Trattoria Marta:Trüffel und Tonno auf neuem Terrain

Trattoria Marta: Ein Marta Spritz für 7,50 Euro zu Beginn: Der Raum in der Trattoria Marta ist luftig und großzügig bemessen, draußen wie drinnen.

Ein Marta Spritz für 7,50 Euro zu Beginn: Der Raum in der Trattoria Marta ist luftig und großzügig bemessen, draußen wie drinnen.

(Foto: Robert Haas)

Im sehenswerten Viertel am Schwabinger Tor serviert die "Trattoria Marta" Pizza, Pasta und mehr für das hippe Großstadtpublikum. Versteckt hinter Olivenbäumen, Zypressen und Oleanderbüschen.

Von Rosa Marín

Nach der langen, durch die Pandemie bedingten Pause fühlte es sich für Rosa Marín recht ungewohnt an, wieder in einem Restaurant unter Menschen zu sitzen; so wie es wohl fast allen geht, die sich freuen, dass die Lokaltüren geöffnet und die Speisekarten neu geschrieben werden. Wie schön ist es, nicht hektisch in der kleinen Pause zwischen Home-Office und Homeschooling selbst am Herd zu werkeln, sondern ruhig dazusitzen und sich bedienen zu lassen.

Natürlich ist jeder Restauranttisch für die SZ-Kritiker auch ein Arbeitsplatz. Trotzdem ist es Neuland, das man betritt, wen man sehen möchte, was sich hinter den Olivenbäumen, Zypressen und Oleanderbüschen der Terrasse der "Trattoria Marta" versteckt. Hier, am Schwabinger Tor, im Norden der Leopoldstraße, ist ein sehenswertes Viertel erstanden, aus dem zum Beispiel das Hotel "Andaz" mit seiner beeindruckenden Dachbar aufragt, in dem allerlei Bars sowie Lokale aufgeploppt sind - und eben auch die Trattoria.

Im Sommer 2019 eröffnet, haben die Gastronomen Fabio Spagna, Thomas Antesberger und Daniel Peitzner während des Lockdowns wie alle eine Durststrecke überstehen müssen, nun sollen hier umso mehr die Korken knallen. Besser gesagt, der Marta Sprizz (Aperol, Belsazar White, Marille, Custoza Bianco) für 7, 50 Euro oder, etwas weniger knallend, der Albicocca Sour (Wodka, Pfirsichlikör, Angostura Bitter, Aprikosenmarmelade, Zitrone) für 10 Euro.

Die drei Gastronomen betreiben außerdem das "Supernova" sowie "The Italian Hotspot" in der Maxvorstadt und im Glockenbachviertel. Allen Lokalen ist eine gewisse Coolness und Originalität beim Innendekor zu eigen. Auch beim "Marta" ist das sehr gut gelungen. Ein massiver, zwölf Meter langer Marmortresen dominiert die Räumlichkeit im Erdgeschoss. Die Bar ist bis zur unendlich hohen Decke schillernd bestückt.

Trattoria Marta: Getränkewünsche sollten an dieser Bar nicht unerfüllt bleiben.

Getränkewünsche sollten an dieser Bar nicht unerfüllt bleiben.

(Foto: Robert Haas)

Eine große Vitrine vor samtbezogenen, wunderschönen Bänken ist ausgestattet mit ansehnlichen Affettati und Antipasti sowie handgemachter Pasta, die "durch Bronze gepresst ist", wie es in der Speisekarte heißt. Die Karte kommt übrigens auf einer massiven Kupferplatte zum Gast, gereicht vom durchweg schnellen, aufmerksamen Service. Die Küche ist offen, der riesige Pizzaofen beeindruckend. Der Pizzaiolo zieht das runde Teigstück nach einer Minute fertig gebacken heraus.

Männer in eng geschnittenen Anzügen aus den umliegenden Büros und hippes Großstadtpublikum sind hier zu Gast. Dementsprechend darf die Pizza Tartufo (17 Euro) mit großzügig gehobeltem Trüffel nicht fehlen. Neben der Luis-Trinker-Pizza mit Tomate, Mozzarella, Südtiroler Speck, Bergkäse und Schnittlauch (13) oder Regina Royal (Prosciutto Cotto, Steinpilze, Olio di Tartufo) für 17 Euro gibt es aber auch ganz normale Pizza, wie die ganz vorzügliche und riesenhafte Calzone (15 Euro).

Bei den Vorspeisen legte Rosa Marín mit ihren Mittestern zusammen: In die Mitte des Tisches kamen Polpette di Carne (10), saftige Rinder-Fleischbällchen in einem recht gelungenen Tomatensugo. Purple Rain Burratina (14) entpuppte sich als auf einem riesigen weißblauen Teller angerichteter Mozzarella mit einer Füllung aus Mozzarella-Fäden und Sahne, gebettet auf Rote-Beete-Carpaccio samt Pistazien-Pesto, eine runde Sache. Die Moscardini (12), geschmorte Babykraken, waren guter Durchschnitt, während der Prosciutto San Daniele (9) frisch und intensiv war, hauchdünn aufgeschnitten mit der Berkel-Maschine.

Die Karte ist klar gegliedert, tagesaktuelle Kreationen sind den Köchen (vorerst?) nicht möglich, der Plan von einer Systemgastronomie klingt auch deswegen durch, weil sich einige Gerichte auf den Karten der weiteren Restaurants der Bellezza Group finden. Etwa das Fileto al Brandy für 32 Euro, das auch im "Supernova" serviert wird.

Trattoria Marta: Empfehlenswert: Das Thunfischtartar.

Empfehlenswert: Das Thunfischtartar.

(Foto: Robert Haas)

Neugierig testete Rosa Marín darum ein Gericht, das den Namen der Lokalität am Schwabinger Tor trägt: The Marta Carpaccio (18) überwältigte allein durch die Riesenrad-Größe der Platte, die hauchdünnen Rinderfiletscheiben waren jedoch leicht wässrig, der Ruccola-Salat nicht angemacht, Olivenöl auf dem Tisch fehlte. Bei den Parpadelle al Tartufo (19) waren die Köche großzügig beim Trüffel, der aber wenig intensiv durchschmeckte. Empfehlenswert der Tonno Tatar (19), angebraten von beiden Seiten, von guter Schärfe, perfekt harmonierend mit Avocado an Limette, Minze und Kapern. Das war ein schöner Abschluss - denn Zeit ist knapp, die Tische werden meist in Zwei-Stunden-Slots vergeben.

Adresse: Leopoldstraße 156, München, Telefon: 089/99018744, Öffnungszeiten Montag bis Freitag 11.30 bis 0 Uhr, Samstag und Sonntag 9 bis 0 Uhr.

Die SZ-Kostprobe

Die Restaurant-Kritik "Kostprobe" der Süddeutschen Zeitung hat eine lange Tradition: Seit 1975 erscheint sie wöchentlich im Lokalteil, seit einigen Jahren auch Online und mit einer Bewertungsskala. Etwa ein Dutzend kulinarisch bewanderter Redakteurinnen und Redakteure aus sämtlichen Ressorts - von München, Wissen bis zur Politik - schreiben im Wechsel über die Gastronomie in der Stadt. Die Auswahl ist unendlich, die bayerische Wirtschaft kommt genauso dran wie das griechische Fischlokal, die amerikanische Fastfood-Kette, der besondere Bratwurststand oder das mit Sternen dekorierte Gourmetlokal. Das Besondere an der SZ-Kostprobe: Die Autorinnen und Autoren schreiben unter Pseudonym, oft ist dies kulinarisch angehaucht. Sie gehen unerkannt etwa zwei- bis dreimal in das zu testende Lokal, je nachdem wie lange das von der Redaktion vorgegebene Budget reicht. Eiserne Grundregeln: hundert Tage Schonfrist, bis sich die Küche eines neuen Lokals eingearbeitet hat. Und: Nie bei der Arbeit als Restaurantkritiker erwischen lassen - um unbefangen Speis und Trank, Service und Atmosphäre beschreiben zu können. SZ

© SZ vom 08.07.2021
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