Silvester-Konzert von "Rammstein":Feuer unterm Dach

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Silvester-Konzert von "Rammstein": Feuer auf der Bühne, Feuer unterm Dach: Rammstein ist bekannt für Pyro-Shows, doch ob die auch auf der Theresienwiese abgefeuert werden dürfen, ist weiterhin unklar.

Feuer auf der Bühne, Feuer unterm Dach: Rammstein ist bekannt für Pyro-Shows, doch ob die auch auf der Theresienwiese abgefeuert werden dürfen, ist weiterhin unklar.

(Foto: Malte Krudewig/dpa)

Der Streit über ein mögliches "Rammstein"-Konzert wird immer schärfer. Münchens Kulturveranstalter fühlen sich benachteiligt, weil die Stadt einen Grazer Unternehmer bei seinen gigantischen Plänen unterstützt.

Von Heiner Effern und Michael Zirnstein

Eigentlich sollte es bei Open-Airs um "pure Lebensfreude" gehen, wie der Lederhosen-Popstar Andreas Gabalier immer wieder ausrief, als er am vergangenen Samstag auf der Messe Riem vor 83 000 Fans (so nun die offizielle Zahl) auftrat. Aber dieses und weitere Riesenkonzerte des Grazer Unternehmers Klaus Leutgeb waren von Anfang an in München ein Politikum. Seit der Ankündigung, dass er auf der Theresienwiese eine Silvestershow von Rammstein für 145 000 Menschen steigen lassen will, sind sie endgültig zum Zankapfel geworden.

Die Veranstalter des zum 22. Mal auf der Theresienwiese stattfindenden Winter-Tollwoods sind sauer, dass Rammstein ihre Pläne für eine Silvester-Gala ruinieren könnte. Im Stadtrat zeichnet sich eine Mehrheit für das Großkonzert ab. Doch die Grünen ätzen gegen den Wirtschaftsreferenten Clemens Baumgärtner (CSU), er wolle das Konzert "im Schnellverfahren" gegen die Expertise der Sicherheitsbehörden durchdrücken. Damit nicht genug: Die 110 Mitglieder des Verbands der Münchner Kulturveranstalter (VdMK) beschweren sich in einem Brief an die Stadtspitze über Baumgärtner.

Sie fühlen sich gegenüber dem auswärtigen Kontrahenten Leutgeb benachteiligt, der in ihren Augen zu sehr auf einer Wellenlänge mit dem Wirtschaftsreferenten liegt. Man sei "in großer Sorge, wie mit den Belangen von Münchner Veranstaltern umgegangen wird", heißt es. Leutgeb hat sowohl bei den Messe-Konzerten mit Gabalier, Helene Fischer und Robbie Williams, als auch auf der Theresienwiese tatkräftig Unterstützung erhalten. "Baumgärtner ist nicht der Wirtschaftsreferent von Graz, sondern immer noch von München", sagt der VdMK-Vorsitzende Patrick Oginski.

Der Verband sei im Gegensatz zu Leutgeb immer wieder abgeblitzt mit seinen Anfragen nach zusätzlichen Open-Air-Orten oder mehr Nutzungszeiten auf vorhandenen Flächen wie dem stark reglementierten Königsplatz. Man habe zum Beispiel konkret die Messe für Großkonzerte mit Ed Sheeran und Linkin Park angefragt, aber auch die Theresienwiese. Der Wirtschaftsreferent habe "eindringlich vermittelt", so steht es in dem Brief, "die Olympiapark München GmbH als städtische Tochter sei stets die erste Wahl". Allein die Leutgeb Entertainment Group sei bei Großkonzerten auf dem Messegelände unterstützt worden. Dies führe zu "einem ungleichen Wettbewerb." Das solle sich nun "an Silvester auf der Theresienwiese wiederholen".

Der Wirtschaftsreferent reagiert gelassen auf die Kritik, er sei "völlig entspannt"

Wirtschaftsreferent Baumgärtner bleibt trotz dieser Vorwürfe "völlig entspannt", wie er versichert. Bei ihm habe sich niemand wegen der genannten Konzertpläne auf der Theresienwiese oder der Messe gemeldet. "Ich bin für jeden Veranstalter und für jede Veranstaltung, die in München stattfindet. Das ist mein Job", sagte er. Wenn er sich aber einsetzen solle, brauche es "konkrete Projekte und nicht abstrakte Anfragen". Er habe als verantwortlicher Referent für die Theresienwiese in Sachen Rammstein der Politik nur die Frage vorgelegt. Entscheiden werde es der Stadtrat, genehmigen müsste das Konzert das Kreisverwaltungsreferat.

Dass er ein Silvesterevent dieser Größenordnung als enormen Werbefaktor für München ansieht, daraus macht Baumgärtner kein Geheimnis. Auch das verübeln ihm die Veranstalter. Denn ein einheimischer Konkurrent von Leutgeb hatte die Vorbereitungen für bis zu vier weitere Konzerte von Rammstein im Olympiapark im Juni 2023 schon fast abgeschlossen. Dass das Wirtschaftsreferat ein vertraglich noch nicht fixiertes Rammstein-Konzert ankündigt, bevor die anderen in den Vorverkauf gehen konnten, verursache einen Schaden bei dem Münchner Veranstalter.

Auch die Festivalleitung von Tollwood geht Baumgärtner an. "Wir halten die parallele Durchführung eines Rammstein-Konzerts, dessen Beschallung und Sicherheitsvorkehrungen auf 145 000 Personen angelegt sind, und unserer Silvesterparty und der relativ ruhigen Silvestergala mit Zirkustheaterproduktion und Tanz zu Swing-Musik nicht für möglich", heißt es in einer Mitteilung. Man sei bereits im Vorverkauf und habe Verträge geschlossen. Nachdem die Theresienwiese als Konzertort offenbar kein Tabu mehr sei, dränge sich die Frage auf, wie es künftig weitergehe. "Wir würden uns für die kommenden Jahre wieder mehr Planungssicherheit wünschen."

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