VerkehrSind Baustellen ein Problem für Rettungsfahrzeuge?

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Verengte Fahrbahnen, gesperrte Straßen: Die Rettungsdienste müssen in München teilweise unter erschwerten Bedingungen zu ihren Einsätzen fahren (Archivbild).
Verengte Fahrbahnen, gesperrte Straßen: Die Rettungsdienste müssen in München teilweise unter erschwerten Bedingungen zu ihren Einsätzen fahren (Archivbild).
Foto: Alessandra Schellnegger
  • Baustellen in München können die Anfahrtszeiten von Rettungsdiensten um mehrere Minuten verlängern, besonders bei Brücken- und Bahnunterführungssperrungen.
  • Die Stadt stimmt größere Baumaßnahmen mit Feuerwehr und Polizei ab, um die Einhaltung von Rettungsfristen sicherzustellen.
  • Bei Verzögerungen durch Baustellen sind Erste-Hilfe-Maßnahmen von Ersthelfern besonders wichtig, da jede Minute bei Notfällen entscheidend sein kann.
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Die vielen Bauvorhaben in München können zu längeren Anfahrtszeiten für Rettungsdienste führen. Wie gefährlich Verzögerungen sind – und mit welchen Mitteln Retter Baustellen umgehen.

Von Andreas Schubert

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Die CSU hat in München vor Kurzem davor gewarnt, dass beim geplanten Neubau der Thalkirchner Brücke Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdiensten zu große Umwege mit zu großem Zeitverlust hinnehmen müssten – und das zwei Jahre lang. Auch aus anderen Fraktionen kommt deshalb die Forderung, während der Bauarbeiten eine Behelfsbrücke aufzustellen. Doch wie kommen die Retter eigentlich mit den zahllosen anderen Baustellen in der Stadt zurecht?

Das hängt davon ab, wie groß ein Projekt ist und wie ausgeprägt die Umwege tatsächlich werden. Einen Stadtteil, der besonders von Verkehrsbehinderungen durch Baustellen betroffen ist, nennen Rettungsdienste und Feuerwehr nicht. Die Johanniter-Unfall-Hilfe aber sieht in der Sperrung von Brücken tatsächlich ein Problem. „Kritisch sind für uns immer Sperrungen von Bahnunterführungen oder Brücken über Bahngleise oder die Isar, da die Umwege in solchen Fällen meist erheblich sind“, teilt Johanniter-Sprecher Gerhard Bieber mit.

Zum Beispiel in der Boschetsrieder Straße, die derzeit wegen Bauarbeiten nur als Einbahnstraße in Richtung Osten befahrbar ist, sehe man deutliche Auswirkungen, insbesondere für das in Obersendling stationierte Rettungsteam. Es gebe dort nur wenige Alternativen, die Bahnstrecke zu queren, weshalb erhebliche Umwege in Kauf genommen werden müssten.

Generell gelte: Baustellen können Verkehrsabläufe verzögern, das wirke sich auch auf die Anfahrtszeiten zu Einsatzorten aus. „Bei erheblichen Verzögerungen müssen unsere Einsatzkräfte innerhalb von Sekunden entscheiden, welche alternativen Anfahrtswege sie nutzen“, so Bieber. Informationen aus der Integrierten Leitstelle oder von speziellen Navigationssystemen unterstützten sie dabei. „Baustellen verändern sich mitunter jedoch mehrmals täglich, sodass letztlich immer aufgrund der Situation vor Ort entschieden werden muss, nötige Umwege können einige Minuten Verzögerung bedeuten.“

Das bestätigt auch der Kreisverband München des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). Eine pauschale Aussage darüber, um wie viele Minuten sich Einsatzfahrten durch Baustellen in München verlängern können, sei allerdings nicht möglich. „Das hängt stark von der jeweiligen Verkehrssituation, dem Einsatzort, der Tageszeit und den vorhandenen Ausweichmöglichkeiten ab“, sagt BRK-Sprecherin Andrea Frauscher.

Auch Baustellen in Fußgängerzonen können zum Problem werden

Die Münchner Branddirektion erklärt, Beeinträchtigungen könnten sehr unterschiedlich ausfallen. „Bei Rückstaus infolge von Baumaßnahmen ermöglichen uns die Sonder- und Wegerechte in der Regel ein zügigeres Vorankommen“, teilt Sprecher Tobias Reuther mit. Bei Einsätzen in Baustellenbereichen räumten die Retter die Absperrungen schon mal zur Seite. In besonderen Fällen und sofern erforderlich, schafften die Baufirmen auch Überfahrmöglichkeiten, beispielsweise durch Stahlplatten über Gräben oder Baugruben, dadurch werde sichergestellt, dass Feuerwehrzufahrten weiterhin nutzbar blieben.

Fälle, in denen Menschenleben wegen Staus jemals besonders gefährdet waren, sind der Feuerwehr dem eigenen Bekunden nach bislang nicht bekannt. Falls Einsatzfahrzeuge im dichten Verkehr nicht schnell genug vorankommen, stünden sie in Kontakt mit der Integrierten Leitstelle. Diese könne dann günstiger gelegene Einsatzkräfte alarmieren. „Eine große Herausforderung war beispielsweise die Sperrung des Luise-Kiesselbach-Tunnels im Juli dieses Jahres“, sagt Reuther. Bereits vorab sei daher eine Befahrung des Baustellenbereichs mit Einsatzfahrzeugen abgestimmt worden.

Wenn eine Straße spontan wegen eines Unfalls oder einer Überschwemmung gesperrt werden muss, informiert die Integrierte Leitstelle die betroffenen Einsatzkräfte bereits während der Anfahrt über die veränderte Situation.

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Die Stadt genehmigt Baustellen, die sich auf den Verkehr auswirken, nicht ohne Absprache mit Feuerwehr und Polizei, manchmal müssen sich auch die Bauherren mit den Rettern abstimmen. Bei besonders großen Maßnahmen wie Tunnel- und Brückenbaustellen gehe es zum Beispiel oft um die generelle Einhaltung von Rettungsfristen, teilt das Mobilitätsreferat (MOR) mit. Bei Straßen- und Gleisarbeiten gebe es oft Bauphasen, für die die Erreichbarkeit einzelner Anwesen vorab geklärt werde.

Aber auch Baustellen in Fußgängerzonen hätten schon Abstimmungen mit Feuerwehr und Polizei notwendig gemacht, so MOR-Sprecherin Franziska Hartmann. „Selbst wenn der Straßenraum sehr breit erscheint, ist zum Beispiel immer wieder zu klären, ob die Durchfahrtsbreiten für die Rettungsdienste zwischen Lampen und Bauzäunen ausreichen oder die verbliebenen Flächen für den Fußverkehr ausreichen, insbesondere wenn zum Beispiel besondere Veranstaltungen stattfinden.“

Das BRK sieht weniger einzelne Baustellen aufgrund ihrer baulichen Enge als Problem, als vielmehr die Kombination aus Baustellen, Sperrungen, erhöhtem Verkehrsaufkommen, Staus und gegebenenfalls zusätzlichen Behinderungen durch falsch abgestellte Fahrzeuge. Oft stünden Falschparker den Einsatzkräften aber nicht im Weg, sagt die Feuerwehr. Wenn eine Straße aus genannten Gründen dicht ist, hilft nur, die Engstelle zu umfahren.

Doch auch Ersthelfer an Ort und Stelle seien gefragt. „Jede Verzögerung – ob durch eine Baustelle, einen Stau oder durch eine fehlende Rettungsgasse – kann bei medizinischen Notfällen das Eintreffen der Rettungskräfte verzögern und damit das Risiko für Betroffene erhöhen“, sagt Johanniter-Sprecher Bieber. Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand etwa sinke die Überlebenschance ohne Wiederbelebungsmaßnahmen pro Minute erheblich. Deshalb seien Erste-Hilfe-Maßnahmen wie eine Herz-Lungen-Wiederbelebung und der Einsatz eines automatischen externen Defibrillators bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes von zentraler Bedeutung.

Und wenn die Retter knapp vor dem Ziel stecken bleiben und die Zeit knapp wird? „Zur Not wird der letzte Teil des Weges zu Fuß zurückgelegt“, sagt Gerhard Bieber.

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