Eine mit rund 200 Fahrgästen besetzte S-Bahn hat am Samstagabend in München mehrere Betonplatten überfahren, die auf den Gleisen lagen. Nach Angaben des Lokführers war der Schlag am Fahrzeug so heftig, dass die Räder des vorderen Drehgestells kurzzeitig abhoben, wie die Bundespolizei mitteilte. Der 45-Jährige habe sofort eine Schnellbremsung eingeleitet und einen Notruf abgesetzt. Verletzt wurde niemand.
Den Angaben zufolge platzierten bislang unbekannte Täter die Betonplatten auf den Gleisen zwischen Westkreuz und Neuaubing. Die Bundespolizei stellte dort elf Betonplatten mit einer Größe von etwa 50 mal 40 Zentimetern sicher. Demnach wiegen die Platten je 20 Kilogramm und stammen von einer Kabelschachtabdeckung. Die Bahn der Linie S 8 fuhr mit rund 50 Kilometern pro Stunde stadtauswärts.
Die Fahrgäste seien von der Feuerwehr in Sicherheit gebracht und mit Bussen weitergefahren worden. Der Schaden am Triebfahrzeug betrage laut ersten Schätzungen der Deutschen Bahn etwa 10 000 Euro, teilte die Bundespolizei mit. Der Oberbau der Gleise sei nicht beschädigt worden.
Die Bahnstrecke zwischen Westkreuz und Freiham wurde knapp zweieinhalb Stunden lang gesperrt, teilweise fielen Züge aus. Trotz einer Fahndung mit einem Hubschrauber der Fliegerstaffel Oberschleißheim fehlt von den möglichen Tätern noch jede Spur, wie es hieß. Die Bundespolizei ermittelt wegen des Verdachts des gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr und sucht nach Zeugen.

Die Rücksichtslosigkeit der Attacke und die von den Tätern offenbar bewusst in Kauf genommenen Folgen – eine beinahe entgleiste S-Bahn mit 200 Fahrgästen, 17 von Verspätungen oder Teilausfällen betroffene Züge – legen den Verdacht nahe, dass es sich bei dem Vorfall um mehr handeln könnte als um bloßen Vandalismus. Denkbar wäre auch ein Anschlag oder ein Sabotageakt.
Noch in der Nacht schaltete die Bundespolizei deshalb das Staatsschutzkommissariat des Polizeipräsidiums München ein. Dieses stufte die Tat zunächst jedoch nicht als politisch motiviert ein. Ob es auch seitens der Staatsanwaltschaft bei dieser Einschätzung bleibe, werde sich im Laufe der Ermittlungen zeigen, hieß es bei der Bundespolizei auf Nachfrage.
Auf Bahnstrecken im Münchner Nordwesten hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder ähnliche Angriffe und Anschläge gegeben. Am 30. April 2018 brannte ein Kabelschacht an der Strecke zu einem Allacher Rüstungsbetrieb. Am 26. April 2021 setzten Unbekannte in Feldmoching einen Kabel führenden Schacht der DB Netz AG in Brand. Am 9. April 2025 wurde erneut eine Brandstiftung an der Bahnstrecke nach Allach begangen, wieder war ein Kabelschacht betroffen. Die Generalstaatsanwaltschaft München übernahm die Ermittlungen, weil der Verdacht auf einen extremistischen Anschlag besteht.
Am 4. Dezember vergangenen Jahres warfen Unbekannte nahe einer Gleisbrücke südlich der Max-Born-Straße eine Kabelschachtabdeckung aus Beton auf einen voll besetzten S-Bahn-Zug. Etwa 700 Fahrgäste mussten in einen Ersatzzug umsteigen.

