Ein Butterfly-Messer in einer Süßigkeitenverpackung und Spielzeugsoldaten: Auf dem Tisch in dem Atelier der Akademie der Bildenden Künste in München liegt ein bunter Haufen Chaos. Ein Kontrast aus Spiel und Ernst, „wie ein Witz, der superschnell intim wird“, sagt Roby Haak, 22, und lacht. Was spielerisch wirkt, ist eigentlich ein tiefer Einblick in die Themen, die Roby beschäftigen: die Verschmelzung aus Persönlichem und Politischem, aber auch die Auseinandersetzung mit Geschlechtsidentitäten.
„Früher in der Schule saß ich häufiger mal abseits von den anderen Kindern und zeichnete vor mich hin“, sagt Roby. Denn beim Zeichnen konnten alle wirren Gefühle und Gedanken einfach raus, ohne den Druck eindeutig und präzise sein zu müssen. „Mir fiel es damals schwer, Dinge konkret auszudrücken“, sagt Roby. Durch die Kunst versteht Roby, dass man das nicht immer muss. Dass auch wirre Gefühle einen Raum bekommen dürfen.
Diesen Raum wollte Roby auch anderen Menschen zugänglich machen: Mit 17 Jahren gab Roby gemeinsam mit befreundeten Künstlern einen Kunst-Workshop für sozial benachteiligte Kinder. „Kunst muss nicht schwer sein. Sie ist ein Kommunikationswerkzeug. Die Kinder haben beispielsweise Sachen gemalt, die sie belasteten. Aber auch witzig Banales.“ Heute studiert Roby Kunstpädagogik.



Auch Roby arbeitet mithilfe von Kunst eigene Kinder- und Jugenderfahrungen auf. Dabei entstehen Werke in den verschiedensten Formen und Formaten: von Malereien, bis hin zu Skulpturen und Video-Animationen. „Es ist persönlich und politisch. Ich schaue aus einer heutigen nicht-binären Perspektive auf das, was mir mein Umfeld damals vermittelte“, sagt Roby und meint insbesondere damit Geschlechternormen. Dabei entstehen Werke, die mit Kontrasten spielen.
Wie die eingeschmolzenen Spielzeugsoldaten. „Teil einer männlichen Sozialisierung ist auch die Vermittlung einer gewissen Faszination für Gewalt. Und obwohl ich eine riesige Angst vor Krieg hab, zieht mich die Ästhetik dahinter immer noch an“, sagt Roby. Der Moment, in dem man spürt, dass sich etwas beißt, reizt Roby besonders. Der Moment, wenn etwas abstoßend und anziehend zugleich sein kann. Auch eine Video-Animation widmete Roby diesem inneren Zwiespalt.
„Ein Butt-Plug ist das nicht-binärste Ding überhaupt“, sagt Roby und hält das selbst gemachte rosa Sexspielzeug hoch. Darauf ist Robys Gesicht abgebildet. Es spielt auf den Kontrast zwischen anerzogener und selbstbestimmter Sexualität an. Dass das zunächst irritierend ist, weiß Roby. „Aber nachdem man irritiert wurde, versucht man sich zurechtzufinden. Und sortiert und reflektiert sich dabei neu“, sagt Roby und grinst.

