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Rodeln in München:"Das Ding kannst du halt nicht kontrollieren, da bist du nur Passagier"

Sport Bilder des Tages Koenigssee, Deutschland 02. Januar 2021: Eberspaecher Rennrodel-Weltcup - Koenigssee - Samstag -

Rodel-Olympiasieger Felix Loch findet Schlittenhügel noch immer spannend. "Es ist faszinierend zu sehen, wie schnell die Kinder lernen."

(Foto: imago images/Fotostand)

Snow-Tubes, Plastik-Lenkbobs oder doch lieber der klassische Holzschlitten? Olympiasieger Felix Loch gibt Rodeltipps für den Schlittenberg.

Von Philipp Crone

Auf 145 Stundenkilometer wie Felix Loch im Eiskanal kommt man an so einem Babyhügel in München natürlich nicht. Aber im Prinzip geht es auf der Eispiste und beim Wochenendausflug auf dem braunschlammigen Band am Monopteros ums Gleiche: möglichst heil runterkommen, und dann noch schnell. Loch ist derzeit in Sigulda in Lettland, es geht um die Europameisterschaft, die der dreifache Rodel-Olympiasieger einen Tag nach diesem Telefonat auch prompt zum dritten Mal gewinnt. Die erste Frage beim Telefonat: Welches Material braucht man?

Reifen, diese gefährlichen Dinger, auf Neudeutsch Snow-Tubes, "muss ich zu meiner Schande sagen, haben wir früher auch benutzt, aber die sind schon wirklich saugefährlich". Die könne man nur bei einer ausreichenden Auslaufzone nutzen und wenn man alleine unterwegs sei. "Das Ding kannst du halt nicht kontrollieren, da bist du nur Passagier." Beim Schlittenfahren, egal mit welchem, sind zunächst die Schuhe entscheidend, "feste hohe Schuhe". Mit einem klassischen Holzschlitten könne man sehr gut auch mit Kindern fahren. "Die Plastik-Lenkbobs finde ich hingegen schwierig." Ein Kind tue sich da einfach schwer, und dann "schaukelt sich das schnell auf". Da könne es wie beim Motorrad auch mal einen saublöden Abgang geben. Kinder brauchen einen Schlitten, auf dem man die Füße gut runterbringt. "Man muss gut bremsen oder ausweichen können, gerade wenn viel los ist."

In der Stadt sei das größte Problem der fehlende Auslauf. Am besten ist ein Gegenhang. Wenn man die Kontrolle verliert, was macht man dann? Füße runter, sagt Loch, und den Schlitten sehr gut festhalten. "Das ist wie bei uns auf der Bahn, wenn da was passiert, müssen wir den Schlitten im besten Fall auch gut festhalten, denn das wird fast ein Geschoss." Nicht derjenige, der die Kontrolle verliert, ist in der größten Gefahr, sondern diejenigen, die unvermittelt getroffen werden.

Kinder, der 31-Jährige Loch hat selbst zwei Söhne, wollen immer noch einmal, auch wenn die Koordination schnell nachlasse. Da müsse man rechtzeitig die letzte Abfahrt ansagen. Loch muss am Freitag gleich zur Rodelbahn, noch kurz: Zurücklehnen oder nach vorne beugen? "Beim Zurücklehnen wird man halt schneller, zum Bremsen sollte man sich aufrecht hinsetzen." Auch ein Europameister findet Schlittenhügel noch immer spannend. Er sagt: "Es ist doch faszinierend zu sehen, wie schnell die Kinder lernen."

© SZ vom 11.01.2021
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