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Neues Lokal im Zentrum:Japanischer Traum im Tigerkäfig

Die Küche im Anoki ist stark japanisch geprägt, auch wenn sie mit der vietnamesischen fusioniert.

(Foto: Stephan Rumpf)

In der alten Residenzpost hat das "Anoki" eröffnet - als Nachfolger des "Kufflers". Die neuen Betreiber haben sich bereits mit dem "Anh-Thu" und dem "Cochinchina" einen Namen gemacht.

Hieu Tran war hin- und hergerissen. Ein großes Restaurant in der Stadtmitte war ja immer schon sein Traum. Dann erfuhr er, wie hoch die Miete ist, und lehnte sofort ab. "Beim zweiten Treffen dauerte das Gespräch schon länger", erzählt er. Dann sprach er mit seiner Frau Anh-Thu, und irgendwann war ihm klar, dass er diese Chance ergreifen musste.

Vor zehn Jahren haben die Trans ihr Lokal Anh-Thu mit zeitgemäßer vietnamesischer Küche an der Kurfürstenstraße eröffnet. Sie kamen damals gerade rechtzeitig: Vietnamesische Gerichte sind oft leichter, weniger scharf und aromatischer als die Küchen anderer asiatischer Länder und liegen seit einigen Jahren sehr im Trend.

Inzwischen sind bei den Trans weitere Restaurants wie das Cochinchina und das Chuchin hinzugekommen - und jetzt auch noch das Anoki, was die japanische Form des Vornamens Anh-Thu ist, im prachtvollen Palais an der Oper, der ehemaligen Residenzpost. Die Räume hat eigentlich der Gastro-Großunternehmer Kuffler gemietet. Es sollte das Flaggschiff der Gruppe werden, zu der das Spatenhaus, das Weinzelt auf der Wiesn, das Luxushotel Palace und zahlreiche weitere Lokale zählen. Die Kufflers hatten mit dem sehr großen Lokal aber "erst kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu", wie Stephan Kuffler, der das Unternehmen mit seinem Bruder Sebastian leitet, es umschreibt. Mehr als fünf Jahre lang versuchten sie, das Restaurant mit 180 Plätzen drinnen und noch einmal so vielen draußen auf der Loggia profitabel zu machen. Zweimal änderte man das Konzept, bis schließlich klar war: Ein weiterer Versuch bringt nichts, da muss jemand anderes ran.

Das sind nun die Erfolgsgastronomen in Sachen neuer asiatischer Küche, Hieu und Anh-Thu Tran. Die Kufflers, die die Räumlichkeiten noch bis 2032 gepachtet haben, halten sich im Hintergrund und unterstützen die neuen Betreiber, wie es heißt. Drinnen wurde komplett umgebaut. Die Designerin Caroline Rauh hat eine märchenhafte Bühne in das Lokal hineingebaut, eine Mischung aus Bambuswald zur Blauen Stunde und geschickt arrangierten Inseln, die dem Innenraum seinen Wartesaal-Charakter nehmen. Ein abgetrennter Bereich ermöglicht etwas Privatsphäre für zehn Gäste. Hieu Tran sagt: "Meine Frau wollte etwas haben, das aussieht wie ein chinesisches Hochzeitsbett." Man könnte aber auch sagen: wie ein Tigerkäfig.

Die Küche ist stark japanisch geprägt, auch wenn sie mit der vietnamesischen fusioniert. Chefköchin Haruko Kato, früher im inzwischen geschlossenen Tenno an der Buttermelcherstraße tätig, bereitet mit ihren sechs Mitstreitern Maki-Rollen, Nigiri und Sashimi in der offenen Sushi-Küche zu, dahinter arbeitet die übrige Küchenmannschaft hinter getönten Scheiben wie in einem Schattentheater. In der Bar, rechts vom Eingang, in tiefstes Dunkelblau getaucht, gibt es asiatisch angehauchte Cocktails und demnächst zwölf verschiedene Sake-Sorten. Dort kann man auf einen Absacker hin, wenn das Restaurant um ein Uhr zumacht. Täglich.

Kulinarisch erinnert vieles an die sehr gehobene Fusionsküche des Matsuhisa und des Izakaya. Hieu Tran sagt: "Wir sind keine Konkurrenz, wir sehen uns als Ergänzung." Er habe auch Wert darauf gelegt, dass das Essen im Anoki nicht allzu teuer wird: "Ich wollte, dass bei uns auch mal ein Studentenpärchen für zusammen 80 Euro essen gehen kann." Die beiden sollten in diesem Fall jedoch nicht allzu hungrig sein und mit kleinen Speisen vorlieb nehmen. Oder, wie Tran es verschmitzt formuliert: "Wenn jemand Geld ausgeben will - da haben wir auch was!"