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Coronavirus in München:Bis auf den Impfstoff ist alles da

Coronavirus - Impfzentrum München

OB Dieter Reiter (SPD, links) und Ministerpräsident Markus Söder (CSU), bevor sich dieser in Quarantäne begab, bei der Besichtigung des neu eingerichteten Impfzentrums in der Messe München.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

In der Messehalle C3 sollen bald bis zu 8000 Menschen täglich immunisiert werden. Für jeden einzelnen ist eine Anmeldung nötig.

Von Ekaterina Kel

Die Messe in Riem verwandelt sich in einen zentralen Ort der Pandemiebekämpfung. Nach der Halle C2, in der die Stadt die Kontaktnachverfolgung mit mehreren Hundert Mitarbeitern gebündelt hat, wurde nun auch die Halle C3 umgewidmet. Seit vergangener Woche steht dort ein fertiges Impfzentrum bereit. Diesen Montag wurde es der Öffentlichkeit präsentiert. In der riesigen Halle mit mehr als ausreichend Platz zum Abstandhalten sollen Münchner schon bald gegen das Coronavirus geimpft werden. Die Aussicht darauf sei wie ein "kleiner Lichtblick", sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU).

Der Lichtblick ist da, die Logistik auch, wie Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek (SPD) bei der Besichtigung des neuen Zentrums erklärten. Was noch fehlt, sind genügend Impfdosen. Da die erste Lieferung des Impfstoffs von Biontech und Pfizer, dessen Zulassung die Europäische Arzneimittelbehörde am Montag empfohlen hat, knapp ausfallen wird, können nicht alle gefährdeten Bevölkerungsgruppen gleichzeitig drankommen.

Zur genauen Menge gibt es außerdem unterschiedliche Angaben. So spricht die Stadt München von etwa 90 000 Impfdosen, die sie in der ersten Auslieferung bekommen soll. Dies reiche für 45 000 Menschen, da im Abstand von drei Wochen zweimal geimpft werden muss. Söder sprach im Impfzentrum jedoch von 40 000 bis 60 000 Impfdosen, die Bayern insgesamt vorerst bekommen werde. Deutlich weniger, als der OB angab.

Zu diesem Zeitpunkt scheint noch niemand genau zu wissen, wie viel im ersten Schritt geliefert wird. Nur so viel: "Wir nehmen, was kommt", so Söder. Doch selbst wenn der Bund noch mehr Dosen bestellen würde, hieße das nicht, dass diese gleich verfügbar seien, sagte er. Der Impfstoff müsse ja auch produziert werden. Deshalb bat er die Bevölkerung um Geduld. Für den Ministerpräsidenten war es der vorerst letzte öffentliche Auftritt - am Montagnachmittag musste er sich in Quarantäne begeben, weil sein Staatskanzlei-Chef Florian Herrmann positiv getestet worden war.

Wegen der knappen Menge des Impfstoffs ist die Stadt gezwungen, innerhalb der ersten Prioritätskategorie noch einmal zu priorisieren. Als allererstes kommen die Bewohner sowie das Personal der Alten- und Pflegeheime der Stadt dran. Zunächst sollen die mobilen Impfteams, aufgestellt von der Aicher Ambulanz und dem Rettungsdienst MKT, in der Stadt ausschwärmen und in den jeweiligen Heimen direkt impfen.

Coronavirus - Impfzentrum München

Letzte Vorbereitungen: Ein Arzt und ein Mitarbeiter des Rettungsdienstes ziehen in einer Kabine Schutzkleidung an.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

Ein Team, bestehend aus einem Arzt, einem medizinischen Fachangestellten und einer Verwaltungskraft, kann dabei bis zu 30 Personen am Tag impfen. Insgesamt können bis zu 20 mobile Impfteams unterwegs sein. Sie rechne damit, dass die etwa 30 000 Bewohner und Mitarbeiter von Pflegeheimen mit der ersten Auslieferung geimpft werden können, sagte Zurek. Losgehen soll es am 27. Dezember. Man sei mit den Heimen schon in Kontakt. Welches Heim zuerst angesteuert wird, sei aber noch unklar.

"Wir sind im Prinzip bereit, dass die Impfungen bei uns beginnen können", sagte Siegfried Benker, Geschäftsführer der Münchenstift auf Nachfrage der SZ. Das Unternehmen betreibt einen großen Teil der Heimplätze in der Stadt. Man habe dem Gesundheitsamt bereits gemeldet, wie viele Personen sich maximal impfen lassen würden, und allen Bewohnern und ihren Angehörigen Einverständniserklärungen der Stadt weitergeleitet. "Wir sammeln sie gerade wieder ein", so Benker. Auch Räume zum Impfen seien in allen Heimen bereits gefunden worden.

Wer über 80 ist und daheim wohnt, bekommt eine Einladung

Parallel dazu werden alle über 80-jährigen Münchner, die nicht in Pflegeheimen leben, demnächst Post von der Stadt erhalten - mit der Einladung zur Impfung in Riem. Den Termin werden sie individuell vereinbaren können, über eine Hotline oder online. Er hoffe darauf, dass möglichst viele von den zu Hause lebenden über 80-Jährigen selbst zur Messehalle kommen oder von ihren Angehörigen hierher gebracht werden können, sagte OB Reiter. Der Rest könne über Taxifahrten, die man bei der Krankenkasse einreichen könne, geregelt werden. Grundsätzlich gelte: "Niemand kommt ohne Termin hier rein." Man solle erst das Schreiben abwarten und einen Termin vereinbaren, so Reiter.

Die Halle C3 wird also erst mal leer bleiben. Theoretisch können dort im aktuellen Aufbau bis zu 2000 Menschen täglich geimpft werden, in der Erweiterung sogar bis zu 8000. Bis genügend Impfstoff da ist und die Termine vereinbart sind, dürfte noch ein wenig Zeit vergehen. Die ersten Impfungen in der Messe werden laut Stadt voraussichtlich Ende Januar oder Anfang Februar starten.

Neben alten Menschen gehört auch medizinisches Personal in Notaufnahmen und auf Corona-Stationen, im Rettungsdienst und in ambulanten Pflegediensten zu der höchsten Prioritätsgruppe. Insgesamt schätzt München die Gruppe auf ungefähr 120 000 Menschen. Zusammen mit den weiteren bevorrechtigen Gruppen wie Menschen mit Vorerkrankungen schätzt sie die Zahl auf 670 000. Für die breite Bevölkerung wird es sich also noch viele weitere Monate hinziehen.

Derweil hat die Stadt angesichts der hohen Inzidenzwerte, am Wochenende über 300, an diesem Montag bei 294, eine weitere Maßnahme beschlossen: Ab Dienstag müssen Besucher von Altenheimen und Behinderteneinrichtungen einen tagesaktuellen negativen Antigen-Schnelltest oder einen negativen, maximal 48 Stunden alten PCR-Test vorlegen. Dies gilt auch über die Feiertage. Dass die Maßnahme nötig ist, zeigen aktuelle Zahlen: Von 8100 Heimbewohnern leben laut Stadt 5193 in Heimen, die von Ausbrüchen betroffen sind. 150 von ihnen sind Corona-positiv. In den vergangenen sieben Tagen sind 32 Bewohner im Heim und acht Bewohner im Krankenhaus an Covid-19 verstorben.

© SZ vom 22.12.2020/van/syn
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