Münchner ResidenzDer Bellotto-Raum erstrahlt in altem Glanz

Lesezeit: 2 Min.

Der „Bellotto-Raum“ in der Residenz München mit Blick auf das Gemälde „Schloss Nymphenburg von der Parkseite“ von Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, 1761.
Der „Bellotto-Raum“ in der Residenz München mit Blick auf das Gemälde „Schloss Nymphenburg von der Parkseite“ von Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, 1761. (Foto: Bayerische Schlösserverwaltung, Maria Scherf / Veronika Freudling)

Die berühmten Stadtansichten, die der venezianische Maler Bernardo Bellotto 1761 für den bayerischen Kurfürsten schuf, sind wieder in historischem Ambiente zu bewundern.

Von Constanze Baumann, München

Läuft man durch die Residenz, fällt einem das Zimmer vielleicht gar nicht auf. Ein weißer Raum, dezent geschmückt mit goldenem Stuck. Die Einrichtung in Raum 23 ist zurückhaltend: weiß-goldene Rokokokommoden, ein Spiegel, ein paar Porzellanobjekte, ein paar Stühle. Es ist das zweite Vorzimmer der kurfürstlichen Appartements. Hier warteten Besucher auf ihre Audienz beim Kurfürsten; zu besonderen Anlässen diente der Raum gelegentlich auch als Speisezimmer. Da das Vorzimmer noch nicht zu den Wohnräumen gehörte, ist es verhältnismäßig schlicht gehalten – der Prunk steigerte sich, je weiter man ins Private vordrang.

Alles hier ordnet sich den Gemälden Bernardo Bellottos unter, genannt Canaletto. Der venezianische Maler, einer der berühmtesten Vedutenkünstler seiner Zeit, hielt sich 1761 knapp ein Jahr in München auf. Im Auftrag des Kurfürsten Max III. Joseph schuf er drei großformatige Ansichten Münchens: zwei vom Schloss Nymphenburg, von der Stadt- und von der Parkseite, sowie ein Panorama der Residenzstadt vom Osten aus. Die Bilder sind in weiß gefasste Holzvertäfelungen mit feiner Vergoldung eingefasst, entworfen vom Hofarchitekten François de Cuvilliés. Sie gelten als die berühmtesten Stadtansichten Münchens und gehören zu den kostbarsten Gemälden des Residenzmuseums.

Mit der Jahreskarte ins Museum
:So günstig und stressfrei kann man Kunst genießen

Jahreskarten für Museen sind nicht nur günstig, sie nehmen auch den Druck, bei einem Besuch alles auf einmal sehen zu müssen, damit sich der Eintritt auch wirklich lohnt.  Ein attraktives Geschenk sind sie obendrein – nicht nur zu Weihnachten.

Von Evelyn Vogel

Bellottos Gemälde faszinieren durch ihre Genauigkeit, ihre beinahe fotografische Schärfe. Sie suggerieren den Blick in einen eingefrorenen Moment des 18. Jahrhunderts. Dabei sind es hochgradig komponierte Konstruktionen: Das Licht wird idealisiert, Perspektiven werden verschoben und Details montiert. Wer hier auf eine Audienz wartete, sollte eben sehen, über was für eine Stadt der Kurfürst herrschte.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Raum fast vollständig zerstört. Die Bellottos, die alle den Krieg überstanden hatten, sollten wieder in den Raum zurückkehren, doch beim Wiederaufbau 1966 entschied man sich gegen eine originalgetreue Rekonstruktion. Anstelle der hölzernen Wandverkleidungen wurden Wandbespannungen aus Stoff angebracht. Dadurch gingen nicht nur die abgestufte Reihenfolge des Prunks, sondern auch die ursprüngliche Strahlkraft des Raums verloren.

Erst in diesem Jahr konnte der Raum wieder seinem historischen Originalzustand angenähert werden. Bereits 2014 waren die Veduten anlässlich der Bellotto-Ausstellung in der Alten Pinakothek restauriert worden; seitdem wuchs der Wunsch, auch den Raum selbst zu restaurieren. In diesem Jahr wurde dieser Wunsch Wirklichkeit: Die Wandvertäfelungen aus Tannenholz fertigte die Kunstschreinerei des Restaurierungszentrums der Bayerischen Schlösserverwaltung, die Vergoldung übernahm eine spezialisierte Kirchenmalerfirma.

Nach einer fünfmonatigen Restaurierung, die im Oktober dieses Jahres abgeschlossen wurde, ist der Raum nun seit November wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Zwar ist die Restauration keine exakte 1:1-Rekonstruktion – die Gestaltung aus den 1960er Jahren machte das unmöglich –, doch kommt der Raum dem 18. Jahrhundert sehr nahe, wie Kurator Christian Quaeitzsch beim Presserundgang erklärt. Damit sind Bellottos Veduten nach fast 60 Jahren wieder in ihrem nahezu ursprünglichen Setting zu sehen – als Teil eines beeindruckenden Gesamtkunstwerks aus Raum und Bild.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Ausstellung im NS-Dokuzentrum München
:Was der Krieg mit uns macht

Eine sehenswerte Ausstellung im NS-Dokumentationszentrum spürt den traumatischen und oft übersehenen Folgen kriegerischer Auseinandersetzungen nach.

Von Jürgen Moises

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: