In der deutschen Nachkriegskunst wird Rudi Tröger als Ausnahmeerscheinung in Erinnerung bleiben. Zwischen Tradition und Moderne fand er zu einer eigenen, unverwechselbaren künstlerischen Haltung, die keine Rücksicht nahm auf die Trends des Kunstmarkts. Seine zurückhaltende, reflektierte Malerei inspirierte Generationen von Kunststudierenden an der Akademie der Künste. Am Dienstag ist der Münchner Kunsthochschullehrer im Alter von 96 Jahren gestorben.
Geboren wurde Rudi Tröger 1929 in Marktleuthen in Oberfranken. Schon mit 17 erhielt er den ersten Mal- und Zeichenunterricht vom Künstler Wilhelm Beindorf. 1967 wurde Tröger an der Akademie der Bildenden Künste in München – seiner eigenen Alma Mater – zum Professor berufen. Bis 1992 vermittelte er dort dem künstlerischen Nachwuchs Theorie und Praxis der Malerei.
Das Malen war ihm wichtiger als das Gemälde
„Er war einer der besten Lehrer, die man sich nur vorstellen kann“, sagt der Dachauer Maler Paul Havermann, einer seiner ehemaligen Schüler. Jedes Semester besuchte Tröger seine Studierenden in deren Ateliers, blieb oft stundenlang, analysierte ihre Arbeiten und gab praktische Ratschläge. Nur das Bewerben und Vermarkten der eigenen Kunst – das habe Tröger versäumt, ihnen beizubringen, sagt Havermann.
„Es war vor allem die Farbe, mit der er sich zeitlebens auseinandergesetzt hat.“ Schicht für Schicht trug Tröger die Lasuren auf und verlieh seinen Werken so ihre anziehende, transzendente Tiefe, immer wieder korrigierend, immer wieder erneut ansetzend. Der Prozess des Malens war ihm wichtiger als das fertige Bild.
So einzigartig Trögers Kunst ist, seine Motive erscheinen auf den ersten Blick unspektakulär. Porträts, Landschaften, Stillleben. Über die Jahrzehnte hinweg entwickelte er sie in enormer Vielfalt. Seine Malerei war eine stete Wandlung aus Farbe und Form. Eine Metamorphose, für die er sich Zeit nahm. Zu den durch Spontaneität geprägten neuen Strömungen wie dem Informel blieb er daher immer auf Distanz. Einflussreich waren für ihn Paul Cézanne, aber auch Adolf Hölzel, einer der frühen Dachauer Maler der Moderne.

Rudi Trögers Malerei vereint Gegenständlichkeit und Abstraktion, Expressivität und Realismus, stets durchzogen von einer leisen Melancholie. Motive für seine Kunst fand er in der unmittelbaren Umgebung seines Wohnorts bei Markt Indersdorf im Landkreis Dachau, aber auch im Münchner Umland, etwa für seine Badebilder. Im umgebauten Schulhaus von Westerholzhausen bei Markt Indersdorf hatte er sein Atelier eingerichtet. Ein Auto besaß er lange nicht. Der Professor fuhr mit dem Moped.
Verehrt von seinen Schülern und von einem kleinen Kreis von Kennern als künstlerisches Unikum bewundert, war er dem breiten Publikum anfangs kaum bekannt. Das sollte sich allerdings bald grundlegend ändern. Seine Gemälde wurden in namhaften Galerien und Museen ausgestellt, von München bis Berlin, von New York bis Sankt Petersburg. Welchen Rang er im süddeutschen Raum einnimmt, ist auch daran abzulesen, dass einige seiner großformatigen Gartenbilder im Hubertussaal von Schloss Nymphenburg als Dauerleihgaben ausgestellt sind. 1993 erhielt Rudi Tröger den Kunstpreis der Landeshauptstadt München und den Friedrich-Baur-Preis für Bildende Kunst, 2013 folgte der Kulturpreis Bayern für Malerei.
Zuletzt lebte Rudi Tröger zurückgezogen in seinem Haus in Westerholzhausen, gesundheitlich schwer angeschlagen und seelisch erschüttert vom Tod seiner Frau. Die letzten Jahre rührte Rudi Tröger keinen Pinsel mehr an. Nun ist der stille Maler vollends verstummt.

