Silvester auf Theresienwiese:Rathaus-Mehrheit für Rammstein-Konzert

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Silvester auf Theresienwiese: Feuer frei für Rammstein? Ob die Band - hier im Bild Sänger Till Lindemann - an Silvester auf der Theresienwiese spielen darf, ist noch nicht entschieden.

Feuer frei für Rammstein? Ob die Band - hier im Bild Sänger Till Lindemann - an Silvester auf der Theresienwiese spielen darf, ist noch nicht entschieden.

(Foto: Sebastian Dammark/Imago)

Der Stadtrat will dem Auftritt in der Silvesternacht wohl zustimmen - die Sicherheitsbehörden lehnen die Veranstaltung mit mehr als 140 000 Zuschauern aber strikt ab: "letztendlich lebensgefährlich".

Von Heiner Effern

Das Silvesterkonzert der Band Rammstein vor 145 000 Zuschauern auf der Theresienwiese wird am Mittwoch aller Voraussicht nach vom Stadtrat erlaubt. Obwohl sich die Grünen als stärkste Kraft ablehnend zeigen, steht wohl eine Mehrheit aus SPD, CSU und FDP/Bayernpartei. Nun liegt es am Veranstalter, in der extrem kurzen Vorbereitungszeit ein schlüssiges Konzept vorzulegen. Den Ausschlag für ein Weiterverfolgen der Rammstein-Pläne gab am Montag die Haltung der SPD, die lange mit sich gekämpft hatte. "Wir würden uns freuen, wenn es klappt. München ist eine Weltstadt der Musik und soll das auch bleiben", sagte Fraktionschefin Anne Hübner.

Sie betonte aber auch, dass letztlich das Kreisverwaltungsreferat (KVR) über die Pläne des Veranstalters entscheiden müsse. Die Sicherheitsbehörden sehen das Konzert bisher als problematisch an oder lehnen es schlicht ab. Das KVR hält die Zeitschiene von einem möglichen Beschluss des Stadtrats am 10. August bis zum Veranstaltungstag am 31. Dezember "für definitiv zu knapp bemessen". Die Polizei erklärt mit Verweis auf die Silvesternacht und der mangelnden Erfahrung der Stadt und des Veranstalters mit so einem Großereignis, dass ein solches Konzert "nicht zu befürworten" sei. So steht es in den Stellungnahmen für die Stadtratssitzung.

Vergangene Woche waren die Pläne des Konzertveranstalters Klaus Leutgeb bekannt geworden. Nun muss er schnell ein genehmigungsfähiges Konzept vorlegen. Dass dies möglich sein wird, daran äußern KVR und Polizei massive Zweifel. Ganz entscheidend dafür sind Termin und Dimension eines solchen Konzerts. Eine solche Veranstaltung mit "herausragenden sicherheitskritischen Faktoren" berge erhebliche Risiken bis hin zu Gefahren für die Gesundheit von Bürgern und Konzertbesuchern, schreibt die Polizei.

Ein Szenario wie beim Loveparade-Drama 2010 wird gezeichnet

Als Beispiele führt sie den massiven Andrang bei An- und Abreise in den öffentlichen Verkehrsmitteln an, die Probleme, das Konzertareal abzusichern und ausreichend Ordner zu finden, die vielen erwarteten Zaungäste gerade an Silvester, tendenziell angetrunken und mit Böllern und Raketen ausgestattet, die sie auch auf die Konzertbesucher abfeuern könnten. Dazu sei zu befürchten, dass viele Rammstein-Fans nach dem Konzert in der Altstadt zum Feiern bleiben würden, an einem Tag, an dem die Blaulicht-Organisationen ohnehin schon stark beschäftigt seien.

Das KVR nimmt in seinem Schreiben auch Bezug auf die Loveparade 2010 in Duisburg, bei der in einer Panik 21 Menschen ums Leben gekommen waren. Wie die Flächen damals dort sei auch die Theresienwiese nicht für eine Massenveranstaltung dieser Dimension ausgelegt. Das Rammstein-Konzert wäre ein "Prototyp", für den viele Prüfungen und detailreiche Abstimmungen nötig seien. Zeitdruck hierbei sei nicht nur kontraproduktiv, sondern "letztendlich lebensgefährlich".

Dazu scheint der Veranstalter Leutgeb mit seinen Großkonzerten auf dem Messegelände in Riem, die zurzeit stattfinden, nicht viel Vertrauen aufgebaut zu haben. Diesem sei es trotz längerer Vorlaufzeit und intensiver Unterstützung der Sicherheitsbehörden bis zuletzt nicht gelungen, dafür ein "zufriedenstellendes Sicherheitskonzept vorzulegen", schreibt das KVR. Die Polizei bescheinigt ihm gar "erhebliche Defizite", die sich bei einem Großkonzert an einem ihm nicht vertrauten Ort noch potenzieren könnten.

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