Was für eine Aussicht! Rechts erheben sich die Türme der Kirche am Gotzinger Platz, links der Alte Peter, und vorne, ganz hinten, ziehen sich die Berge durchs Panorama. Dazwischen: nichts als Dächer, manche spitz, manche flach, manche mit Fenster, manche ohne. „Wie ein kleiner Kurzurlaub“ fühle sich der Aufenthalt in seiner Bar an, sagt Inhaber Johannes Eckelmann. Und ausnahmsweise muss man diesem Marketinggequatsche zustimmen. Gerade eben noch stand man im Verkehrslärm auf der Lindwurmstraße. Und jetzt, eine Aufzugfahrt später: Ruhe. Und diese Aussicht.
Im „Freischwimmer“, Münchens neuer Rooftop Bar auf dem Dach des Cocoon Hotels in der Lindwurmstraße, scheint es, als sei der ewige Sommer eingezogen. Palmen, Liegestühle, der Blick über die Stadt – und überall Schwimmbadmotive. Die Theke mit dem Schriftzug „Nicht vom Beckenrand springen“ ist blau gekachelt, Schaukeln hängen von der Decke herab.
Vieles hier erinnert an die Zeit, die man als Jugendlicher im Freibad verbracht hat. Das ist kein Zufall: Ursprünglich wollte der ehemalige Leistungsschwimmer Eckelmann einen Pool auf das Dach des Hotels setzen. Weil die Statiker Bedenken anmeldeten, ist die Umsetzung gestorben. Die Idee aber ist geblieben und wurde sozusagen trockengelegt.


Das bedeutet aber nicht, dass mal als Gast auf dem Trockenen sitzen muss. Die Getränkekarte im Freischwimmer ist bewusst kleingehalten, auch hier dreht sich alles ums Schwimmen: So gibt es etwa den Sex on the Pool (14 Euro), der mit Wodka, Pfirsichlikör, Ananas- und Orangensaft und Grenadine gemixt wird. Die Spezialität des Hauses ist der Freischwimmer aus Tequila, Blue Curacao, Kokossirup und Limette (14 Euro). Auch für eine angemessene Weinauswahl hat der Pfälzer Eckelmann gesorgt.
Obendrein gibt es Drinks ohne Alkohol und Proteinshakes. Viele Gäste kommen nach der Arbeit oder aus dem Fitnessstudio, da muss es nicht immer Alkohol sein. Am Wochenende bieten Eckelmann und seine Mitarbeiter außerdem Frühstück an. Und weiter unten im Hotels gibt es eine Pinsa Bar, in der man sich vor oder nach dem Ausflug aufs Dach stärken kann.

Wegen des wirklich genialen Blicks, den man über die Stadt hat, und des Instagram-tauglichen Interieurs ist der Freischwimmer seit seiner Eröffnung im Juni fast jeden Tag voll. Reservieren kann man nur für größere Gruppen, manchmal muss man deshalb am Eingang ein bisschen warten. „Wir haben bislang aber jede und jeden untergebracht“, sagt Eckelmann. Etwa 40 Sitzplätze gibt es. Neben den Tischen gibt es auch eine Empore. Wer in Kontakt mit anderen Gästen kommen möchte, ist dort richtig. Schließlich lässt sich dort leichter ein Gespräch unter Fremden einfädeln.
„Viele stehen aber auch gerne“, berichtet Eckelmann. Und tatsächlich lohnt es sich, von der einen Seite auf die andere zu wandern. Hier blickt man auf die Berge, dort auf die Spitze des Rathauses. Und bei dieser Aussicht und den ganzen Freibadgefühlen fühlt man sich im Freischwimmer tatsächlich weniger im Zentrum einer Millionenmetropole. Sondern eher wie im Kurzurlaub.
Freischwimmer, Lindwurmstraße 37, 80337 München, Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 16–0 Uhr, Freitag und Samstag 8–12 Uhr und 16–1 Uhr, Sonntag 8–12 Uhr und 16–0 Uhr.
