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Forno e Cucina:Betriebsam draußen und drinnen gelassen

Forno e Cucina, Ehrengutstr. 27 für die Kostprobe

Ein Italiener, der nicht aus dem Rahmen fällt: Im Forno e Cucina setzt man auf solide und überzeugende Arbeit in der Küche.

(Foto: Florian Peljak)

Das Ristorante Forno e Cucina im Dreimühlenviertel ist ein ganz normales italienisches Lokal, wie man es sich öfters wünscht in der Stadt.

Von Iwan Lende

"Das Normale ist das Besondere", sagte unlängst ein kluger Mensch aus der Bankiersbranche. Er meinte zwar das Verhalten seiner Kollegen, hätte diesen Satz aber ohne Abstriche auch auf Münchens italienische Gastroszene münzen können, in der Normalität, ob auf der Speisekarte oder bei der Ausgestaltung des Innenraums, so verpönt ist wie Mondamin in der Soße. Stellt man also fest, die Lokalität Forno e Cucina am Roecklplatz (genauer: in der Ehrengutstraße) sei ein sehr normaler Italiener, so ist das, angesichts vieler Münchner Italiener mit viel Italienschnickschnack, durchaus ein Kompliment.

Nun ist Lende diesem Dreimühlenviertel schon lange emotional sehr verbunden, lebte er doch vor Jahrzehnten in der namensgebenden Straße in einer Zweizimmerwohnung mit Balkon für 107 Deutsche Mark (kalt), wofür man heute kaum mehr einen Garagenplatz bekommt. In der Zeit von damals bis jetzt hat die Isarvorstadt gewaltige Veränderungen erlebt und das Haus, in dem heute das Forno e Cucina mit "Ofen und Küche" die Gäste verwöhnt, viele Wirtewechsel. Derzeit herrscht hier gentrifizierungsbedingt Münchens vielleicht größte Dichte an gehobenem Mittelstand, was den Restaurants rund um den Platz mit dem riesigen Kinderspielplatz auch im coronaren Überlebenskampf hilft.

Das Forno e Cucina hat zwei sehr unterschiedliche Anmutungen zu bieten. Da wäre zum einen die Freifläche am Eck zur einbahnigen Isartalstraße gegenüber dem münchentypisch von jeglichem architektonischen Mut befreiten Neubau auf dem ehemaligen Rodenstockgelände. Es herrscht eine geradezu neapolitanische Mischung aus Verkehrslärm und hektischer Betriebsamkeit zwischen den knallorangenen Tischen und Stühlen. Im eiligst gebrachten Aschenbecher glimmt noch die Kippe vom Vorgänger, Bier (Ayinger), Riesling und gemischte Antipasti stehen blitzeschnelle auf dem Tisch, fast lässt man sich anstecken von solcher Hektik und merkt kaum, dass schon die Vorspeisen es verdient haben, genüsslich verzehrt zu werden. Erst recht dann das Doradenfilet, auf der Hautseite kross gebraten, zart an der Oberseite, und die Kalbsleber, perfekt auf den Punkt gebracht, was wahrlich keine Selbstverständlichkeit ist. Garniert ist beides (und fast jede Hauptspeise) mit knackfrisch gegartem Gemüse.

Im Innenraum dann, L-förmig mit großer Bar (ideal zum Warten auf die Pizza zum Gehen), herrschen Gelassenheit und fast schon münchenitalienische Gemütlichkeit. Zeit also für einen Sprizz vorneweg, für ausgedehnten Vorspeisengenuss mit Vitello tonnato und gegrillten Steinpilzen weit über Durchschnittsniveau; mit Verdauungs- und Rauchpause vor Spaghetti mit vielfältigem, reichlichem und perfekt gewürztem Fischragout, vor einem steakähnlichen Rindsrippchen auf weindicker Schalottensauce (wobei das Fleisch etwas zu bissfest geriet und die Frage nach dessen Durchbratgrad nicht geschadet hätte) und vor einer Pizza Bianca mit Trüffel, Kartoffel und dünnstem Speck, womit wir beim Verkaufsschlager des Hauses wären.

Denn wenn Lende den Pizzarand nicht wegschneidet, sondern mit Genuss verzehrt, muss dem Mann am Ofen etwas Besonderes gelungen sein. In der Tat sind hier die Pizzen innen zart und hauchdünn und am Rand fluffig-luftig gewölbt, was für eine sehr kenntnisreiche Herstellung des Teigs spricht. Dazu kommt die liebevolle Garnierung mit, je nach Gusto, allerlei Frischem. Die Bianca war zudem nicht mit dem gerne verwendeten Billigmozzarella bestrichen, sondern mit einem ricottaartigen Weichkäse. Es hätte, auch um den so positiven Eindruck zu bewahren, der Nachspeise, eines schwer schokoladigen Brunettos mit Vanilleeis, nicht mehr bedurft.

So testet die SZ bei der Kostprobe

Die Kostprobe gibt es als Format für Restaurantkritiken seit 1975 in der Süddeutschen Zeitung. Die Autorinnen und Autoren haben sich ehernen Regeln verpflichtet: Sie testen ein Restaurant frühestens 100 Tage nach Eröffnung (damit sich das Küchenteam bis dahin einspielen kann), essen dort mehrmals (denn jeder Koch und jede Köchin kann mal einen schlechten Tag haben), geben sich nicht als Tester zu erkennen und schreiben unter Pseudonym (um unerkannt und unabhängig bleiben zu können). Und die Rechnung? Die bezahlt natürlich die SZ selbst.

Es wäre nun übertrieben, das Forno e Cucina auch als Weinlokal anzupreisen. Aber vor allem der Künstler Riesling aus dem Rheingau und der hier jenseits der Karte angebotene Primitivo blieben angenehm im Gaumengedächtnis, wogegen der Montepulciano aus den Abruzzen etwas flach blieb. Die Preise um die sechs Euro (plus minus) scheinen noch nicht vom Münchner Weinpreiswahnsinn befallen, selbst der Chateauneuf du Pape fällt zwar als Marke etwas aus dem Rahmen, wäre aber für 69 Euro kaum überteuert. Wie sich überhaupt die Belastung des Geldbeutels in der für diese durchaus etablierte Gegend in Grenzen hält mit Primi zwischen 7,90 und 14,50 Euro und Secondi um die 20 Euro.

Wenn also hier das Normale das Besondere ist, wird das noch unterstrichen durch die hübsche Vespa in einem der Fenster, die, assistiert von einer riesigen Filmlampe, an jene Zeiten erinnert, in denen Gregory Peck mit Audrey Hepburn durch Cinecitta und Rom düste. An eine Zeit also, als ein ganz normales italienisches Lokal hier in München noch etwas sehr Besonderes war.

Adresse: Ehrengutstraße 27, 80469 München, Telefon: 089/74118010, Öffnungszeiten: Mittwoch bis Montag 11 bis 23 Uhr, fornoecucinagmbh@gmail.com

© SZ vom 06.08.2020/vewo

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