.

Der geplante Halt Euroindustriepark soll vor allem dazu dienen die Trambahnlinie anzubinden. Diese soll bis 2026 über den heutigen Endhalt Schwabing Nord bis zur Bayernkaserne verlängert werden. Für die Pendelstrecke soll es nach dem Willen der Stadt nicht nur, wie vorgesehen, während der Hauptverkehrszeiten einen 20-Minuten-Takt geben. Bisher ist tagsüber ein Stunden-Takt geplant.

Was den Güterverkehr angeht, so will das Planungsreferat mit dem Bundesverkehrsministerium reden, ob sich nicht Gütertransporte von München weg verlagern ließen. Langfristig könnten so Kapazitäten für den Personenverkehr frei werden. 61 Prozent der Gütertransporte sind derzeit Durchgangsverkehr. Wenn der Brenner-Basistunnel wie geplant 2028 fertig gestellt ist, wird es noch mehr Gütertransporte auf der Strecke geben.

Langfristig wünscht sich die Stadt zudem einen kompletten S-Bahn-Ring. Doch das ist bei den bestehenden Schienenkapazitäten und der schon heute hohen Auslastung nicht möglich. Der Südring müsste erst aufwendig ausgebaut werden, doch diese Pläne wurden zugunsten des zweiten Stammstreckentunnels bekanntlich verworfen. Inzwischen herrscht jedoch breiter Konsens bei Politikern, dass er irgendwann doch kommen wird. Auch eine Anbindung des Nordrings an den Ostkorridor Daglfing-Johanneskirchen ist so schnell nicht realisierbar, da dort kurzfristig freie Trassen für Express-S-Bahnen verwendet werden sollen. Diese Strecke soll zwar viergleisig ausgebaut werden. Doch das wird sich voraussichtlich bis Ende der 2030er Jahre hinziehen.

© SZ vom 12.02.2020/flud
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