Aus in Münchens Spitzen-GastronomieKoch weg, Stern weg, Restaurant weg

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Zuletzt blieben die Tische im Restaurant „Mural“ zu oft leer – im Juli schließt es (Archivbild).
Zuletzt blieben die Tische im Restaurant „Mural“ zu oft leer – im Juli schließt es (Archivbild). Johannes Simon
  • Gastronom Moritz Meyn schließt im Juli seine beiden Münchner Lokale Bar Mural und Restaurant Mural nach stark gesunkenen Umsatzzahlen.
  • Als Gründe führt er an, dass die Gäste nur halb so viel wie in den Vorjahren konsumierten und weniger bereit seien, das 119-Euro-Menü oder hochpreisige Weine zu bestellen.
  • Das Fine-Dining-Konzept entspreche nicht mehr dem Zeitgeist, heute habe man eher Erfolg mit schnelllebiger Küche und hohem Durchlauf.
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Die Mural-Gruppe bricht auseinander, die beiden verbliebenen Lokale machen dicht. Welche Gründe der Wirt anführt und was nun mit dem großen Weinkeller geschieht.

Von Sarah Maderer

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„Es fühlt sich so an, als gehe eine Ära zu Ende“, beginnt Moritz Meyn das Gespräch, das ihm nicht leichtfällt. Wie der Münchner Gastronom der SZ mitteilte, wird er seine zwei Lokale, die Bar Mural in der Theresienstraße und das gleichnamige Restaurant in der Altstadt, im Juli schließen. Das bedeutet das endgültige Aus für die Mural-Gruppe, die vor zehn Jahren mit der Bar ihren Anfang nahm und zeitweise vier – zum Teil mit Michelin-Sternen ausgezeichnete – Betriebe zählte.

Meyn begründet seinen Entschluss mit stark gesunkenen Umsatzzahlen, die im Fall des Restaurants auf eine zu geringe Auslastung zurückzuführen seien und bei der Bar auf einen zu niedrigen Pro-Kopf-Verzehr. Gäste seien etwa immer weniger dazu bereit, sich das abendfüllende Menü des Mural Restaurants für 119 Euro pro Person zu leisten oder in der Bar eine hochpreisige Flasche Wein zu bestellen, sagt Meyn. Zuletzt sei in den Lokalen etwa halb so viel konsumiert worden wie in den Vorjahren.

Daraus schlussfolgert der 40-jährige Betriebswirt, dass das Fine-Dining-Konzept des Mural nicht mehr dem Zeitgeist entspreche: „Es ist schwierig geworden, mit dem, was wir machen, profitabel zu arbeiten.“ Heute habe man als Gastronom eher Erfolg mit einer schnelllebigen Küche und einem hohen Durchlauf, glaubt Meyn. In den vergangenen Monaten habe er zwar versucht, mit Anpassungen auf diesen Trend zu reagieren, musste aber feststellen: „Das ist einfach nichts, was sich in kurzer Zeit beheben lässt.“

Allzu sehr verbiegen wolle er die Marke außerdem auch nicht. Als Meyn zusammen mit seinem früheren Geschäftspartner Wolfgang Hingerl im Jahr 2016 die Bar Mural und im Jahr darauf das Restaurant im „MUCA – Museum of Urban and Contemporary Art“ eröffnete, sind sie seiner Meinung nach mit ihrem Konzept mit Fokus auf Regionalität und Nachhaltigkeit Vorreiter gewesen. „Eat local. Drink natural“ lautete das Motto der Mural-Familie. Dementsprechend war neben der gehobenen Küche auch ein großer Weinkeller voller Naturweine Teil deren DNA.

Der Guide Michelin krönte im Jahr 2020 erstmals das Mural Restaurant mit einem Stern. Die damaligen Küchenchefs Joshua Leise und Johannes Maria Kneip waren zu diesem Zeitpunkt gerade einmal Mitte zwanzig. „Wir waren damals die unkonventionellen jungen Wilden, das war schon cool“, sagt Meyn. Die Zeit nach der Corona-Pandemie war dann aber eher turbulent und von vielen Personalwechseln geprägt.

Kneip verließ während der Corona-Pandemie die Mural-Gruppe, Leise im Sommer 2024. Den Michelin-Stern konnte danach keiner ihrer Nachfolger zurückholen. Für kurze Zeit leitete Felix Adebahr die Küche, nach ihm waren es bis zuletzt Moritz Burger und Bastian Falkenroth. Moritz Meyn macht aber weder den Wegfall des Sterns noch die vielen Personalwechsel oder Wolfgang Hingerls Ausstieg aus der Geschäftsführung vor einem Jahr für die jüngsten Entwicklungen verantwortlich.

Der Eingang zum Mural Restaurant im „MUCA – Museum of Urban and Contemporary Art“ wird im Juli für immer geschlossen (Archivbild).
Der Eingang zum Mural Restaurant im „MUCA – Museum of Urban and Contemporary Art“ wird im Juli für immer geschlossen (Archivbild). Johannes Simon
Da waren es noch drei: Gastronom Moritz Meyn (r.) startete mit Wolfgang Hingerl (l.) die Mural-Gruppe. Joshua Leise erkochte einen Michelin-Stern für das Restaurant – hier ein Foto aus dem Jahr 2022.
Da waren es noch drei: Gastronom Moritz Meyn (r.) startete mit Wolfgang Hingerl (l.) die Mural-Gruppe. Joshua Leise erkochte einen Michelin-Stern für das Restaurant – hier ein Foto aus dem Jahr 2022. Catherina Hess

Auch sei die Schließung der anderen beiden Lokale im Mural-Portfolio, dem Farmhouse in Obersendling (ein roter und ein grüner Michelin-Stern) und der Bambule Bar in der Landwehrstraße, im Mai 2025 rückblickend nicht als Warnschuss zu bewerten, findet Meyn; denn diese Entscheidung sei extern vom damaligen Vermieter jener zwei Locations, der Locke-Hotelgruppe, gesteuert worden.

Dass Meyn nun auch die Reißleine für Mural Bar und Restaurant ziehen wird, habe er mit ausreichend Vorlaufzeit beschlossen, damit die verbleibenden Wochen vor allem für seine 20 Beschäftigten sinnvoll und fair zu Ende gebracht werden können. „Das Team ist motiviert, jetzt noch mal zwei Monate Gas zu geben“, sagt Meyn. „Das imponiert mir sehr.“ Anfang Juli wird das Restaurant schließen, Ende des Monats dann die Bar.

Bis dahin soll es zum Abschied verschiedene Sonderaktionen geben, zum Beispiel Winzer-Events, sonntägliches Daydrinking mit Wein und Rolls im Freien sowie Aperitivi in der Bar Mural von 16.30 Uhr an. Außerdem dürfen sich Gäste auf eine günstige Weinkarte freuen, denn der große Weinbestand beider Lokale will leer getrunken werden. Ob Meyn die Marke Mural irgendwann noch einmal auferstehen lassen wird oder mit einem anderen Konzept einen neuen Anlauf wagen möchte, lässt er zum jetzigen Zeitpunkt offen.

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