Urteil am Münchner LandgerichtHaftstrafe nach brutalem versuchten Doppelmord

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Neun Tage dauerte der Prozess gegen Miloš M. – am Ende wurde er wegen versuchten Mordes in zwei Fällen zu einer Haftstrafe verurteilt.
Neun Tage dauerte der Prozess gegen Miloš M. – am Ende wurde er wegen versuchten Mordes in zwei Fällen zu einer Haftstrafe verurteilt.
Stephan Rumpf
  • Miloš M. wurde am Münchner Landgericht wegen versuchten Mordes in zwei Fällen zu zehn Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.
  • Der 39-Jährige hatte am 1. Juni vergangenen Jahres seine Ex-Partnerin und deren neuen Freund mit Messern attackiert und schwer verletzt.
  • Das Gericht sah wegen des frühen Geständnisses und Bemühungen um einen Täter-Opfer-Ausgleich von einer lebenslangen Haftstrafe ab.
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Miloš M. war mit Messern auf seine frühere Partnerin und ihren neuen Freund losgegangen – und hatte ihr den Tod angedroht. Warum das Gericht dennoch von einer lebenslangen Haftstrafe absieht.

Von Andreas Salch

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Es waren verstörende, dramatische Szenen, die sich in den frühen Morgenstunden des 1. Juni vergangenen Jahres auf offener Straße in einem Wohngebiet in Ramersdorf abspielten. Anica L. (Name geändert), eine junge Mutter von drei Kindern, rannte in Todesangst, blutend und schreiend auf die Straße. Sie versuchte, vor ihrem früheren Lebensgefährten Miloš M. zu fliehen. Doch der 39-jährige Trockenbauer holte sie ein, warf sie zu Boden und schrie: „Du Schlampe, ich töte dich.“ Dann stach er auf sie ein. Zuvor hatte Miloš M. auch den neuen Partner von Anica L., Marko W. (Name geändert), mit einem Messer schwer verletzt.

Für die Tat verurteilte ein Schwurgericht am Landgericht München I Miloš M. deshalb am Donnerstag nach neuntägiger Verhandlungsdauer wegen versuchten Mordes in zwei Fällen zu einer Gesamtstrafe von zehn Jahren und sechs Monaten Haft. Miloš M. hatte die Vorwürfe aus der Anklage der Staatsanwaltschaft bereits zum Prozessauftakt Mitte Mai in einer Erklärung, die sein Verteidiger, Rechtsanwalt Peter Pospisil, für ihn abgab, im Wesentlichen eingeräumt.

Anica L. erlitt bei dem Angriff auf der Straße Stiche am Oberkörper und im Intimbereich. Die 35-Jährige wehrte sich mit Tritten gegen Miloš M. Nachbarn und Anwohner, die auf das Geschehen aufmerksam geworden waren, eilten auf die Straße und setzten einen Notruf ab. Trotz ihrer Verletzungen gelang es ihr, ihrem früheren Partner das Küchenmesser mit einer Klingenlänge von  15 Zentimetern abzunehmen. Daraufhin ließ er von ihr ab. Er beugte sich über sie, küsste sie und sagte, dass er sie liebe und sie nun sterben müsse. Danach ließ sich Miloš M. widerstandslos von den alarmierten Polizeibeamten festnehmen.

Vor der Messerattacke hatte sich der Trockenbauer Zutritt zu dem Haus verschafft, in dem die 35-Jährige wohnt, und die Tür ihrer Wohnung eingetreten. Unmittelbar darauf attackierte er zunächst deren neuen Partner Marko W., der in jener Nacht zu Besuch war, mit einem Küchenmesser und verletzte ihn schwer. Nachdem Marko W. trotz des Messerangriffs die Flucht gelungen war, griff Miloš M. auch Anica L. an. Dabei stach er ihr mit solcher Wucht mit einem Küchenmesser in die Schulter, dass die Klinge abbrach. Miloš M. rannte daraufhin in die Küche, um ein neues Messer zu holen. In diesem Augenblick gelang es auch Anica L., aus der Wohnung zu fliehen und auf die Straße zu rennen.

Miloš M. und Anica L. führten seit 2014 eine Beziehung, in deren Verlauf es jedoch immer wieder zu Streitigkeiten kam. Grund hierfür waren vor allem M.’s Alkoholproblem, seine Spielsucht und finanzielle Schwierigkeiten. Nach einem erneuten Streit im Januar 2024 hatte sich Anica L. endgültig von ihm getrennt. Trotzdem hielten beide den Kontakt weiter aufrecht, vor allem wegen der gemeinsamen Kinder, in deren Betreuung sie sich abwechselten.

Miloš M. kam dafür manchmal sogar zu Anica L. Bei einem dieser Besuche, am 21. Mai vergangenen Jahres, als die 35-Jährige außer Haus und er mit den Kindern allein in ihrer Wohnung war, durchsuchte er alles. Dabei fand er eine Schachtel Kondome und verschaffte sich Zugang zum Account seiner Expartnerin auf einer Dating-Plattform.

Der Gedanke an einen neuen Mann trieb den Angeklagten zu seiner Tat

Der Gedanke, dass die 35-Jährige jetzt mit einem anderen Mann ein Verhältnis haben könnte, habe den Angeklagten von diesem Zeitpunkt an getrieben, sagte die Vorsitzende der Schwurgerichtskammer, Richterin Elisabeth Ehrl, unter anderem bei der Urteilsbegründung. Miloš M. hatte Anica L. gedroht, sollte ein anderer Mann die Kinder kennenlernen, werde er diesen töten.

Als Miloš M. in der Nacht vom 31. Mai auf den 1. Juni 2025 seine Androhung in die Tat umsetzte, war er stark betrunken. Laut einem Sachverständigengutachten hatte er eine maximale Blutalkoholkonzentration von 2,56 Promille. Dennoch habe der 39-Jährige „keine gravierenden Ausfallerscheinungen gezeigt“, so Richterin Ehrl. Die Tat des Angeklagten, so die Vorsitzende, sei nicht „vorrangig auf Alkohol zurückzuführen, sondern auf das übersteigerte Besitzdenken“ an seiner Expartnerin.

Da Miloš M. sich noch vor Beginn des Prozesses unter anderem um einen Täter-Opfer-Ausgleich mit Anica L. und Marko W. bemüht hatte, sah das Gericht davon ab, ihn zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe zu verurteilen. Außerdem hatte er die Tat frühzeitig gestanden. Kurz nach seiner vorläufigen Festnahme in Ramersdorf sagte er zu den Polizeibeamten: „Ich hab’ Mist gebaut.“

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