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Prozess in München:Ehefrau und Stieftochter spurlos verschwunden - 44-Jähriger angeklagt

Polizeieinsatz mit über 150 Polizisten in einem Waldgebiet in Waldperlach an der Putzbrunnerstrasse, zwei vermisste Frauen werden dort gesucht.

Ohne Erfolg durchkämmten die Polizisten den Truderinger Forst.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Roman H. soll vergangenes Jahr seine Frau und seine Stieftochter getötet haben. Er schweigt seit seiner Festnahme.
  • Die Leichen sind spurlos verschwunden, Suchaktionen in Waldstücken waren erfolglos.
  • Im Wald wurden zwei wichtige Objekte für den Indizienprozess gefunden: eine Fußmatte und ein Teppich mit Blutspuren der Vermissten.

Von Andreas Salch

Als die groß angelegte Suchaktion der Münchner Polizei angelaufen war, hatten die Ermittler die Hoffnung bereits aufgegeben, Maria Gertsuski und ihre 16-jährige Tochter Tatiana noch lebend zu finden. "Wir gehen davon aus, dass Mutter und Tochter tot sind", erklärte Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins eine Woche nach deren Verschwinden im Juli 2019. Kurze Zeit darauf hatten fast 700 Polizeibeamte im August bei brütender Hitze den Truderinger Forst auf der Suche nach Maria Gertsuski und ihrer Tochter durchkämmt. Ohne Erfolg. Die Leichen der beiden wurden bis heute nicht gefunden.

Doch jetzt hat die Staatsanwaltschaft am Landgericht München I Anklage gegen den Mann von Maria Gertsuski, Roman H., erhoben. Dem 44-Jährigen wird Totschlag an seiner Frau in Tatmehrheit mit Mord an seiner Stieftochter Tatiana zur Last gelegt. Über die Eröffnung des Hauptverfahrens und den Beginn der Hauptverhandlung muss nun das Schwurgericht am Landgericht München I entscheiden. Schon jetzt zeichnet sich ab: Es wird wohl ein aufwendiger Indizienprozess werden. Denn Tatzeugen gibt es nicht. Und Roman H. schweigt seit der Festnahme beharrlich.

In ihrer Pressemitteilung zu dem spektakulären Fall geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass Roman H. seine 41 Jahre alte Frau am Vormittag des 13. Juli vergangenen Jahres in der gemeinsamen Wohnung in der Ottobrunner Straße in Ramersdorf bei einem Streit getötet habe. Seine Stieftochter Tatiana habe zu diesem Zeitpunkt einen Sprachkurs in einem Bildungszentrum in der Münchner Innenstadt besucht. Da es Roman H. nicht möglich gewesen sei, so die Staatsanwaltschaft, bis zur Rückkehr seiner Stieftochter die Spuren seiner Tat und insbesondere die Leiche seiner Frau zu beseitigen, habe er den Entschluss gefasst, auch seine Stieftochter zu töten. Damit habe der 44-Jährige "die Aufdeckung der Tat zu Lasten der Geschädigten Maria Gertsuski" verhindern wollen. Damit ist nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft das Mordmerkmal der sogenannten Verdeckungsabsicht erfüllt. Das Motiv für den Totschlag an Maria Gertsuski habe bisher indes nicht festgestellt werden können.

Aufgrund ihrer Ermittlungen glaubt die Staatsanwaltschaft, dass Roman H. sowohl seine Frau als auch seine Stieftochter "auf derzeit noch unbekannte Art und Weise, am ehesten durch stumpfe Gewalt gegen den Kopf" getötet habe. Obwohl deren Leichen bislang nicht gefunden wurden, deuteten Spuren auf diese Todesursache hin, erklärte die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft am Landgericht München I, Oberstaatsanwältin Anne Leiding auf Nachfrage. Detailliertere Angaben könne sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt hierzu keine machen.

Nachdem er seine Frau und seine Stieftochter getötet habe, soll Roman H. die Spuren am Tatort versucht haben zu beseitigen. Anschließend habe er die beiden Leichen mit seinem Pkw "an einen derzeit noch unbekannten Ort" gebracht und versteckt. Die einzigen Spuren, die die Fahnder bei ihren Ermittlungen entdeckten und die bei einem Prozess eine überaus wichtige Rolle spielen dürften, sind eine Fußmatte und ein Teppich. Beide Gegenstände fanden die Fahnder im August 2019 abseits eines Waldweges an der Putzbrunner Straße. Forensiker gelang es, daran Blutspuren sicherzustellen. Sie stammten von Maria Gertsuski und ihrer Tochter. Vor diesem womöglich entscheidenden Fund war den Ermittlern aufgefallen, dass jener Teppich und die Fußmatte aus der Wohnung von Roman H. und seiner Frau in Ramersdorf verschwunden waren. Die Stelle, an der der Teppich und die Fußmatte gefunden wurden, liegt nur knapp zehn Autominuten entfernt von der Wohnung des Ehepaars.

Für den Prozess vor dem Schwurgericht hat die Staatsanwaltschaft Dutzende polizeiliche Zeugen sowie acht Sachverständige benannt. Die Anklageschrift gegen Roman H. umfasst 188 Seiten, die Ermittlungsakten erstrecken sich auf nicht weniger als 23 Bände.

© SZ vom 11.03.2020/wean
Staatsanwältin Lina Müller

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