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Solar Orbiter:"Wir versuchen die dunkle Energie der Sonne zu verstehen"

Forschungssonde ´Solar Orbiter" geht auf die Reise

Die Raumsonde Solar Orbiter wird sich der Sonne nähern, wie noch keine Sonde und kein Satellit zuvor. Simulation: ESA

Die Raumsonde Solar Orbiter soll der Sonne so nah kommen, wie nichts Menschliches zuvor. Um sicher zu sein, dass sie das auch schafft, wurde sie in Ottobrunn getestet.

Nur noch wenige Monate, dann wird diese Raumsonde in den Weltraum fliegen. Sie wird sich der Sonne nähern, wird so nah an sie herankommen, wie keine Sonde, kein Satellit zuvor. "Wir versuchen die dunkle Energie der Sonne zu verstehen", sagt Günther Hasinger, Direktor für Wissenschaft bei der europäischen Weltraumorganisation ESA. Aber im Moment steht die Raumsonde Solar Orbiter noch im Testzentrum der Firma IABG in Ottobrunn. Hinter einer Glasscheibe, vor der Journalisten und Wissenschaftler stehen. Sie sind nur wenige Meter von der Raumsonde entfernt, deren Vorzüge, Aufgaben und Teleskope mehrere Wissenschaftler und Projektleiter der ESA, des Unternehmens Airbus und von Universitäten in Paris und London zuvor fast zwei Stunden lang erklärt haben.

Es ist ein letzter Blick auf die Raumsonde, Ende Oktober wird sie mit dem Flugzeug in die USA geflogen, und im Februar kommenden Jahres beginnt dann ihre wirkliche Reise. Ihre Mission. Endlich, sagen Günther Hasinger von der ESA und Holly Gilbert von der NASA. Etwa 1,5 Milliarden Euro wird die zehnjährige Mission kosten, und sie alle können es kaum erwarten, dass die Raumsonde sich von der Startbasis Cape Canaveral in Florida auf den Weg zur Sonne macht. Dass sie mit den Messungen beginnt, dass sie hilft, zu verstehen, wie die Sonne das Weltraumwetter beeinflusst. Doch bevor die Sonde das darf, wurde sie ein Jahr lang in Ottobrunn getestet.

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"Während der Tests wird die Raumsonde den Bedingungen ausgesetzt, die sie später erleben wird", sagt Eckard Settelmeyer von Airbus. "Wenn sie erstmal gestartet ist, ist ein Boxenstopp nicht drin. Dafür sind wir zu weit draußen." Er ist durch eine Tür gegangen, über der "Weltraumsimulation" steht, hat sich einen Kittel über den Anzug, eine blaue Haube über den Kopf und weiß-blaue Schutzhüllen über die Schuhe gezogen. Nun steht er im Cleanroom, in einem Gang, der die verschiedenen Testräume verbindet. In roten Buchstaben leuchtet das Wort "Clean" an mehreren Stellen von der Wand, niemand soll die Testumgebung verunreinigen.

In diesen Hallen haben sie Solar Orbiter gerüttelt, so stark, wie der Raketenstart die Sonde schütteln wird. Sie haben getestet, ob sie heftige Erschütterungen aushält, wenn die Sonde sich von der Rakete löst, wenn Solar Orbiter ihre Flügel mit einer Spannweite von jeweils neuneinhalb Metern entfaltet, ihre Schwenkarme ausfährt. Sie haben die Raumsonde extremen Temperaturen und hohem Schalldruck ausgesetzt, haben magnetische Tests unternommen, Hunderte Sensoren an ihr befestigt und alle Ergebnisse analysiert.

Die Messinstrumente der Solar Orbiters sind sensibel. Einige Schutzhüllen sollen erst kurz vor dem Start entfernt werden, so spät wie möglich.

(Foto: Claus Schunk)

Die Raumsonde wird etwa 42 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt sein, sie wird der Sonne näher sein als der Planet Merkur. Und sie wird Temperaturen von bis zu 500 Grad Celsius aushalten müssen - und an anderen Stellen bis zu minus 180 Grad Celsius.

Nachdem sie ein Jahr lang getestet haben, wissen sie nun: "Wir sind fit für die Mission", sagt Settelmeyer. An einigen Stellen hätten sie "punktuell nachgebessert". Ein üblicher Vorgang. Einen großen Fehler, der die Mission gefährden könnte, haben sie nicht gefunden. Sie wissen jetzt, dass Solar Orbiter wohl den Start überstehen wird, dass sie die extremen Temperaturen der Sonne aushalten kann. Sie wissen, dass sie gut gearbeitet haben.

Airbus hat die Sonde in Großbritannien gebaut, mit Bauteilen unter anderem aus Italien, Frankreich und Spanien. "Damit die hochempfindlichen Instrumente Magnetfelder und Teilchen der Sonne messen können, muss die Sonde selbst für die Sensoren unsichtbar sein. Das hat uns an die Grenzen des technisch Machbaren geführt", sagt Settelmeyer. Fast zwei Jahre wird Solar Orbiter brauchen, um seine Umlaufbahn um die Sonne zu erreichen. Vor der Hitze und der starken Strahlung schützt ein schwarzer Schutzschild. Öffnungen darin geben den Messinstrumenten den Blick auf die Sonne frei - und schließen sich dann wieder.

Acht Jahre lang soll die Raumsonde die Sonne beobachten, soll wissenschaftliche Daten liefern, die es den Forschern erlauben, das zu verstehen, was auf der Sonne passiert. Zum Beispiel die heftigen Eruptionen, die von den Sonnenwinden ausgelöst werden und die auch Auswirkungen auf die Erde haben. Wenn sie besser verstanden werden, hilft das zum Beispiel Astronauten und Kommunikations- und Navigationssatelliten zu schützen. Und zum ersten Mal soll Solar Orbiter auf seiner Reise Bilder und Videos von den Polen der Sonne machen.

Wie die Mission enden wird, ist noch nicht klar. Vielleicht wird Solar Orbiter noch länger wissenschaftliche Daten liefern. Vielleicht werden sie versuchen, sie noch näher an die Sonne heranzubringen. Klar ist nur: Auf die Erde zurückkommen wird die Raumsonde nicht.

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