Verhaftung bei Razzia:Münchner Koch sollte offenbar "Reichsbürger"-Truppen verpflegen

Lesezeit: 2 min

Verhaftung bei Razzia: Die Bundesanwaltschaft hat den Koch Frank Heppner am Mittwoch in Österreich festnehmen lassen.

Die Bundesanwaltschaft hat den Koch Frank Heppner am Mittwoch in Österreich festnehmen lassen.

(Foto: imago stock&people)

Frank Heppner steht im Verdacht, er habe die Versorgung der "Heimatschutzkompanien" einer künftigen "Reichsbürger"-Regierung übernehmen sollen. Nun wurde der Küchen-Profi festgenommen.

Von Lea Weinmann und Ralf Wiegand

Im Spätsommer, berichtete damals Der Neue Wiesenbote in seinen "Nachrichten für Oberfranken & Umgebung", bekochte Frank Heppner noch die Teilnehmer des 3. Bayreuther Classic Grand Prix, einer Oldtimer-Rallye von Bayreuth nach Nürnberg. Der "Münchner Starkoch", hieß es da, sei ein Spezialist für leichte Asia-Kost. Tatsächlich bereitete er einst auch im Kitzbüheler Restaurant Sra Bua genau das zu: euro-asiatische Speisen. "Spannend", urteilte die Gastrokritik in Österreich. Allerdings habe man sich - das teilte das Hotel Kempinski, zu dem das Restaurant gehört, auf Anfrage mit - 2019 getrennt. Bedauerlicherweise habe man seither keinen Kontakt mehr.

Heppner, 62, ist viel rumgekommen: Gelernt hat er in Hongkong, Südkorea und auf den Philippinen, er absolvierte seiner Selbstauskunft nach eine Lehrstation beim Sternekoch Eckart Witzigmann, arbeitete in Genf und Amsterdam, in Frankreich, am Tegernsee und immer wieder auch in München, etwa im Hotel Rafael und im Lenbach. Er schrieb Kochbücher und trat im Fernsehen auf.

Nun allerdings wird Heppner wohl eine außerplanmäßige Station in Karlsruhe einplanen müssen - und die Verpflegung dort dürfte seinen Ansprüchen ("Was auf gar keinen Fall fehlen darf, ist Champagner", verriet er mal der Plattform Das Kochrezept) kaum genügen. Die Bundesanwaltschaft hat den Koch am Mittwoch auf Grundlage eines Haftbefehls in Österreich festnehmen lassen, ein Verfahren zur Auslieferung nach Deutschland läuft. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Was der Generalbundesanwalt Peter Frank dem kochenden Kosmopoliten vorwirft, wiegt schwer: Heppner soll Mitglied jener mutmaßlichen terroristischen Vereinigung sein, der am Mittwoch eine der größten Durchsuchungsaktionen der Bundesrepublik gewidmet war. Rund 3000 Beamte durchkämmten bundesweit mehr als 130 Objekte, nahmen 23 Personen in Deutschland fest, einen Mann in Italien - und eben auch Frank Heppner in Österreich. Laut Mitteilung wird er verdächtigt, zu einem achtköpfigen Führungsstab des militärischen Arms einer Gruppe zu gehören, die die gewaltsame Erstürmung des Reichstags und die Einsetzung einer neuen Regierung geplant haben soll. All das basiere unter anderem auf der Ideologie der Reichsbürger, die die Existenz der Bundesrepublik leugnen und ein neues, "souveränes" Deutschland herbei fantasieren wollen.

Die Ermittler gehen davon aus, dass dieser militärische Arm etwa mit der Rekrutierung neuer Mitglieder und der Beschaffung von Waffen befasst war. Der Stab sollte sich demnach aber auch um die Unterbringung und Verpflegung der künftigen "Heimatschutzkompanien" kümmern. Sollte also wirklich der Koch aus München, Leibspeise Wiener Schnitzel mit Hummer, die Versorgung der Truppe übernehmen? Laut der Wiener Zeitung Die Presse wird ihm vorgeworfen, bei der Anschaffung eines Wohnmobils für die Putschisten seine Kreditkarte eingesetzt zu haben. Außerdem soll er "Lebensmittel, Küchenutensilien und ein Notstromaggregat" besorgt haben. Für eine Stellungnahme war er nicht zu erreichen.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusMeinungExtremismus
:Hat niemand mitbekommen, wie diese Leute ticken?

Zu den festgenommenen Terrorverdächtigen aus der rechten Szene gehören Menschen, deren Aufgabe es eigentlich ist, den Rechtsstaat zu beschützen. Und das ist nicht die einzige Nachricht, die beunruhigen sollte.

Lesen Sie mehr zum Thema