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Tourismus:Wie Münchens Sehenswürdigkeiten im Netz abschneiden

Schmuckfoto München Zentrum

Blick auf Mariensäule, die Türme der Frauenkirche und einen Eckturm des Rathauses in München.

(Foto: Florian Peljak)

Frauenkirche, BMW-Welt oder Hofbräuhaus - jedes halbwegs bekannte Ausflugsziel lässt sich heute im Internet bewerten. Dabei gehen die Besucher auch mit berühmten Orten teils hart ins Gericht.

Reiseführer sind für viele Menschen mittlerweile eine unzureichende Form der Urlaubsvorbereitung. Warum der Empfehlung eines Autors trauen, wenn zigtausend andere Menschen schon ihre Meinung im Netz hinterlassen haben? "Lohnt es sich?", fragt die nach eigenen Angaben weltweit größte Reise-Website Tripadvisor ihre Nutzer, und die bewerten freimütig Sehenswürdigkeit um Sehenswürdigkeit. Mal kurz und knapp, mal ausufernd, mal begeistert, mal enttäuscht. Was vor allem deutlich wird: Es bleibt eine zutiefst subjektive Sache, was den Menschen beeindruckt und was nicht.

Das Glockenspiel etwa, "für jeden Besucher ein "Muss", wie "gusipasi66" feststellt. Ein Muss? "Nett anzusehen" und "schöne Münchner Tradition", heißt es hier und da immerhin. Manche, wie "1_Bergfex", sehen es pragmatisch: "Wenn man schon in München ist, kann man sich das Glockenspiel anschauen, ist aber kein besonderer Burner." "ToryakaJana" ist erbarmungsloser: "Es lohnt sich einfach nicht. Das Glockenbimmel hört sich nicht besonders toll an und die Figuren sind auch nicht spannend und schieben sich nur von A nach B." Auch andere sind enttäuscht: "Anhand der vielen Menschen, die sich am Rathausturm befanden und erwartungsvoll nach oben schauten, dachte ich - wer weiß was da jetzt kommt (...) Es war total unspektakulär. Blecherne Figuren drehen sich im Kreis."

So kontrovers das Glockenspiel gesehen wird, so beliebt ist Schloss Nymphenburg. Besuchenswert, "besonders, wenn man es nicht schafft, einen Ausflug nach Neuschwanstein zu machen", schreibt eine Besucherin aus Chicago, "die Architektur ist atemberaubend" schreibt ein Kalifornier, und Jürgen M., nach eigener Aussage weit gereist, sagt sogar, "kein Schloss-Park-Ensemble hat mich so berührt und hat mir so gut gefallen wie der Nymphenburger Park". Noch einiger sind sich Touristen, was den Alten Peter angeht. "Der Aufstieg kann mühsam sein (rund 300 Stufen und eng), die Aussicht ist aber sensationell", schreibt "245ralphk". Und ein anderer Besucher ergänzt: "Die Kirche ist wunderschön mit viel Prunk, wie man das von katholischen Kirchen gewohnt ist. Beides, die Kirche sowie der Turm, lohnt es sich anzuschauen!"

Vielleicht sollte also der Alte Peter Münchner Reiseführer zieren statt der ikonischen Frauenkirche, denn die bekommt weit weniger Lob ab. "So sehr die Frauenkirche von außen beeindruckt, so nüchtern und kahl wirkt diese Kirche im Inneren", schreibt einer und fasst damit den Tenor der Kritiker zusammen: Außen hui, innen - naja. Als "erschreckend schlicht, erschreckend karg und modern" und "etwas langweilig" wird der spätgotische Bau bezeichnet. Viele waren schon in "wesentlich beeindruckenderen Kirchen." Fast möchte man sich da als Münchner für dieses zu viel versprechende Wahrzeichen entschuldigen, vielleicht ein Warnschild außen anbringen; aber immerhin, der Teufelstritt versöhnt die meisten.

Mit der BMW-Welt, der meistbesuchten Touristenattraktion Bayerns, müssten aber doch die meisten zufrieden sein. Oder? "Empfehlenswert und wunderschön für jeden Autoliebhaber", sagt "nectrick" etwa. Aber sind alle Besucher Autoliebhaber? "Im Endeffekt nichts umwerfendes. Dafür, dass der Eintritt frei ist, lohnt sich aber ein Besuch", schreibt ein anderer. Es gibt ja noch anderes als Autos dort, "unverwechselbare, futuristische Architektur", "das kulinarische Angebot in den beiden Restaurants" (über die an anderer Stelle als "völlig überteuerte Imbiss-Möglichkeiten" gemeckert wird).

Also lieber ein Bier im Hofbräuhaus. "Ronnyp645" würde das empfehlen: "Essen Top. Ambiente Top (...) Als Gastronomen hat uns die Qualität absolut positiv überrascht." "Typisch bayerisch und ein Erlebnis" lautet ein anderes Urteil, während "ruwschultze2018" weniger glücklich wurde: "So schlecht haben wir schon seit Jahren nicht mehr gegessen. Die Schweinshaxe war nicht gar. Die Haut war nicht knusprig, sondern ledrig!" Ein Gast von den Philippinen weiß das Hofbräuhaus zu schätzen: "Essen sehr lecker, für Touristen sehr gut geeignet, da es leicht zu finden ist." Die viel zitierte Volksfestatmosphäre ist mal der Besuchsgrund, mal ein Grund, "sich die Ohren zuzuhalten, um einen Gehörschaden zu vermeiden". Und "1_Bergfex" aus Österreich, der das Glockenspiel langweilig fand, wurde immerhin im Hofbräuhaus glücklich. "Das Bier ist, wie in ganz München, süffig."

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