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Riemer See:Abends Partyzone, morgens Müllmeile

Riemer See

Der Riemer See an einem warmen Sommertag: Und nach den Badegästen kommen die Feiernden.

(Foto: imago images/Sven Simon)

Auch nach Sonnenuntergang lässt der Ansturm nicht nach. Zurück bleiben überquellende Mülleimer und über die Wiesen verstreuter Abfall. Der Bezirksausschuss will das nicht länger mitansehen.

Von Ilona Gerdom

Hip-Hop, Rap, Techno, Charts - wer an warmen Tagen die breite, asphaltierte Straße am Nordufer des Riemer Sees entlang geht, kommt in den Genuss jeder erdenklichen Musikrichtung. Alle paar Meter schallen andere Bässe aus tragbaren Boxen, die vor allem Jugendliche dabeihaben. Es kommt einem vor, als wäre man auf einer kleinen Partymeile gelandet. Der Badesee in der Messestadt Riem erscheint wie ein Ort aus der Zeit vor Corona. In Gruppen stehen und liegen junge Menschen in Bikinis und Badehosen beieinander. Es wird viel gelacht, geratscht, geraucht und getrunken - oft bis in die Nacht hinein. Was vom bunten Gewusel im Riemer Park bleibt, ist vor allem Müll. Das sorgt bei anderen Besuchern und Anwohnern für Ärger. Auch der Bezirksausschuss (BA) Trudering-Riem ist darauf aufmerksam geworden. Nun versucht man, gegen das Abfall-Problem vorzugehen.

Es ist der Morgen danach. Um 9.30 Uhr liegt die Oberfläche des Sees still da. Die Sonne schimmert auf dem türkisblauen Wasser. Um diese Zeit sind nur wenige in dem Park unterwegs, der 2005 zur Bundesgartenschau eröffnet worden ist. Ein paar Jogger laufen ihre Runden, Frühschwimmer machen sich bereit. Aber nicht alle sind zum Vergnügen hier. Am östlichen Ufer des Sees stehen einige Pritschenwagen. Die Ladeflächen der Transporter sind schon vormittags beladen mit Mülltüten. Auf der Liegewiese sind mehrere Männer unterwegs. In der einen Hand halten sie eine Greifzange und in der anderen einen Plastikbeutel, in den sie leere Chipstüten, Tetrapacks und Plastikflaschen stopfen. Einer von ihnen berichtet, sie seien schon seit 7 Uhr unterwegs. Angestellt sei er bei einer privaten Reinigungsfirma.

Müll am Riemer See

Ist der Behälter schon randvoll, stellen manche ihren Müll halt daneben ab. An anderen Stellen im Riemer Park wiederum bleiben die Hinterlassenschaften einfach auf den Wiesen liegen.

(Foto: Privat)

Schon seit vielen Jahren arbeitet die Stadt in Sachen Abfall mit solchen Firmen zusammen. Zuständig für die Reinigung von städtischen Grünanlagen und des Isarufers ist in München die Abteilung Gartenbau des Baureferats. Derzeit werde im Riemer Park drei Mal pro Woche, am Montag, Donnerstag und Samstag gereinigt, so die Pressestelle. In der Badesaison kommen außerdem täglich Teams, um die Liegewiesen zu säubern. Trotzdem ist das Müllaufkommen enorm. Michael Stadler, Vorsitzender der Wasserwacht Riem, führt das gerade in diesem Jahr auch auf Corona zurück. Der Riemer See werde zunehmend von "Feierwütigen" genutzt. Deshalb starte man zweimal im Jahr mit Mitgliedern und Freiwilligen eine Putzaktion.

Im Bezirksausschuss ist der Schmutz ebenfalls längst Thema. Dort macht man für vor allem Jugendliche dafür verantwortlich. Dabei sucht man die Schuld bei denen, die nicht im eigenen Stadtteil wohnen. Durch die öffentliche Anbindung über U-Bahn und Bus sei der Riemer Park ein beliebtes Ausflugsziel.

An den Ufern gibt es nicht nur große Abfalltonnen, sondern auch normale Mülleimer. Sie stehen am Wegrand, neben Bänken und auf dem Rasen. Doch sie sind so überfüllt, dass sich Verpackungen stapeln, bis sie herausfallen. Daneben stehen volle Tüten, die Besucher dort abgestellt haben. Das ist unansehnlich, aber eine gute Beute für Krähen. Immer wieder zerren die Vögel Pappbecher oder Keksschachteln aus den Behältern und verteilen sie auf den Grünflächen. Um den Vögeln die Quelle zu verstopfen, fordert der BA, geschlossene Abfalleimer aufzustellen. Insgesamt sollen mehr Entsorgungsmöglichkeiten geboten werden.

Darüber hinaus hat das Stadtteilgremium eine lange Liste zur Verbesserung der Lage zusammengestellt. Vor allem müsse man dafür sorgen, dass die Badegäste ihre Hinterlassenschaften eigenständig entsorgen. Dabei jedoch, so Frank Eßmann (CSU), sollte man darauf achten, alle miteinzubinden. Denn es gebe bereits gut funktionierende Strukturen im Park. Zum Beispiel ist das soziale Netzwerk "Regsam" dort sehr aktiv.

Andere Punkte im Katalog sind, Parkverbote für Autos durchzusetzen, Sitzstangen für Greifvögel aufzustellen und das ökologische Auffangbecken am Westufer zu schützen - besonders vor Hunden. Dazu hat der Unterrauschuss Umwelt, Energie und Klimaschutz sich bereits mit Vertreterinnen und Vertretern aus dem Baureferat getroffen. Ein weiterer Ortstermin, bei dem es um das soziale Miteinander - also Lärm, Konflikte und den Sicherheitsdienst - gehen wird, soll noch vereinbart werden. Wie man künftig vorgeht, entscheidet sich voraussichtlich in einer der kommenden Sitzungen des Bezirksausschusses. Bis dahin dürfte sich das Problem jedenfalls nicht von selbst lösen. Gerade in den Sommerferien wird der See ein beliebter Treffpunkt bleiben. Erst einmal läuft es weiter wie bisher: Abends wird gefeiert, und morgens ziehen die Müllwagen ihre Kreise.

© SZ vom 07.08.2020/syn
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