In einem mehrfach preisgekrönten Gebäude mit schönen, begrünten Hinterhöfen zu arbeiten, das ist nur wenigen Künstlern vergönnt. Im nächsten Jahr könnte aber genau das passieren: wenn die ehemalige Rischart-Backstube in der Buttermelcherstraße 16 in München vielleicht zur kulturellen Zwischennutzung freigegeben wird. Wobei man sagen muss: Das mit den Preisen, das ist 40 Jahre her. Seit Anfang des Jahres steht die Backstube leer, weil Rischart auf die Theresienhöhe umgezogen ist. Das mehr als 3000 Quadratmeter große Areal wurde 2022 von der Stadt gekauft, mit dem Plan, dort rund 100 Wohnungen zu errichten.
Zuvor, so sagte es Oberbürgermeister Dieter Reiter, könnten dort aber die heimatlose Rathausgalerie, später auch noch das Fat Cat und vielleicht noch „andere kulturelle Projekte“ einziehen. „Ich kann mir keine bessere Location für eine kulturelle Zwischennutzung vorstellen“, so Reiter im Originalton. Und natürlich kann man sich fragen, ob das wirklich stimmt. Nun, Platz wäre. Denn nicht nur die Backstube steht leer, sondern auch die ehemaligen Büros und Bäckerwohnungen darüber, die sich auf vier Stockwerke erstrecken. Und eine Tiefgarage gibt es auch.
Dass man in der Backstube im Erdgeschoss Kunst her- und ausstellen kann, das war von März bis April beim 16. „RischArt“-Projekt zu erleben. Da waren in den teilweise recht verwinkelten Back-, Kühl- und Büroräumen Kunstwerke zu sehen. Etwa im riesigen Mittelraum mit den alten Öfen, der mit seinen großen Fenstern an ein Gewächshaus erinnert und der Rathausgalerie nicht unähnlich ist. Sehr licht sind auch andere Backräume, für die Kühlräume gilt das eher nicht. Aber da fände sich vielleicht eine andere Funktion.
Was den Zustand des Hauses betrifft? Nun, da hieß es schon im Frühjahr, dass „wohl die Heizanlage nicht gut funktioniert“ und außerdem „ein Wasserschaden vorhanden“ wäre. Denn tatsächlich ist es so, dass bereits mehrere Künstler und Stadträte dieselbe Idee und einen Antrag auf Prüfung des Gebäudes gestellt hatten. Das Ergebnis damals: Der Investitionsbedarf sei zu hoch. So berichtet es Gabi Blum, die beim 16. „RischArt“-Projekt mit ausgestellt hat. Ihre eigene Einschätzung des Gebäudes: „Also ich find’s ein richtig geiles Ding.“ Oder konkreter: Dass die Rathausgalerie in die Backräume einzieht, kann sich Gabi Blum sehr gut vorstellen. Aber auch zum Arbeiten fand sie die Räume „sehr, sehr angenehm“.

Im Gegensatz zu den Besuchern konnte sie damals auch die Büro- und Wohnräume besichtigen. Ihr Eindruck: „Die sind eigentlich in einem Super-Zustand.“ Ein bisschen lüften müsste man. Und was die Mängel in der Backstube betrifft: Da wurden, sagt sie, bereits vor der Ausstellung viele beseitigt. „Die haben Löcher im Boden und Abflussrohre zugemacht.“ Ihr Resümee: „Da könnte man ein richtig gutes Atelierhaus daraus machen.“ Eine Eignung für Proberäume oder Bühnen sieht sie wegen der engen Bebauung eher nicht. Außer vielleicht in der Tiefgarage. Dort unten war sie aber nicht. Und sonst wäre ihr Wunsch, dass es „schon früher losgehen“ kann, noch bevor das Fat Cat im kommenden Herbst aus dem Gasteig auszieht. Denn die Räume werden durch das Warten „ja nicht besser“.

