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Restaurant Lonely Broccoli:Große Momente für Fleischliebhaber

Von vielen Plätzen aus kann man die Köche beobachten, etwa wie Martin Lahn am 700 Grad heißen Josper-Grill mit Fleisch hantiert.

(Foto: Stephan Rumpf)

Gegrillt, geschmort, gebacken: Wer nicht von pflanzlichen Zutaten abgelenkt werden möchte, ist im "Lonely Broccoli" richtig.

Ein bisschen einsam müssen sich die gerösteten Brokkoli-Strünke im "Lonely Broccoli", dem Restaurant des Hotels Andaz in Nordschwabing, schon vorkommen, denn eigentlich ist das Lokal ganz dem Genuss von Fleisch gewidmet. Wer will, kann hier Kiloportionen von Fleisch verzehren, ohne von etwas Pflanzlichem behelligt zu werden. Auch Fisch wirkt im feinen Design-Ambiente des neuen Luxus-Hotels sehr fremd und sehr einsam.

Auf der Dauerkarte ist unter den vielen Grillangeboten gerade mal ein einziges Fischgericht notiert. Wer also von der Broccoli-Küche europäische oder internationale Vielfalt erwartet, wird in jedem Fall enttäuscht sein. Wer sich aber auf die Besonderheiten des Lokals einlässt und mit "Fleisch, Fleisch, Fleisch" zufrieden ist, kann schöne bis große Momente erleben.

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Der Koch des Broccoli hat bei der Eröffnung angekündigt, dass in seiner Küche "das ganze Tier", also nicht nur bestimmte Muskelpartien verarbeitet werden. Eine schrille Behauptung, denn auf der mit Rindfleisch prunkenden Karte sucht man so beliebte Köstlichkeiten wie Kalbsbries oder Kalbsleber vergeblich, von anderen Innereien ganz zu schweigen. Lediglich mit dem, was den Tierkörper außen umgibt, scheinen sich die Grillmeister anfreunden zu können. So stellen sie aus kleinen Würfeln von Schweinehaut eine popcornartige Masse her, die leicht karamellisiert, knusprig ausgebacken und zu waffelartigen Formen zusammengepresst wird: "TLB Popcorn" schmeckt neutral gefällig, jedenfalls gar nicht mehr nach Tier, und beweist, dass sich Popcorn notfalls auch aus Fleisch herstellen lässt.

Die zweite Vorspeise dieser Kategorie ist "Gebackener Schweinskopf": Die fleischigen, also weitgehend fettfreien Teile des Schweinskopfs sind in kleine Teigsäckchen eingebacken, in denen sie saftig bleiben, aber wenig Geschmack entwickeln (13 Euro).

Die Küche des Broccoli ist so weit ins Lokal vorgeschoben, dass man von vielen Plätzen aus das einstudierte Ritual vor den Grilleinrichtungen beobachten kann. Das am häufigsten benutzte Gerät ist der Josper-Grill, ein Backofen mit eingebautem Rost und herunterklappbarem Deckel, in dem das über der Holzkohleglut ausgelegte Fleisch gleichzeitig gegrillt und gebacken, also schonend gegart wird. Was wir an Produkten aus diesem Gerät probiert haben, verblüffte sowohl durch die saftige Konsistenz des bis in den Kern angenehm salzig schmeckenden Fleisches, als auch durch die je nach Garzustand duftig feinen oder prallen Röstnoten.

Laut Werbung bezieht die Küche alle verwendeten Produkte aus Betrieben der Region. Das Duroc-Schwein, von dem wir ein Kotelett probiert haben, muss ein besonders festes Fleisch gehabt haben. Da das servierte Stück beim Grillen schmackhaft geräuchert wurde, ließ man sich diese Härte gefallen, aber beim Vergleich mit anderen Grillspeisen musste man sich doch ein wenig wundern (21 Euro).

Bestellt man Lammkoteletts, bekommt man sechs große Exemplare geliefert, die das Genusspotenzial der Grillküche eindrucksvoll vorführen (41 Euro). Zartheit und Knusprigkeit dürften kaum irgendwo näher beieinanderliegen als hier. Ähnlich loben könnte man auch das schön durchwachsene Rib-Eye vom Black-Angus-Rind. An ihm ließen sich die Geschmacksnoten, die der überdachte Grill liefert, besonders schön nachgenießen (37 Euro).

Das küchentechnisch gelungenste Gericht waren aber wohl die geschmorten Ochsenbacken. Mürb-zarter kann Fleisch kaum sein; man fragt sich, wie der starke Kaumuskel des Ochsen in eine so harmonisch schmeckende Substanz verwandelt werden kann, die sich mit der Gabel leicht zerteilen lässt. Und da bei diesem Schmorgericht, anders als bei den Grillspeisen, auch noch Beilagen serviert wurden - es waren frisch gebratene kleine Pfifferlinge und ein herrlich buttriges Kartoffelpüree mit aufgehobelten Trüffelspänen - konnte man hier nur glücklich sein und sich über die auffälligen Preisunterschiede auf der Karte wundern (27 Euro).

Wie die Beilagen bei den Ochsenbacken vermuten ließen, lohnt es sich im "Lonely Broccoli" durchaus, zu den eigens aufgeführten und extra zu bezahlenden Beilagen und Zutaten vorzustoßen. Die schon erwähnten Brokkolistrünke werden geröstet und wirkungsvoll mit Mandelbutter und Pinienkernen verfeinert (5,50 Euro). Sehr zu loben sind auch die in einen würzigen Teig eingebackenen Stücke vom Blumenkohl (12 Euro). Und einen Versuch wert ist der außen kurz angegrillte Romana-Salat mit Buttermilchdressing, Birnenschnitzen und Speckspänen (12 Euro). Das Rätseln über die differierenden Preise geht aber in eine neue Runde, wenn man die Weinkarte aufschlägt. Den Weinen anerkannter Erzeuger, die zu üblichen Restaurantpreisen angeboten werden, stehen andere gegenüber, die alle Normen sprengen. Bleibt man aber bei den offenen Weinen, macht man keinen Fehler.

Adresse: Leopoldstraße 170 | 80804 München | Telefon: 089/899042194200 | Montag bis Freitag 12 bis 14.30 Uhr, täglich 18 bis 22.30 Uhr | meet@thelonelybroccoli.com